20 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1911.
Graben schon östlich des Golfes sein Ende gefunden hat, ferner ergeben die
mäßigen Tiefen der Vitiaz-Straße, daß das Tiefenbecken südlich von Neu-Pommern
nach Westen durch relativ flache Meeresgebiete abgegrenzt ist.
Die Mehrzahl der Lotungen ist mittels Sternbesteck oder gleichzeitiger
Beobachtungen der Sonne und Venus gewonnen; von der Lotungsreihe durch
den Huon-Golf von Adolfhafen aus ist nur Anfangs- und Endlotungsort durch
Peilungen festgelegt, die übrigen Tiefen sind eingeschaltet.
Schließlich hat S. M. 8. »Planet« bei Vermessung der vor der Südwestküste
von Neu-Mecklenburg gelegenen Insel Djaul (Sandwich-Insel) eine Reihe von
Tiefseelotungen ausgeführt, die in Tafel 3 dargestellt sind. Wie aus der Karte
ersichtlich ist, fällt das die Insel umgürtende Riff auf allen Seiten steil bis zu
Tiefen von 300 bis 600 m ab; als zweifelhaft müssen die aus der Seekarte ent-
nommenen Tiefen von 130 und 190 m angesehen werden, da die dicht daneben
gelegten neuen Lotungen bedeutend größere Tiefen aufweisen. Im Gazelle-Kanal,
zwischen Djaul und Neu-Mecklenburg, wurden als größte Tiefen 1500 bis 1700 m
gemessen. Diese Schwellentiefe finden wir häufig im Bismarck-Archipel. So be-
trägt die Maximaltiefe zwischen Neu-Mecklenburg und der Gazelle- Halbinsel
1448 m, zwischen Neu-Pommern und Neu-Guinea in der Vitiaz-Straße etwa
1300 m, ferner betragen die Tiefen des Rückens, auf dem Neu-Hannover, die
Admiralitäts- und Hermit-Inseln liegen, etwa 1500 m. Schließlich sind auch die
meisten der östlich von Neu-Mecklenburg liegenden Inseln durch diese Tiefen-
stufe von der Hauptinsel getrennt, so daß man annehmen kann, daß eine all-
gemeine Senkung des Landes um etwa 1500 m stattgefunden hat, die die einzelnen
Inselgruppen abgetrennt hat.
Von den durch S. M. S. »Planet« bestimmten Bodentemperaturen sind die-
jenigen, welche augenscheinlich fehlerhaft waren, indem entweder die Tempera-
turen gleicher Tiefen große Abweichungen zeigten oder die beiden nebeneinander
benutzten Thermometer (Kipp- und Max.-Min,-Thermometer) um mehr als *%,,°
differierten, fortgelassen worden. Die beobachteten Temperaturen in Tiefen von
3500 bis 8400 m schwanken zwischen 2.0° und 2.6°C. und zeigen wieder die
schon im letzten Bericht!) hervorgehobene, sehr auffällige Tatsache, daß die
höchsten Temperaturen in den größten Tiefen beobachtet wurden. So wurde auf
der Reise Matupi— Sydney in 5769m 2,2%, in 6130 m 2.3°%, in 7457 m 2.5°, in
8400 m Tiefe 2.6° beobachtet und nur eine Beobachtung von 2.1° in 8236 m Tiefe
fällt aus der Reihe heraus; in gleicher Weise fallen auch bei den übrigen Lot-
touren die höchsten Temperaturen in Tiefen von über 6000 m. Es dürfte danach
die im letzten Bericht ausgesprochene Schlußfolgerung, daß in diesen Gräben die
Bodenschicht, welche von seitlicher Zufuhr abgeschnitten ist, infolge Einwirkung
der inneren Erdwärme eine etwas höhere Temperatur aufweist als die darüber
liegenden Schichten, an Wahrscheinlichkeit gewinnen. Jedenfalls wird das Kom-
mando $S. M. S. »Planet«, wenn es die Zeit erlaubt, im nächsten Jahre besondere
Untersuchungen über die Temperatur dieser tiefsten Schichten ausführen.
Die Ergebnisse der von $S. M. S. »Planet« beobachteten Reihentemperaturen
und entnommenen Wasserproben können erst später nach Eingang und Unter-
suchung der Proben seitens der Deutschen Seewarte veröffentlicht werden,
Hamburgische Registrierballon- Aufstiege vom 8. bis 13. August 1910.
Von W, Obolensky,
‚Hierzu Tafel 4).
Tausende von Registrierballons, die während der letzten zehn Jahre an
verschiedenen Punkten der Erdoberfläche, zu verschiedenen Jahreszeiten und bei
verschiedenen Witterungszuständen aufgestiegen sind, geben uns ein hinreichend
deutliches Bild von dem Zustande unserer Atmosphäre, wenigstens bis zu etwa
16 km Höhe,
1 Ann d Hryvdr. usw.« 1910. & 100