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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 39 (1911)

Leick, A.: Ein Verfahren zur Auswertung astronomischer Ortsbestimmungen im Ballon bei Nacht. 3923 
bei astronomischen Ortsbestimmungen, die man von Ballonfahrern so häufig 
hören kann, sind in den meisten Fällen wohl mehr auf unzulängliche Beobach- 
tungen als auf Mängel in der Methode der Auswertung zurückzuführen. Denn 
die bisher im Ballon zur Verwendung kommenden Höhenmeßinstrumente liefern 
nur dann genügend sichere und genaue Beobachtungswerte, wenn der Beobachter 
durch lange Übung mit ihrer Handhabung sehr vertraut geworden ist. In der 
Instrumentenfrage liegt meines Erachtens die größere Schwierigkeit der astro- 
nomischen Ortsbestimmung für a@ronautische Zwecke, 
Bei der Ausarbeitung des beschriebenen Verfahrens sind wir bestrebt ge- 
wesen, den Anforderungen des praktischen Luftfahrers soweit als möglich zu 
genügen. Darum haben wir von vornherein auf eine größere Genauigkeit ver- 
zichtet, die man vielleicht durch Wahl eines größeren Maßstabes hätte erzielen 
können, Darum sind alle benutzten Werte auf ganze Bogenminuten abgerundet 
und für die Polariskorrektionen Durchschnittswerte aus den nächsten drei Jahren 
genommen. So wie die Tafeln sind, kann man aus ihnen @ und 4 bis auf 3 oder 
4 Bogenminuten genau entnehmen. Damit muß sich der Luftfahrer zur Zeit be- 
gnügen; denn keines der vorhandenen Balloninstrumente gewährleistet ihm eine 
größere Genauigkeit; eine solche ist übrigens auch kaum erforderlich. 
Die Ablesung aus den Tafeln macht nach einiger Übung keine große 
Schwierigkeit mehr; danach sind dann nur noch zwei (für .die Westseite drei) 
Additionen oder Subtraktionen auszuführen, Die gefürchtete Rechenarbeit ist 
also wohl auf ein Minimum beschränkt. In fünf Minuten kann man bequem.mit 
der ganzen Arbeit fertig sein, 
Reise zwischen Wladiwostok und den Häfen Kamchatkas 
vom 14. Juni bis 15. August 1908. 
Aus dem vom II, Offizier Lieber geführten Meteorologischen Tagebuch des deutschen D, »Tsintau«, 
Kapt. Artelt. ; 
Von Wladiwostok bis Ajan. Dampfer »Tsintau« verließ Wladiwostok 
am 14. Juni 1908 bei klarem Wetter, Wind SSO Stärke 5, Temperatur 15.8° C. 
Bald nach Abfahrt flaute der Wind ab, wurde still, die Temperatur fiel auf 
9° C., es wurde diesig, zeitweise Nebel. 11 N wurde Kap Kruilow passiert, gleich 
danach setzte starker Nebel ein, welcher bei leichten östlichen Winden bis 9h V 
den 16, Juni anhielt. Jetzt frischte dieser Ostwind auf, das Wetter klarte voll- 
ständig ab, und die La Perouse-Straße wurde am 17. Juni 9% N unter günstigen 
Umständen passiert. Der Wind wehte frisch aus östlicher Richtung, Lufttempe- 
ratur 8° C., das Wasser wurde westlich der Straße zwischen 10 und 13° C, ge- 
messen, kurz nach Passieren derselben nahm die Wassertemperatur bis 1°C. 
schnell ab. Um 6b V den 17. Juni passierte man Cap Siretoko und verfolgte von 
hier ab einen nördlichen Kurs bei leichten bis mäßigen SO- und östlichen Winden 
und bedeckter, aber sichtiger Luft, 
Von Kap Patience wurde wegen seiner Untiefen und der schlechten Sich- 
tigkeit des niedrigen Landes gut frei gesteuert. Von hier wurde nun ein nörd- 
licher Kurs, 50 Sm von der Küste, an dieser entlang, verfolgt, in Begleitung von 
leichten, zuerst östlichen, später veränderlichen Winden, zeitweise wurde auch 
Nebel angetroffen; die Lufttemperatur schwankte zwischen 1 und 4° C. die 
Wassertemperatur zwischen 0 und 2° C. 
Am 19. Juni morgens 4b 45min auf ungefähr 53° N-Br, und 144° O-Lg., bei 
einer Lufttemperatur von 2°C, und Wassertemperatur 0, traf man auf große Eis- 
felder und schweres Packeis. Es wurde bis 8} N mit verschiedenen Kursen und 
Maschinen-Manövern gearbeitet, um durch die Eismenge einen Weg nordwärts 
zu finden, jedoch kam man zur Einsicht, daß dieses Vordringen ohne Erfolg sein 
würde, und so verfolgte man, die Maschine: vorsichtig gebrauchend, die ent- 
sprechenden Kurse südlich und östlich, bis man um 4b N frei war.
	        
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