392 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1911.
Nordseeküste auf, Dagegen wurden verhältnismäßig sehr viel heitere Tage ge-
zählt, die sich meist vom 6. bis 10., vom 20. bis 22. und vom 26. bis 31. ein-
stellten. Vom 9. bis 15. wurden täglich, und zwar fast an der ganzen Küste,
Gewitter beobachtet. Stürmische Winde zeigten sich äußerst selten, nämlich nur
am 20. und 21. sowie vereinzelt noch am 31., durchweg aus nördlicher Richtung,
und zwar nur im äußersten Osten des Küstengebiets.
Am 1. und 2. stand das deutsche Küstengebiet unter dem Einfluß ozeanischer
Winde, die einem Südwesteuropa bedeckenden Hochdruckgebiet entstammten.
Die Witterung war ziemlich niederschlagsreich und vorwiegend kühl. An den
beiden folgenden Tagen stellte sich insofern eine wesentliche Anderung der
Wetterlage ein, als das genannte Hochdruckgebiet nach dem östlichen Kontinent
fortschritt und damit zu inlandigen Winden Veranlassung gab, die in einen von
der Biscayasee nachfolgenden Depressionsausläufer hineinwehten, wobei starke
Erwärmung eintrat und wieder fast an der ganzen Küste Niederschläge fielen.
Am 5. war das Hochdruckgebiet nach Nordosten abgezogen und ein neues von
Südwesteuropa weiter vorgeschritten. Sie wurden beide durch eine vom Balkan
bis nach Südschweden reichende Hochdepression getrennt, die über der östlichen
Ostseeküste die Gestalt einer Furgche hatte, so daß auf der Ostseite warme
Südost-, auf der Westseite dagegen viel kühlere Nordwestwinde herrschten. Die
Folge dieser Druckverteilung war das Eintreten von Gewittern, während im
Westen mit ozeanischen Winden wieder Abkühlung erfolgte,
Bis zum 14. stand nun die deutsche Küste unter dem Einfluß östlicher
Winde; das Hochdruckgebiet zog ostwärts, vereinigte sich mit dem anderen
über Rußland gelegenen Hochdruckgebiet und hielt sich über Ost- bzw. Nord-
europa bis zum 14. Am 9, Mai breitete sich von der Biscayasee her eine De-
pression langsam ostwärts aus; sie gab zu zahlreichen Gewittern Veranlassung,
die vom 9. bis 14, das ganze Küstengebiet heimsuchten und vom 11, ab täglich
Niederschläge im Gefolge hatten. Die Temperaturen hielten sich in dieser Zeit
andauernd hoch. An den Stationen der Ostseeküste stellte sich mit 22 bis 26°
das Monatsmaximum der Temperatur ein.
Vom 15. bis 18. herrschte eine sehr gleichmäßige Luftdruckverteilung,
Dabei traten am 15. noch vielfach Gewitter auf, namentlich im äußersten Osten.
Vom 16. bis 18. herrschte meist trockenes Wetter,
Am 19. trat wieder eine ausgesprochenere Luftdruckverteilung in die Er-
scheinung, indem sich über Nordwesteuropa ein Hochäruckgebiet von 770 mm
Höhe, über Südosteuropa aber ein Minimum von 750 mm Tiefe einstellte. Die
Witterung änderte sich jedoch nicht wesentlich, da die in den letzten Tagen
herrschende Windrichtung keine wesentliche Anderung erfuhr. Im Westen
nahm die Bewölkung etwas zu und stellenweise fielen leichte Niederschläge. Das
genannte Minimum zog zunächst nordwärts, dann nach Osteuropa weiter, wobei
auf seiner Rückseite am 20. und 21. im äußersten Osten verbreitete steife und
stürmische Winde aus nördlichen Richtungen auftraten, die auch am folgenden
Tage nur wenig nachließen, An diesem Tage erstreckte sich ein Hochdruck-
gebiet von Südwest- nach Nordosteuropa, das langsam ostwärts fortschritt. Am
28, und 24. fielen mit Ausnahme der östlichen Ostseeküste verbreitete Nieder-
schläge, da von Nordwesteuropa ein Tiefdruckgebiet nachrückte.
Letzteres entfernte sich aber nordwärts, und nunmehr bedeckte hoher
Luftdruck das deutsche Küstengebiet bis zum Monatsschluß, so daß bis auf den
27., wo leichte Niederschläge fielen, bei schwachen, vorwiegend nordöstlichen
Winden heiteres, trockenes Wetter herrschte.
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