v. Horn, A,: Eigenschaften unter dem Einflusse der Gezeiten stehender Flußläufe usw. 6083
forderungen an die Tiefe zu genügen. Die Länge der Schiffe verlangt ferner
eine Berücksichtigung der horizontalen Form des Fahrwassers, das deshalb keine
stark gekrümmte kurze Strecken besitzen darf, namentlich wenn nur mit ge-
vinger Geschwindigkeit gefahren werden darf. Je schmäler der Flußlauf ist, desto
mehr sind solche Krünmungen zu vermeiden,
2. Form der Rinnen in nicht regulierten Flußläufen.
Die Flußläufe lassen sich in zwei Haupttypen zerlegen. Zu dem einen
Typ gehören die Flußläufe, deren Bett aus einer Anzahl Rinnen besteht, von
denen einige durch die Flut und andere durch die Ebbe tief gehalten werden.
Gewöhnlich sind sie durch flache Barren oder durch bei N-W. trockenlaufende
Bänke getrennt und periodischen Vertiefungen oder Verflachungen ausgesetzt.
Über und zwischen diesen Bänken kann die Stromrichtung von der des Haupt-
stromes sehr verschieden sein, so daß diese Nebenströmungen für die Vornahme
von Baggerungen im Interesse der Schiffe eine große Rolle spielen können.
Solche Flußläufe eignen sich wegen ihrer großen Abmessungen nicht zu einer
systematischen Regulierung, so daß man sich gewöhnlich in der Hauptsache auf
Baggerungen beschränken muß. .
Der andere Typ der Flußläufe ist in seinen Abmessungen insofern mehr
begrenzt, als sich keine Rinnen bilden können, die allein durch die Flut oder
durch die Ebbe gebildet und durchströmt werden, womit allerdings nicht gesagt
ist, daß Ebbe und Flut ganz demselben Weg folgen. Bei einem nicht regulierten
Strom ist das Gegenteil in der Regel der Fall. Vor den konkaven Ufern in den
Krümmungen wirken Flut und Ebbe zusammen zur Bildung einer tiefen Fahr-
rinne, Die Ebbe verursacht die stärkste Vertiefung etwas unterhalb des Punktes
der stärksten Krümmung, die Flut etwas oberhalb desselben, so daß dadurch
die Krümmung Veranlassung erhält, sich nach unten und oben durch Abbruch
des Ufers weiter auszudehnen. Folgen nun zwei Krümmungen von entgegen-
gesetzter Richtung aufeinander, dann werden sie sich mit der Zeit nähern, so daß
auf die Dauer die vor den konkaven Ufern gebildeten Fahrwasser nebeneinander
laufen, auch wird aus später sich ergebenden Gründen der Inhalt der Quer-
profile an der Stelle, wo die Krümmung die Richtung ändert, größer als der der
Querprofile in den Scheiteln der. Krümmungen sein. Ein solcher Zustand ist
aber für die Tiefe auf der Barre zwischen den nebeneinander laufenden Fahr-
rinnen sehr nachteilig.
Die Einwirkung der Ebbe auf die Form des Stroms ist stärker als die
der Flut, weil die Ebbe länger dauert und durch den Einfluß des Oberwassers
verstärkt wird. Je größer die Entfernung von der Mündung ist, desto größer
ist auch der Unterschied in Dauer und Kraft. Ferner ist dieser Unterschied
dem Umstande zuzuschreiben, daß der Augenblick der stärksten Flut etwas vor
H-W. fällt und der Zeitpunkt der stärksten Ebbe etwas vor N-W., so daß die
Durchströmungsprofile für die Ebbe im Mittel kleiner als für die. Flut sind;
also die Stromgeschwindigkeiten größer, Je größer der Tidenhub, desto aus-
gesprochener ist auch der Unterschied an Dauer und Kraft. Als Folgeerscheinung
ist daraus abzuleiten, daß die allein durch. die, Flut gebildeten Fahrwasser
weniger Tiefe als die durch die Ebbe gebildeten haben.
Oft scheinen Flutrinnen in Untiefen längs der konvexen Ufer tot zu
laufen, die bei N-W. trocken fallen, auf denen aber während des kräftigsten
Flutstromes einige Meter Wasser stehen. Eine hinzukommende Ursache, daß
solche Ausläufer von Flutrinnen weniger bedeutend sind, liegt darin, daß in
den Stromübergängen während der Flut soviel Wasser steht, daß sie dem Flut-
strom einen sehr bequemen Weg nach dem gegenüberliegenden verschaffen, und
wahrscheinlich ein Teil des Stromes viel früher das konkave Ufer verlassen wird
wie der Fall sein würde, wenn die Form des Strombettes allein von der Richtung
und Kraft der Flut abhängen würde, Dieses Verhalten des Flutstroms ist nicht
ohne Bedeutung, weil man oft die Behauptung in wissenschaftlichen Abhand-
lungen findet, daß die Flut mehr Neigung hat, in der einmal angenommenen
Richtung durchzulaufen als. die Ebbe. Diese Behauptung gründet sich‘ haupt-