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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1911.
Hervorzuheben ist, daß dieses Maximum des Salzgehaltes in der un-
mittelbaren Nähe des von Nordosten kommenden, eisführenden Stromes auftritt;
es sind daher an dieser Stelle auch starke Veränderungen in-diesem Mischgebiet
zu erwarten.
O. Petterson hat in verschiedenen Abhandlungen von 1895 bis 1899 die
früheren Beobachtungen zusammengestellt und kommt zu dem Ergebnis, daß
sowohl Temperatur als Salzgehalt des nördlichen Golfstromzweiges von Jahr zu
Jahr großen Schwankungen unterworfen sein kann. War die Wärmeführung
des Golfstromes eine bedeutende, wie etwa 1898, so weicht das Eis weit nach
Osten zurück, und die Nathorstexpedition konnte damals ganz Spitzbergen und
König Karls-Land umsegeln.
Die Kritik Nansens und seiner Mitarbeiter an den früheren schwedischen
Beobachtungen wird energisch zurückgewiesen, und die in den Jahren 1896 und
1897 im nördlichen Golfstromzweig sowohl an der Oberfläche als in der Tiefe
gefundenen Salzgehalte von 35.20 bis 35.30 °/oo werden aufrecht erhalten. Auch
das Verfahren Nansens, die erst von ihm für die Polarmulde festgestellten Salz-
gehalte in einer späteren Veröffentlichung um 0,15 bis 0.16 °/%o zu reduzieren,
wird kritisiert.
Für das Jahr 1901 zeigen die von Nansen nach Amundsens Beobachtungen
zusammengestellten Temperaturen und Salzgehalte, daß der nördliche Golfstrom-
zweig nicht so mächtig zwischen Norwegen und Spitzbergen vordrang, 1902 und
1903 scheint der größte Rückgang in der Wärmeführung und Intensität des
Golfstromes eingetreten zu sein, da 1902 im August noch die Südspitze Spitz-
bergens und die Bären-Insel von Eis blockiert waren. Damals traten auch die
auffälligen Robbenwanderungen auf, die die Abhängigkeit des tierischen Lebens
von hydrographischen Verhältnissen dartun. Im Jahre 1905 wies die »Belgica«
das Vorhandensein des Golfstromes an der Küstenbank Spitzbergens mit einem
Maximalsalzgehalt von 35,01 °%o und einer Temperatur von 3.65° nach. Die
schwedische Expedition 1908 fand nun (nach den beigegeben Tabellen) ein Salz-
gehaltmaximum der Oberfläche von 35.19%o auf 74° 26’ N-Br. und 14° 35’ O-Lg,
bei 6.2°, so daß ein stärkeres Vordringen des nördlichen Golfstromzweiges vorzu-
liegen scheint,
XII. Die Topographie des Eisfjordes zeigt ein den norwegischen Fjorden
analoges Bild. Ein im Innern bis zu 250 m tiefes Becken wird nach der See
zu durch eine unterseeische Bank abgeschlossen, deren Lage und Tiefe noch
nicht genau bekannt ist, die wahrscheinlich aber in etwas über 100 m Tiefe liegt.
Vor der Bank wurde das Salzgehaltsmaximum mit 35.10%0o in 100 m Tiefe ge-
funden, jenseits der Bank, im Eisfjord erst in 200 m mit 35.14°/0o, danach läßt
sich auf eine Wassertiefe über der Bank von 100 m schließen. Aus dem höheren
Salzgehalt im Fjord erkennt man, daß zur Zeit der Beobachtung das Eindringen
des Golfstromwassers in den Fjord beendet ist. Da das Golfstromwasser sich
zu verschiedenen Zeiten in verschiedenen Tiefen befindet, so wird es bei ge-
legentlichem Ansteigen über 100 m von der Oberfläche über die Bank hinweg in
den Fjord dringen. Auffallenderweise beträgt das Bodenwasser des Fjordes
34.92%0o, was dem Bodenwasser des norwegischen Nordmeeres, das ja auch aus
verdünntem atlantischen Wasser besteht, mit 34.93%0o fast genau gleichkommt,
Die Temperatur beträgt im äußeren Teile des Eisfjords -- 1.27 bis -+ 2.56°, in
den innersten Buchten in Tiefen von 50 bis 180 m — 1.7°, im norwegischen Nord-
meer bis zu — 1.383°. Während nun außerhalb der Küstenbank, wie überall im Öst-
lichen Teile des Nordmeeres, eine anotherme Temperaturschichtung zu beobachten ist,
fand sich im Eisfjord eine dichotherme Schichtung vor; d.h. unter der warmen und
ziemlich ausgesüßten Oberflächenschicht bis zu einer Tiefe von 20 bis 40 m trifft man
auf eine kältere, deren Temperatur bis auf — 1° heruntergehen kann, auf die
von etwa 100 m Tiefe ab eine nach unten zu ansteigende Temperatur folgt, bis
am Boden mit dem Salzgehaltmaximum auch das Temperaturmaximum erreicht
ist. Diese eigentümlichen Temperaturverhältnisse werden folgendermaßen erklärt:
Der an der verhältnismäßig engen Mündung des Eisfjords vorbeifließende Golf-
stromzweig saugt das durch Gletscherwasser und Flüsse verdünnte Oberflächen-