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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 39 (1911)

Ann. d. Hydr. usw., XXXIX. Jahrg. (1911), Heft VII. 
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Die Eisverhältnisse an den deutschen Küsten im Winter 1910/11. 
(Hierzu Tafel 23.) 
Die Art der Beobachtung und Berichterstattung und Allgemeines. 
Wie in den Vorjahren, so wurden auch im letzten Winter wieder die an 
35 Beobachtungsstationen der Ostsee und 27 Stationen der Nordseeküste fest- 
gestellten Eisverhältnisse der Deutschen Seewarte übermittelt, Dies geschah in 
doppelter Form, einmal telegraphisch an den Wochentagen, und ferner in zu- 
sammenfassenden Monatsberichten, die noch Angaben über die Dicke des Eises, 
über die Wirkungen von Ebbe und Flut auf die Eisbewegung usw, sowie die in 
den telegraphischen Berichten fehlenden Eisbeobachtungen an den Sonn- und 
Festtagen enthielten. Die telegraphischen Berichte wurden als Beilagen der 
täglichen Wetterkarten der Deutschen Seewarte veröffentlicht, ebenso die monat- 
lichen Berichte der Eisbeobachtungsstellen in sogenannten »Monatsübersichten«, 
die in tabellarischer Form die Art der Eisbesetzung an den verschiedenen Stellen 
der Küste nach ihrer Dauer und Stärke klar erkennen lassen. Nach Schluß der 
Eissaison wurden die Monatsübersichten zu einer einzigen Tabelle vereinigt, 
welche für jede einzelne Station die Zahl der Tage enthält, an denen leichtes 
loses Eis beobachtet wurde, an denen die Segelschiffahrt behindert, an denen sie 
geschlossen war, die Dampfschiffahrt aber noch stattfand, an denen weiter auch 
diese unmöglich war, an denen ferner Eisbrecher benutzt wurden und schließlich 
zusammenfassend die Zahl aller Tage, an denen überhaupt Eis ohne Rücksicht 
auf die Stärke und Behinderung der Schiffahrt festgestellt wurde. 
Außerdem übersandten wieder die Regierungen der Uferstaaten in dankens- 
werter Weise die Ergebnisse ihrer Eisbeobachtungen in verschiedenen Häfen, 
die zur Ergänzung der obigen Eisberichte in der folgenden Beschreibung heran- 
gezogen worden sind. 
Diesen seien zunächst einige Betrachtungen allgemeiner Art vorausgeschickt : 
Als die eigentlichen Eisstellen, wo eine nennenswerte Behinderung der Schiffahrt 
stattfand, traten naturgemäß wieder die Flußmündungen, die Häfen, die Watten 
und Haffe hervor, wogegen die frei am Meere gelegenen Orte entweder var kein 
Eis aufwiesen oder solches nur in schwacher, die Schiffahrt nicht nennenswert 
behindernder Form auftrat. 
Die Temperaturverhältnisse des Winters 1910/11. 
Maßgebend ist für die Eisbesetzung hinsichtlich” der Dauer und Stärke vor 
allem der Frost. Dies zeigt sich auch wieder im letzten Winter, der als sehr 
mild zu bezeichnen ist und dem Vorwinter 1909/10 ähnlich war. Die Eis- 
verhältnisse gestalteten sich deshalb verhältnismäßig sehr günstig und ent- 
sprachen größtenteils denjenigen des Vorjahres. 
Während im sehr kalten Winter 1908/09 nur 4 von den 62 Beobachtungs- 
stationen der Nord- und Ostseeküste gänzlich eisfrei blieben, war dies im letzten 
Winter bei 33 Stationen und an ebenso vielen Stellen im gleich milden Vor- 
winter 1909/10 der Fall. 
Die folgende Tabelle gibt für die Orte Borkum, Keitum, Rügenwalder- 
münde und Memel die Abweichungen der Mitteltemperaturen der Wintermonate 
von den langjährigen Mittelwerten. Man ersieht daraus, daß gerade diejenigen 
Wintermonate, die für die Eisbildung hauptsächlich in Frage kommen, nämlich 
der Dezember bis Februar wesentlich zu warm waren. Daß sich der November 
als etwas zu kalt und der März als nahezu normal in den Temperaturverhältnissen 
darstellt, fällt wenig ins Gewicht, da in diesen Monaten die mittleren Monats- 
temperaturen zu hoch über dem Gefrierpunkt liegen. 
Ann. da. Hrydr. usw. 1911. Heft VII.
	        
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