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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1911,
Elementare Theorie der Gezeiten;
nebst den Gezeitenkonstanten der wichtigsten Orte des Indischen
Archipels und anderer Hafenplätze,
Von Dr. J. P, van der Stok,
Übersetzt von Prof, Dr, E. Herrmann.
(Hierzu Tafel 24.)
B. Anwendung auf die Vorausberechnung der Gezeiten,
Die rein periodische Gezeitenbewegung an einem bestimmten Tage kann
für jede Teiltide durch einen Ausdruck
H cos (nt + Vo — #)
dargestellt werden, worin n die Winkelgeschwindigkeit, t die von Mittag an
gerechnete Zeit, Vo das astronomische Argument, H und x die Amplitude und
die Phasenverschiebung (Kappazahl), die beiden Tidenkonstanten, bedeuten, Bezieht
man für jede Tide diese angeführten Größen auf ein fiktives Gestirn, dann ist Vy
der Stundenwinkel des Gestirns zu Mittag und x die Verzögerung der Tide gegen
den Meridiandurchgang des Gestirns, Geben wir diesem Ausdruck die Form
H cos (nt — %), dann ist £= — Vo+x%
und sind die Gezeitenkonstanten eines Ortes bekannt, so beruht die Berechnung
der Tide nur auf der Kenntnis von —V,y oder der in Winkelwerten (Graden) aus-
gedrückten Zeit des Meridiandurchganges des Gestirns,
Aus Abschnitt 4, Gleichung (14) hat sich ergeben, daß die Tidenkonstanten
nicht ganz und gar den Namen von Konstanten verdienen, da die Amplituden
mittlere Werte darstellen und in 19jähriger Periode von der Neigung der Mond-
bahn abhängigen Schwankungen unterworfen sind.
In Tabelle I findet man für alle Jahre der Periode 1910 bis 1950 die Werte
der Neigung J der Mondbahn und des Koeffizienten f, mit dem die Amplitude H
multipliziert werden muß. Diese Koeffizienten sind für die Mitte des Jahres
berechnet und werden daher für die Dauer des Verlaufs eines Jahres als
konstant angesehen. Die Korrektionen für die Amplituden von M, und N
betragen höchstens 4°, und brauchen daher meist nicht angebracht zu werden;
sie werden hier der Vollständigkeit wegen und damit im etwaigen Einzelfall
davon Gebrauch gemacht werden kann, mitgegeben.
Die Berechnung des astronomischen Arguments für einen bestimmten Tag
aus der mittleren Länge der Sonne, des Mondes und des Perigäums geschieht,
wie früher bemerkt ist, mit Hilfe von Tabellen, bleibt aber auch dann eine
umständliche Arbeit, Durch Berechnung des Wertes von — Vy für jede Tide und
für den Mittag des 1, Januar zu Greenwich, welche Werte ebenfalls für die Jahre
1910 bis 1950 in Tabelle II gegeben sind, wird diese Arbeit überflüssig und man
kann, da —8s (siehe S, 314) die Änderung dieser Größe für das Etmal bekannt
ist, leicht den Wert von —Vy für den Mittag jedes Tages finden.
Da die der Tabelle II entnommenen Werte für Greenwich gelten, so müssen
an ihnen beim Gebrauch kleine Korrektionen für die geographische Länge an-
gebracht werden, die in der Tabelle IIa gegeben sind.
Die Änderungen von —V, für das Etmal und die danach für jeden Tag
des Jahres abgeleiteten Werte der zu — Vo zuzurechnenden Größe findet man
in den Tabellen III, so daß auch bei dieser Arbeit die Multiplikation von —s mit
der Tageszahl erspart wird,
Hiermit ist die Gezeitenbewegung für jede Tide und jeden Tag voll-
ständig bestimmt. Als Beispiel möge die Beantwortung der Frage dienen, wie
die hauptsächlichste eintägige Tide K, in der Java-See z. B. bei Tandjong Priok
am 15. Januar und 15, Juli 1923 auftritt.
1. Jan, 1923 (Tab. II) — Vi = 173° 173°
15, Jan, (Tab, ID, . .. 346° 15, Juli = 168°
Kappazahl. . 1439 143°
2090 1940