Ann. d. Hydr. usw., XXXITX. Jahrg. (1911), Heft VI,
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Instrumente der Kriegs- und Handelsmarine.
Vergleichend besprochen von v. Schönberg, Korvettenkapitän im Reichs-Marine-Amt,
Einleitung.
Die‘ Bedürfnisse und die Hilfsmittel bezüglich der nautischen Instrumente
sind für die Kriegs- und Handelsmarine in vielen Dingen grundverschieden,
Was für die eine kaum notwendig, ist für die andere kaum wünschenswert, Da
jedoch der Kaiserlichen Marine die Mittel und das Personal zu vergleichenden
Versuchen zur Verfügung stehen, so macht man sich an der Wasserkante gern
deren Erfahrungen zunutze.‘
In nachstehenden Artikeln soll versucht werden, einige Neuerungen, die
auf Kriegsschiffen eingeführt worden sind, den Kameraden von der Handels-
marine mit-ihren Vorzügen und Nachteilen vor Augen zu führen. Um Miß-
verständnissen vorzubeugen, sei ausdrücklich festgestellt, daß es sich.nur um
die Niederlegung meiner persönlichen Ansicht handelt. Wo die Namen der
Fabriken erwähnt sind, ist dies geschehen, um die Lieferanten der Marine oder die
Verfertiger von weniger bekannten Instrumenten für Interessenten anzugeben.
Soweit ich ‚es aber beurteilen kann, ist es nur für ganz große‘ Betriebe
möglich ..und . ratsam, den Zwischenhandel auszuschalten. Sofern die großen
Mechanikerfirmen der Hafenstädte die hier erwähnten Instrumente nicht selbst
anfertigen, werden sie sie sicher verschreiben können,
1. Der Kreisel.
Der Kreisel wurde in seiner Eigenschaft als Richtungsanzeiger entdeckt
von dem französischen Gelehrten Foucault um 1852 herum. Die Durchkon-
struktion der Idee zum lebensfähigen Instrument erforderte jedoch mehrere
Jahrzehnte. Erst der Elektromotor ermöglichte es, die Schwungmasse des Kreisels
in dauernder Umdrehung zu halten, Seit Anfang der 80er Jahre bemühte man
sich in Frankreich und in Holland, nach Foucault’s Grundgedanken einen brauch-
baren Kreiselkompaß herzustellen, jedoch vergeblich, Ebenso kamen einige
deutsche Privatfirmen von Weltruf, die sich Anfang der 90er Jahre mit diesem
Problem beschäftigten, zu keinem greifbaren Ergebnis, Zu Anfang des jetzigen
Jahrhunderts glaubte der Münchner Gelehrte Dr. Anschütz-Kaempfe, den
Nordpol im Unterseeboot erreichen zu können. Es fehlte ihm nach Seiner
Ansicht nur ein Richtungsanzeiger für die hohen Breiten, wo die magnetische
Deklination sehr hohe Beträge erreicht und sich schnell ändert, Ein Ausweg
schien ihm. durch den Kreisel gegeben zu sein. Deshalb verwandte er zunächst
seine Zeit und sein Vermögen zur Durchkonstruktion des Kreisels,
In richtiger Erkenntnis, daß er zur Durchführung seiner Idee der Hilfe
von Seeleuten bedürfe, verlegte er seine Werkstätte an die See, und zwar nach Kiel.
Bis zum Nordpol ist Dr. Anschütz bisher nicht gekommen und wird
es auch wohl. nicht mehr, dafür ist es ihm aber gelungen, ein Ziel zu erreichen,
das seinen Ruhm nicht weniger festigen wird, er gab der Welt die ersten brauch-
baren Kreiselkompasse. ; ;
Unter ‚welchen Verhältnissen verdient nun der Kreisel- vor dem Magnet-
kompass den Vorzug? -
Überall da, wo der Magnetkompaß so erheblich und unregelmäßig gestört
wird, daß seine Zuverlässigkeit in Frage gestellt ist, z. B. auf Erzdampfern und
Dampfern mit eiserner Deckladung, ferner kommen noch Expeditionsschiffe in
Frage, die in die Nähe magnetischer Pole kommen. Es ist immer der Fall an
gewissen Kompaßorten auf Kriegsschiffen; hier müssen Kompasse sein, die auch
im Gefecht nicht erheblich abgelenkt werden und die vor dem feindlichen
Geschützfeuer gesichert sind. Die Kompaßorte unter Panzerschutz liegen aber
immer in unmittelbarer Nähe von grossen Eisen- oder Stahlmassen, von Dynamos,
von einem vielhundertadrigen Gewirr von Kabeln, von eisernen Geschossen, die
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