278
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1911.
Von S. M. S. »Bremen« ist bei der Anwesenheit dieses Schiffes am 11. und
12. Dezember 1910 die Reede vermessen worden, und das Ergebnis .in der an-
liegenden Kartenskizze (Tafel 20) niedergelegt worden.
5, Hansa - Bucht. Neu-Guinea. Nach deutschen Quellen. D. Adm-Krt.
Nr. 100, Kaiser Wilhelms-Land, Bismarck-Archipel und Salomon-Inseln. (Hierzu
Tafel 21.)
Die Hansa-Bucht liegt an der Nordostküste von Neu-Guinea im Kaiser
Wilhelms-Land. Sie liegt nach ONO offen, ist zwischen den beiden Huken an
der Einfahrt etwa 4 Sm weit und ungefähr 3 Sm tief. Etwa in der Mitte ihrer
Einfahrt liegt die niedrige, stark bewaldete Insel Laing. Gute Ankerplätze be-
finden sich hinter dieser Insel. Auch im nordwestlichen Teile der Bucht auf
etwa 20 m Wassertiefe, in der Nähe des Landes, findet man Ankerplätze, Nord-
nordöstlich von der Insel Laing liegt ein Riff mit etwa 1m geringster Wasser-
tiefe, dessen Grenzen nicht genau bestimmt sind. S.M., SS. »Nürnberg« besuchte
die Bucht im Jahre 1910, und nahm eine flüchtige Vermessung in ihr vor, die
in der Skizze (Tafel 21) niedergelegt ist, Die geographische Lage der Insel Laing
ist etwa 4° 13’ S-Br. und 144° 53’ O-Lg. Die Mißweisung für das Jahr 1910
beträgt 4° 50’ O0.
6. Übungen im Beobachten mit dem Sextanten bei trübem Wetter
und im Zimmer. Die praktischen Übungen im astronomischen und terrestrischen
Beobachten mit dem Sextanten werden an den Navigationsschulen namentlich
in den Wintermonaten durch nebliges und regnerisches Wetter oft empfindlich
gestört. Sonne, Mond und Sterne wollen sich wochenlang nicht zeigen, und ferner
gelegene irdische Gegenstände verschwinden in Nebel und diesiger Luft, so daß
der Beobachter, wenn er überhaupt Übungen anstellen will, Winkelmessungen an
ganz nahe gelegenen Masten, Schornsteinen und Dächern vornehmen muß. Der
beaufsichtigende Lehrer oder der die praktische Prüfung abnehmende Examinator
vermag aber solche Messungen nicht zu kontrollieren, da die geringste Ortsver-
änderung des Beobachters, oft schon eine Neigung des Oberkörpers nach vorn
oder hinten, den Winkel ändert, unter dem der zu nahe gelegene Gegenstand
erscheint. N
Um diesem Übel abzuhelfen, benutze ich jetzt an der Navigationsschule in
Elsfleth an trüben, unsichtigen Tagen als Beobachtungsobjekt kleine Bilder, die
in der Brennebene eines mäßig grossen Fernrohrs angebracht sind. Ich schraube
das Okular ab und schiebe Kappen aus durchsichtigem Papier über dessen Stutzen.
Auf das Papier sind mit Tusche kleine zur Winkelmessung geeignete Gegenstände
gezeichnet, die von hinten her durch den hellen Himmel oder am Abend durch
eine Glühlampe erleuchtet werden. Befinden sich die Bilder in der Brennebene
des Fernrohrs, so erscheinen sie einem Beobachter, der sie von der Objektivseite
her betrachtet, wie sehr weit entfernte Gegenstände, und zwar unter stets gleichem
Winkel, mag man nun näher an das Objektiv herantreten oder sich von ihm
entfernen. Denn die von einem Lichtpunkte ausgehenden Lichtstrahlen treten
aus dem Fernrohrobjektiv parallel heraus und können im BSextantenfernrohr
genau so beobachtet werden, als kämen sie von unendlich fernen Lichtquellen her,
Um die Beobachtungen der Praxis möglichst anzunähern, habe ich Bilder
der Sonnenscheibe, von Leuchttürmen und von Feuerschiffen angefertigt. Die
Sonnenscheibe ist so groß gewählt, daß sie vom Fernrohrobjektiv her unter einem
Winkel von 32’ erscheint, also etwa so groß, wie das wirkliche Sonnenbild. (Der
Winkel «, unter dem die Bilder erscheinen sollen, hängt außer vom linearen
Durchmesser x der Zeichnung auch von der Brennweite F des Fernrohrs ab und
läßt sich nach der Formel sin @=x:F berechnen. Denn die Strahlen, die von
zwei Punkten A und B der Brennebene eines Fernrohrs ausgehen, sind nach
ihrem Durchgang durch das Objektiv ebensoviel gegeneinander geneigt, wie die
von A und B nach der Objektivmitte gezogenen Geraden.) An diesem Sonnen-
bild werden Indexberichtigung und Parallelität zwischen großem und kleinem
Spiegel des Sextanten geprüft und die ersten Einstellungsübungen der noch ganz
ungeübten Schüler vemacht.