774
Annalen der Hydrographie und Maritinien Meteorologie, Juni 1911.
. In das Schiff einschlagende Blitze lenken die Kompasse erheblich und für
längere Zeit ab. Steht der Kompaß in der Nähe des Schornsteins, so verändert
das Anheizen desselben die Deviation, steht er in der Nähe des Mastes, so würden
Erschütterungen des Mastes (Abklopfen der Farbe) die magnetischen Eigen-
schaften des Kompaßortes merklich verändern. Jedes eiserne Schiff, das näher
als etwa 50 m an das eigene Schiff herankommt, ruft wesentliche Störungen
hervor, also besonders längseitliegende Dampfer und Prähme.
Hingegen ist es sehr unwahrscheinlich, daß der Nebel die Kompasse ablenkt;
wo dies scheinbar der Fall war, kann man wohl annehmen, daß durch die Feuchtig-
keit in der Nähe der Kompasse Schiffsschluß erzeugt worden ist oder dergleichen.
Jedenfalls haben die sorgfältigen und monatelang durchgeführten Versuche der
Marine keinerlei Bestätigung der Befürchtung erbracht.
6. Kompensierung der Kompasse.
Über die verschiedenen Methoden der Kompensierung (Regulierung) der
Kompasse ist in den Annalen schon öfters geschrieben worden; dem praktischen
Navigateur kann zu seiner Belehrung, außer den bekannten Büchern der Seewarte
und von Rottock, das »Kleine Kompaßlexikon« von Meldau als besonders über-
sichtlich empfohlen werden.
Es möge hier nur bemerkt werden, daß es noch immer nicht gelungen
ist, eine Formel zu finden, die es einwandfrei gestattet, die Krängungsdeviation
eines Schiffes auf ebenen Kiel zu bestimmen; um sie für Kompaßorte unter und
über Deck sicher zu kompensieren, muß das Schiff wirklich gekrängt werden.
Zur Kompensierung von Trockenkompassen kann man an Stelle der Weich-
eisenkugeln unter Umständen mit Vorteil kleine Fluidkompasse verwenden. In
der Marine wurde diese Art der Kompensierung verwendet, um die Muttertrocken-
kompasse der Siemens & Halske-Fernübertragung zu regulieren.
Die Versuche, das teure Weicheisen durch den viel billigeren Dynamostahl
zu ersetzen, sind noch nicht ganz abgeschlossen, doch sind sie sehr aussichtsreich.
Von großem, allgemeinem Interesse sind auch die Versuche, den Einfluß von
benachbarten Motoren selbsttätig durch Spulen zu kompensieren, die an einigen
Stellen mit gutem Erfolge durchgeführt worden sind,
7. Instrumente zur Tiefenmessung.
Die einfachste und zuverlässigste Art der Tiefenmessung bleibt die mit
Lot und Leine. Das Lot wird, um es voraus zu bringen (bei Schiffen in Fahrt),
bei leichten Loten um den Kopf geschwungen, bei schwereren einfach gependelt,
bei ganz schweren kann man außerbords eine Art Rutschbahn einrichten. Die
Art einiger ausländischer Lotsen, ganz leichte Lote (1 bis 2 kg) an einer dünnen
Schnur zu benutzen, dürfte für den Dauerbetrieb, wie er bei uns in der Nordsee
z. B. vorkommt, kaum geeignet sein. Je schwerer das Lot ist im Verhältnis zur
Leine, desto schneller fällt es, auf desto größere Tiefen, oder bei desto höherer
Fahrt kann man loten.
Auf größere Tiefen und beim Dauerbetrieb bedient man sich mit Vorteil
einer Lotmaschine, wie solche von verschiedenen deutschen Firmen in erstklassiger
Ausführung geliefert werden. Schwieriger ist es schon, eine gute Motorlotmaschine
deutscher Herkunft zu bekommen. Die im Handel befindlichen englischen
Maschinen waren für den Gebrauch an Bord der Kriegsschiffe nicht stabil genug,
auch waren ihre Sicherheitseinrichtungen nicht genügend. Für die Kaiserliche
Marine liefert die Motorlotmaschinen die Firma Bamberg in einer sehr
zuverlässigen Ausführung. Da es in der Jetztzeit wünschenswert ist, an allen
Steilen mit Personal zu sparen, so wird man bald mit einer größeren Verbreitung
des Motorbetriebes rechnen können. Mit den Lotmaschinen kann man bei allen
bisher erreichten Geschwindigkeiten die Tiefe feststellen. Die Tiefenmelder
(Submarine Sentry) hingegen versagen bei Fahrten über 11 bis 12 Knoten. Die
Firma Bamberg liefert eine Handlotmaschine, die zugleich als Tiefenmelder
benutzt werden kann, leider aber noch recht teuer ist.