Brennecke, W.: Ozeanographische Arbeiten der Deutschen Antarktischen Expedition. 351
Die Lotungen.
Zu’ den Lotungsarbeiten wie auch zu den Reihenmessungen‘ wurde back
gebraßt und das Schiff so gelegt, daß der Wind einige Strich von Steuerbord,
wo gelotet wurde, einkam, Das Schiff lag .so, ohne daß manövriert‘ wurde, in
den meisten Fällen gut, indem der ablaufende Draht auf- und niederzeigte oder
nur wenig von der Senkrechten abwich; nur in vereinzelten Fällen mußte
das Schiff durch die Schraube auf der Stelle gehalten werden, Die Bedienung
der Lotmaschine nahm ich ‘stets selbst; die Lotungsarbeiten wie auch alle
sonstigen ozeanographischen Arbeiten wurden von Kapitän Vahsel‘ und den
Offizieren des Schiffes in jeder Weise gefördert. Der erste Drahtverlust kann
auf Abdrehen infolge Rotation des Drahtes zurückgeführt werden, wie deutlich
die Bruchstelle zeigte; der zweite Verlust lag wohl in der Beschaffenheit des
aufliegenden, schon älteren Drahtes. Bei dem dritten Verlust ist wahrscheinlich
das Gewicht nicht abgefallen und demgemäß für die große Belastung zu schnell
gehievt worden.
Der Draht geht von der Lotmaschine ohne jede Führungsrolle außer dem
Meßrad direkt in See. Dies ist, namentlich bei stark schlingerndem Schiff, der
Führung über eine Leitrolle und’ einen Block im Davit (wie bei Beginn der
Lotungen versucht) vorzuziehen, indem der Draht nicht aus den Rollen springen
und weniger leicht Buchten werfen kann, bringt anderseits aber manche Un-
bequemlichkeit für das Herabgeben des Gewichtes und der Instrumente mit sich,
da der 15 bis 20 m lange Vorlauf nicht über das Meßrad eingenommen werden
kann. Die Regulierung der Ablaufgeschwindigkeit erfolgte durch die Kopf-
schraube, nachdem erst die Federn entsprechend dem Lotgewicht gestellt sind;
bei stark überholendem Schiff in hoher Dünung wird so auch die Lose des
Drahtes weggebremst. Die Grundberührung ist bei der Maschine recht klar;
bis 2500 m wurde sie auch gut mit dem kleinen Lotgewicht von 15kg erhalten,
Bis genügende Erfahrungen mit der Lotmaschine vorlagen, wurden Thermometer
und Wasserschöpfer nur selten mit herunter gegeben, später aber fast regel-
mäßig, wobei sich auch der große Sigsbee-Schöpfer von 1 Liter Inhalt, der ge-
stattet, Wasser für die Sauerstoffuntersuchung zu entnehmen, gut bewährte. Die
Sigsbee-Schöpfer sind von C. Seemann in Hamburg sämtlich mit Hahn geliefert
zur Erleichterung der Wasserentnahme; ob sie stets absolut dicht halten, bedarf
noch einer Bestätigung durch längere Beobachtungsreihen.,
Die Ergebnisse der Lotungen sind in nachfolgender Tabelle niedergelegt;
die Angabe der Art der Bodenbeschaffenheit beruht auf den Untersuchungen
des Geologen Dr. F. Heim. Bei den vorherrschend geringen Tiefen ist die Probe
häufig, da sie zu wenig konsistent war, aus der Röhre beim Aufholen heraus-
gefallen, meist konnte aber deutlich die Grundberührung an der Röhre, die außen
mit Talg eingefettet war, erkannt werden. .
Lotungen Nr.1 bis Nr. 5 dienten zur Gewinnung eines Profils für den
Steilabfall des britischen Küstenschelfs .zur Tiefsee und zur Gewinnung von
Grundproben; sie werden ergänzt durch eine Flachseelotung in 48° 10’ N-Br.,
8° 27’ W-Lg. mit 190 m Tiefe, Die folgenden Loiungen Nr. 8 bis Nr. 13 ergänzen
die auf den Seekarten bislang vorhandenen Tiefenmessungen, Mit Lotung Nr. 14
begannen wir in der Frühe des 25. Mai die Nachsuche nach den Untiefen von
88 bzw. 128 m, die 1850 von dem Kapitän des »Chaucer« gemeldet wurden.‘)
Die Nachsuche fand unter den günstigsten Bedingungen statt, das Wetter war
klar und ruhig. Ebenso wie die Nachforschungen des U. S. S. »Monongahela«
1892 ergaben die unsrigen, daß die Untiefen nicht vorhanden sind, jedoch wurde
in der südlicheren Position eine kleine Erhebung des Meeresbodens auf 1729 m
festgestellt.
Die Lotungen Nr. 22 bis Nr. 24 füllen Lücken in der Tiefenkarte aus; die
daran anschließenden: Messungen galten dem Studium der. dicht bei Säo Miguel
im Nordwesten. der Insel gelegenen kesselförmigen Einsenkung, die der
ıy Siehe auch Findlay. Direetory for the North Atlantie Ocean, 15. Edit., S. 889.