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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 39 (1911)

Obolensky, W.: Hamburgische Registrierballon-Aufstiege vom 8. bis 13. August 1910. 97 
als an der Erdoberfläche, In derselben Zeit sank die Feuchtigkeit von 79% 
auf 55%. In einer Höhe von etwa 400 m war der Wind N50°W, für 600 m 
schon N9°W 6, also Rechtsdrehung um 41°. Die Luft an der Erdoberfläche hatte 
schon Zeit gehabt, sich zu erwärmen, und in der untersten Schicht war Isothermie, 
Am folgenden Tage war die Temperaturverteilung in der untersten Schicht 
kompliziert, bedingt durch Nebel über Hamburg. In der untersten Schicht bis 
300 m Höhe hatte man den adiabatischen Temperaturabfall von 16.8° bis 13.8°; 
und die Feuchtigkeit stieg in ihr von 92° % bis 100%. In den nächsten 20 m 
folgte eine Temperaturerhöhung um 0.2° und eine Feuchtigkeitserniedrigung bis 
98%. Höher war wieder Temperaturabfall für die folgenden 40 m um 0.3° bei der- 
selben Feuchtigkeit, und endlich noch höher begann die Temperaturumkehrung 
von 13.5° bis 14.5° für 360 bis 710 m, verbunden mit Feuchtigkeitsabnahme von 
98%, bis 70%. Hier hatten. wir die Temperaturschwingungen von 138,8° bis 14.0° 
und weiter von 14.0° bis 13.7°%°, Wahrscheinlich steht diese Schwingung. der 
Temperatur im Zusammenhang mit der wellenförmigen Oberfläche unseres Nebels, 
indem der Apparat, wenn er aus ihm in der Höhe von 320 m herausgeht, 14,0° 
bezeichnet, dann nach 12 Sek. in einer Höhe von 360 m wieder in diese Nebel- 
schicht eintritt und wieder 13.7° anzeigt. Es ist interessant, daß beim Austritt 
aus dem Nebel unser Ballon während 20 Sek, nur um 20 m stieg, während seine 
mittlere Vertikalgeschwindigkeit 250 m p. Min. war. Auch früher hat man be- 
merkt, daß die Aufstieggeschwindigkeit vor der oberen Grenze des Nebels lang- 
samer wird, wenn wärmere Schichten über ihm lagern. Es war auch die Wind- 
verteilung‘ in dieser Schicht charakteristisch. Bis 350 m Höhe hatten wir W53°N4, 
dann begann N 11°O0 6. Über dieser Schicht war der mittlere Temperaturgradient; 
die Feuchtigkeit fiel ununterbrochen. ; 
Also von 6 Aufstiegen haben wir in 3 Fällen untere Temperaturum- 
kehrungen, die allerdings um 7°/, Uhr vormittags nicht mehr ganz bis zum Boden 
herabreichten. 
Zustand der mittleren Schichten der Atmosphäre bis zur oberen Temperaturumkehrung. 
Auch hier zeigten sich Temperaturumkehrungen, die. hauptsächlich über 
Wolkenschichten stattfanden. . 
Hierfür ist der Aufstieg am 8. August interessant. Von der Erdoberfläche 
bis‘ 1570 m sank die Temperatur ziemlich gleichmäßig um 0.6° für 100 m. In 
derselben Zeit stieg die relative Feuchtigkeit. von 89%, bis 98%. In dieser 
Höhe begann die Wolkenschicht, Der Temperaturabfall verzögerte sich hier 
anfangs. stark und sank bis 0.15° für 100 m; aber in der Schicht von 2080 bis 
2330 m Höhe hatten wir wieder bedeutendere Temperaturabfälle; die Feuchtig- 
keit blieb auch hier 100°; es war hier der obere Teil der Wolkenschicht, 
Wahrscheinlich ist. dieser größere Temperaturabfall durch Verdunstung der 
Wassertröpfchen oder durch Ausstrahlung der oberen Wolkengrenze entstanden. 
Über dieser Grenze (2380 m) war eine Temperaturumkehrung von 3.4° bis 4.2° 
für 2330 bis 2460 m; dabei fiel die Feuchtigkeit bis auf 98%. Höher folgte 
sehr schwacher Temperaturabfall; die Feuchtigkeit war auch vermindert... 
Scharf genug und sehr interessant war die Temperaturumkehrung über 
Wolken am 12. August. Auch hier hatten wir in .den unteren Schichten eine 
schnelle Temperaturerniedrigung und Feuchtigkeitserhöhung. Schon in der 
Höhe um 900 m begannen die Wolken. In der Höhe 1100 m war die Temperatur 
7.5°, und die Feuchtigkeit erreichte ein Maximum von 98%. Dann begann die 
Feuchtigkeit stark abzunehmen, aber die Temperatur zu steigen, und für 1320 m 
finden wir schon 10.3° und 60%, Feuchtigkeit; also die Temperaturerhöhung 
war fast bis auf 3° und die Feuchtigkeitserniedrigung auf 38%, gewachsen. 
Beim Ballonabstiege. wurde auch die Temperaturumkehrung aufgezeichnet in der 
Höhe 960 bis 1090 m von 10.6° bis 8.1°, Das Hygrometer zeigte auch die scharfe 
Erniedrigung der Feuchtigkeit mit der Höhe an, nur in geringerer Höhe, näm- 
lich für 280 m 90%, und für 960 m nur 36%. Wenn wir den sehr schnellen 
Ballonabstieg und die gewöhnliche Verspätung der Aufzeichnungen des Hygro- 
meters bei so scharfer Änderung der Feuchtigkeit berücksichtigen, dann kommen
	        
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