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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 39 (1911)

298 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1911. 
Folie darauf gelegt und die mit geschmolzenem Siegellack gefüllte Verschluß- 
kapsel darübergeschoben. Die Folie hat den Zweck, das innere Volumen des 
Rohres unverändert zu erhalten, Der so geschaffene Überzug muß kühl, trocken 
und bei gedämpftem Licht aufbewahrt werden, 
Einfacher ist eine in der »Hansa« 1908 S. 1187 angeführte Art. Man 
nehme Glasröhren von gleicher Länge wie die Thomson-Röhren (Durchmesser 
7 bis 10 mm), schließe das eine Ende mit einem Korkstück, um das ein Lappen 
gelegt und dieser wiederum mit Siegellack abgedichtet wird. Nun schneidet man 
sich aus starkem Zeichenpapier entsprechende Streifen. In der Mitte jeden 
Streifens zieht man mit Kopiertinte einen Strich und schiebt diese Streifen in 
die Röhren. Das untere Ende des Streifens legt man um die Kante der Röhre 
und befestigt es da, damit der Wasserdruck den Streifen nicht verschiebt. Die 
Röhre ist nun gebrauchsfähig; an dem Kopiertintenstrich wird man genau 
erkennen, wieweit das Wasser eingedrungen ist, 
Minderwertige oder, was meist dasselbe ist, billige Lotröhren zu verwenden, 
kann unter keinen Umständen geraten werden; muß man daher häufig loten, so 
ist das Lotröhrenverfahren recht kostspielig, Der Gebrauch von Tiefenmessern, die 
beliebig oft benutzt werden können, ist dann vorteilhafter. Solche Tiefenmesser 
gibt es eine ganze Anzahl. Ich nenne die von Hartwig und Henze, die gut durch- 
konstruiert sind, beide sind bisher in der Marine nicht eingeführt, weil sie eine 
verhältnismäßig lange Zeit bis zum Wiederklarwerden gebrauchen. Jedoch 
sollen beide Apparate in der letzten Zeit wiederum verbessert sein. Kine 
schnellere Folge der Lotwürfe ermöglicht der Tiefenmesser des Dänen Sigurdson, 
bei dem jedoch bisher für den Marinegebrauch die Stabilität nicht ausreichte, 
Für gewisse Zwecke sind die bereits oben erwähnten Tiefenmelder von 
großem Nutzen. Derartige Apparate sind die Submarine Sentry von James, das 
Signallot von Sjöstrand, das Schlepplot von Heyn. Das letztere benutzt zur 
Messung der Tiefe die Feststellung des Wasserdruckes. Schon vor Jahren hatte 
der Torpederkapitänleutnant Gutt auf die Möglichkeit hingewiesen, den in den 
verschiedenen Tiefen herrschenden Druck an einem Manometer an Bord ab- 
zulesen und ihn zur Feststellung der Tiefe zu benutzen. Gutt wollte nur einen 
Tiefenmelder, ein Vermessungsinstrument schaffen. Die seinen Angaben gebauten 
Apparate zeigten ganz richtig an, aber es war nur — wie bei allen diesen Apparaten — 
möglich, dieselben bei ganz geringen Fahrten zu benutzen. Heyn, dem dasselbe 
passierte, ließ vernünftigerweise die Schlepplote zunächst fallen und bildete seine 
Apparate zu Handloten aus. Er hat seine ersten Versuche mit Hilfe der Marine 
gemacht in der richtigen Voraussetzung, daß hier die stärkste Beanspruchung 
stattfindet. Hier sind jetzt seine Apparate allgemein eingeführt. Das Lot besteht 
aus einer schweren Luftkammer, die zugleich als Lotkörper dient. In dieser 
Luftkammer herrscht immer der Druck wie in dem umgebenden Seewasser, oben 
an ihr ist ein starker Gummischlauch befestigt, der zugleich als Lotleine dient, 
derselbe endigt in ein Manometer, das direkt den Druck beim Lot oder die 
Wassertiefe anzeigt, 
Das Lot hat folgende Hauptvorteile: 1. Nachts kann man das Manometer 
in einen erleuchteten Raum nehmen, der Lotgast selbst kann im Dunkeln arbeiten, 
da er nicht abzulesen braucht. 2. Die Lotleine braucht nicht senkrecht zu sein 
beim Ablesen, das Manometer zeigt auch bei einem mißlungenen Lotwurf (kein 
Grund) immer an, wieviel sicher Wasser unter dem Schiff ist, das ist besonders 
bei hohen Fahrten angenehm. Ob das Lot Grund bekommen hat, ist an dem 
Manometer leicht daran zu erkennen, daß der Zeiger eine gewisse Ruhelage ein- 
nimmt, während er sonst immer in Bewegung bleibt. Natürlich muß ein solcher 
Apparat sorgsam behandelt werden, vor allem muß man auf ein gutes Zusammen- 
schrauben von Schlauch, Lotkörper und Manometer achten. 
Von verschiedenen Seiten ist angeregt worden, die Wassertiefe vermittelst 
des Schalls zu messen in der Art, daß man mit einem Unterwasserschallapparat 
einen Tomserzeugt und die Zeit feststellt, bis das Echo vom Meeresgrund zurück- 
kommt. Das würde hübsch billig sein, leider setzt sich der Schall im Wasser so
	        
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