3992
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1911.
rechts fort: von dx = 23h 30" bis 9, — 3%, Die obere Zählung ist zu benutzen,
wenn der Stern auf der Westseite des Himmels steht; sie läuft entgegengesetzt
zu der unteren von rechts nach links, von dx =— 8 40a bis 4x = 12b 10min,
Damit bei der oberen Zählung die Minutenteilstriche mit den Millimeterlinien
zusammenfallen, was im Interesse einer bequemen Ablesung wünschenswert ist,
mußte allerdings die ganze Skala um einen kleinen Betrag aus ihrer richtigen
Lage verschoben werden. Um diese Verschiebung wieder auszugleichen, hat man
zu jeder Ablesung, die am oberen Rande erfolgt, einen kleinen Korrektionswert
zu addieren, der auf der Tafel oben vermerkt ist; bei Tafel I (Taf, 22) beträgt diese
Korrektion 0.6min,
Somit gestattet die Tafel, wenn die geographische Breite bekannt ist, zu
jeder gemessenen Sternhöhe h den zugehörigen Wert von I, zu entnehmen.
Natürlich wird der gegebene Wert der geographischen Breite in den meisten
Fällen nicht genau mit dem Kurvenwert g=— 46°... übereinstimmen; man hat
dann zwischen den einschließenden Kurven zu interpolieren.
Zur Bestimmung der geographischen Breite wird in bekannter Weise die
Höhe des Polarsterns verwendet. Die Hauptberichtigung, die zu der gemessenen
Polarishöhe hinzuzulegen ist, um daraus die Breite herzuleiten, ist am unteren
und oberen Rande der Tafel bei den zugehörigen Ortssternzeiten eingetragen.
Wenn eine vollständige Ortsbestimmung nach Länge und Breite ausgeführt
werden soll, so müssen drei Größen gemessen werden:
li. Die Höhe des Polarsterns h,,
2. die Höhe des in der Tafel enthaltenen Zeitsternes, z. B. Beteigeuze: h,,
3. die Sternzeit des Anfangsmeridians: &,.
Um aus diesen Größen @ und Ai zu gewinnen, verfährt man, wie folgt:
Am linken oder rechten Rande der Tafel sucht man die Höhe h, auf,
Von hier geht man horizontal bis zu der Breitenkurve, die der Polarishöhe h,
entspricht und dann senkrecht nach unten oder nach oben, je nachdem der Zeit-
stern auf der Ost- oder der Westseite des Himmels steht; am unteren (oder am
oberen) Rande findet man die Polariskorrektion Ah. Sie wird mit Berück-
sichtigung ihres Vorzeichens zu h, hinzugefügt und ergibt die geographische
Breite g==h, + 4h. Nunmehr geht man noch einmal von h, aus, diesmal aber
bis zu der Breitenkurve, die dem Werte g@ entspricht, und entnimmt unten (oder
oben) die Ortssternzeit 4, (Ix-— I.) gibt den Zeitunterschied gegen den Null-
meridian und damit die geographische Länge £.
Beispiel. Ortsbestimmung nach Tafel I (Taf. 22).
Beteigeuze (Ost).
Gegeben: Polarishöhe: h, = 55° 35
Beteigeuze (Ost): h, = 20° 43
Greenw, Sternzeit: 4, == Oh 19,5min
Länge
h, = 20.79 dx= 1b 32,8min
9o= Ob 19.8min
(x ZZ )= 1213 min
A= 18° 1X
Die richtigen Werte sind p = 54° 25’ und 4 = 18° 12’; der Fehler beträgt
also in der Breite 0’, in der Länge 38’, Zu diesem Beispiel will ich noch folgendes
bemerken. Es ist insofern theoretisch, als die gegebenen Größen h,, h,, 4%
nicht durch Beobachtung gewonnen, sondern durch Berechnung aus angenommenen
Werten genau bestimmt wurden. Die Ermittlung von @ und A aus der Tafel
wurde jedoch ohne Kenntnis der richtigen Werte ausgeführt. Sie beanspruchte
weniger als 5 Minuten Zeit. Somit ist das Beispiel das, was es sein sollte, eine
Probe auf die Gebrauchsfähigkeit und Zuverlässigkeit der Tafel.
In der Praxis besteht eine Ortsbestimmung natürlich stets aus zwei ganz
verschiedenen Bestandteilen, erstens aus der Beobachtung und zweitens aus der
Auswertung der beobachteten Größen nach irgendeiner Methode. Hier handelt
es sich einzig und allein um das zweite. Die Klagen über schlechte Ergebnisse