v. Schönberg, Instrumente der Kriegs- und Handelsmarine, . 291
Von den elektrischen Übertragungen gibt es mehrere Systeme, das deutsche
nach Freese; das von Neufeldt & Kuhnke; ferner das holländische nach
Einthoven, das vom Wernerwerk (Siemens & Halske) gefertigt wird,
Beide Arten können 3 bis 4 Tochterapparate auf große Entfernungen vom
Mutterkompaß betätigen, auch kann man transportable Empfänger — fliegende
Anlagen — benutzen. Der Nachteil beider Systeme ist, daß sie schon bei
kleinen Störungen nicht unerhebliche Unterschiede zwischen Geber und Emp-
fänger aufweisen können. Beide Übertragungen sind soweit durchkonstruiert,
daß bei einem guten Mutterkompaßplatz und sorgfältiger Behandlung die Töchter-
kompasse als Steuerkompasse gut zu verwenden, dagegen als Navigations- (Regel-
oder Peil-) Kompasse nur aushilfsweise brauchbar sind. Auch diese Apparate werden
auf Handelsschiffen nur in Ausnahmefällen Verwendung finden, Der Preis für
Kompaßfernübertragungen schwankt, je nach Ausführung und System, zwischen.
10000 und 24 000 Mark.
Es scheint, als ob es in absehbarer Zeit gelingen würde, eine Art der
Kompaßfernübertragungen bordreif zu machen, die es gestattet, die Richtkraft
(Direktionskraft) am Mutterkompaßplatz zu erhöhen. In Frankreich ist der in
diesem Sinne gebaute Elektromagnetkompaß Dunoyer schon recht gut durch-
gebildet,
3. Registrierkompasse und Besteckmaschinen.
Das Patentamt hat in seinen Archiven eine ganze Anzahl von Pro-
jekten, nach welchen von besonders konstruierten Apparaten die Kompaßkurse
dauernd aufgezeichnet werden, Ich muß gestehen, daß ich keinen von ihnen
an Bord in Tätigkeit gesehen habe, deshalb möchte ich mich auch jedes Urteils über
die Vor- und Nachteile der einzelnen Systeme enthalten. Es fragt sich nun, ist es
überhaupt richtig, Registrierkompasse zu schaffen? Durch einen sehr inter-
essanten Versuch in Amerika ist einwandfrei nachgewiesen, daß die Rudergänger
erheblich besser steuern, wenn sie wissen, daß sie dauernd kontrolliert werden;
dadurch spart man Zeit.und damit Kohlen! Voraussetzung ist, daß die Regi-
strierung des Kurses eine über allen Zweifeln erhabene ist. Verbindet man einen
solchen Registrierkompaß in geeigneter Weise mit einem Geschwindigkeitsmesser,
so erhält man eine Besteckmaschine (einen Koppeltisch, einen Deadreckoner), der
automatisch die Wegekarte der Reise aufzeichnet.
Ob derartige Einrichtungen für Handelsdampfer nützlich sind, entzieht
sich meiner Beurteilung, doch möchte ich die Anschauung eines Führers von
einem großen deutschen Passagierdampfer wiedergeben, Dieser sagte: „Ich
würde sofort einen Registrierkompaß nehmen, wenn alle Schiffe einen haben
müßten. Habe ich aber nur allein einen und kollidiere mit einem anderen
Schiffe, so nimmt der andere meine Besteckkarte, konstruiert sich seine Manöver
zusammen und ich bin hereingefallen.
4. Magnetkompasse., ;
Auch hier sind die Forderungen, die in der Kriegs- und in der Handelsmarine
gestellt werden, in gewisser Beziehung verschieden. An Bord eines Kriegsschiffes
ist der Kompaß Beschädigungen sehr ausgesetzt, er muß daher viel solider
gebaut sein, als für ein Handelsschiff nötig ist. Aus diesen Überlegungen heraus
ergibt sich auch die stärkere Konstruktion und damit teilweise der höhere Preis
der Kompasse der Kaiserlichen Marine. Die Handelsmarine hat zunächst den
durchaus berechtigten Wunsch, die Kompasse im betreffenden Heimathafen her-
gestellt zu sehen, und kann daher mit leichteren und daher billigeren Kon-
struktionen auskommen,
Das Handelsschiff kann oft den einfacheren, billigeren, bequem zu be-
handelnden Trockenkompaß benutzen, für das Kriegsschiff kommt nur der Fluid-
kompaß in Frage, der gegen alle Erschütterungen unempfindlicher ist und eine
bedeutend höhere Richtkraft (höheres magnetisches Moment) hat. England, das,
solange Lord Kelvin (Thomson) lebte, an den Trockenkompassen auch für
Kriegsschiffe festhielt, ist jetzt ebenfalls zu Fluidkompassen übergegangen,