280 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1911.
von Iquique nach Hamburg, als am 26. Juli 1910 nachts 12% auf 11° 5 S-Br.,
85° 46’ W-Lg. ein heftiges Seebeben verspürt wurde, dessen Dauer auf 2 bis
3 Minuten zu schätzen war. Zur Zeit der Beobachtung war der Barometerstand
770.3 mm, Temperatur der Luft 10.1° C., des Wassers 10.2° C. Der Wind war Süd,
Stärke 5, bei mäßig bewölktem Himmel, die See nur leicht bewegt.
c) Der Viermaster »Kurt«, Kapt. W. Tönissen, befand sich auf der Reise
von Tocopilla nach Hamburg, als am 4. Oktober 1910 auf 21° 23’S-Br., 72° 52’W-Lg.
um 5b 20%" N ein heftiges Seebeben beobachtet wurde. Es wehte zur Zeit eine
flaue südöstliche Brise bei ruhiger See und vollständig klarem Himmel, Der
Barometerstand betrug 763.5 mm, Temperatur der Luft 17.0°C,, des Wassers 15.2°C.
Irgendwelche Veränderungen wurden nicht bemerkt,
Diesen Angaben ist noch folgender Bericht hinzuzufügen, der verspätet aus
dem Jahre 1907 eingegangen ist: Das Hamburger Schiff »Artemis«, Kapt.
E. Büschen, befand sich auf der Reise von Hamburg nach Guaymas. Als man
am 21. Oktober 1907 um 9% 57min V bei nordöstlichem Kurse die Südspitze der
Insel Espiritu Santo im Golf von Californien in großer Entfernung passierte,
spürte man plötzlich eine starke, etwa 2 Minuten anhaltende Erschütterung im
Schiffe, welche sich um 10% 30min V in schwächerer Weise wiederholte. Der
Barometerstand betrug 763.5 mm, Temperatur 28°C. Bei leichtem, unbeständigem
NW-Winde und mäßig bewölktem Himmel war die See nur schwach bewegt, und
in keiner Weise trat während der Beobachtung des Seebebens hierin eine
Änderung ein.
9. Große Sichtweite eines Leuchtfeuers. Bericht des Herrn W, Bette,
I. Offizier des D. »Achaia«,
Am 8. Mai 1910 befand sich der D. »Achaia« im Mittelmeer ostwärts an
der afrikanischen Küste entlang steuernd in Sicht der Leuchtfeuer von Kap
de Garde und Kap Rosa, als während der Abendwache von 8% bis 12% eine eigen-
artige Erscheinung eintrat. Wir sahen plötzlich an B-B. voraus ganz deutlich
das Leuchtfeuer von Kap Serrat, das nach genauer Kreuzpeilung der erst-
genannten beiden Leuchtfeuer noch 60 Sm entfernt war. Das Feuer von Kap
Serrat schien zwar zeitweise etwas rötlich, aber der kurze und der lange Blink
waren klar und deutlich zu sehen. Es blieb andauernd in Sicht bis zum Passieren
des Feuers. Auch von den andern beiden Feuern lag ein Schein über Wasser,
der ganz bis zum Schiffe ging. Die Luft war sehr feucht bei leichtem SO-Wind.
Der Barometerstand war 760.0 mm, die Temperatur der Luft betrug 16.3° C,, die
des Wassers 15,8° C.
N 10. Auffallend nördliches Auftreten und lange Dauer eines Pampero.
Über das außergewöhnlich lange Anhalten sowie auch das sehr nördliche Auf-
treten (in etwa 26.5° S-Br. und 44,5° W-Lg.) eines Winter-Pampero, den der
Dampfer »Alexandria« in den Tagen vom 15, bis 18, Juli 1910 durchlief, schreibt
Herr Kapt. R. Niß, Führer des D. »Alexandria«, in einem Bericht an die Deutsche
Seewarte, wie folgt:
»Nach einer Periode herrlichen Wetters mit flauem, süudlichem und zuletzt
südöstlichem Zuge hatte der auf der Reise von Hamburg nach Montevideo be-
griffene Dampfer zuerst am 14. Juli in etwa 25.5° S-Br. und 40.4° W-Lg. bei leichtem
Südost-Winde einzelne Regenschauer. Während der folgenden Nacht begann das
Barometer zu fallen und der Wind drehte langsam über Ost nach Nordost, auch
wurde die ganze Nacht über starkes Blitzen und Donnern im SW-Quadranten
beobachtet.
Am Mittag des 15, Juli in 25.6° S-Br. und 43.5° W-Lg. war der Wind
Nord 4, das Barometer war seit dem vorigen Mittage von 765.2 mm auf 760.1 mm
gefallen. Es war trübe und regnerisch geworden und das ganze drohende Aus-
sehen des Wetters und der Bewölkung, sowie das allmähliche Herumgehen des
auffrischenden Windes nach Westen ließen keinen Zweifel an dem Kommen eines
Pampero, der denn auch in der kommenden Nacht vom 15. bis 16. Juli noch vor
Mitternacht einsetzte,
Um 4b V den 16. Juli in etwa 27° S-Br. und rund 45° W-Lg. erreichte das
Barometer mit 758.3 mm seinen tiefsten Stand. Die Lufttemperatur war von