Tiefseelotungen S. M.S. »Planet« 1910 unter dem Kommando von Korvettenkapitän Dominik. 17
jahre!) ist der Verlauf des Grabens südlich von Neu-Pommern nach Westen hin
in großen Zügen festgelegt; es erübrigte sich jetzt in erster Linie weitere
Lotungen bei der Umbiegung des Grabens nach SO vorzunehmen und den Zu-
sammenhang der bisher geloteten Maximaltiefen von 7879 und 7774 m mit der
Tiefe von 8045 m westlich von Bougainville festzustellen. Als erster Lotungskurs
wurde ein Kurs gewählt, der zentral auf den wahrscheinlichen Biegungspunkt
des Grabens zu gerichtet war. Durch starke südwestliche Stromversetzung wurde
der Kurs leider näher als beabsichtigt an das im Januar gelegte Profil heran-
gerückt, führte aber zu dem Schluß, daß der Graben hier scharf nach Süden
umbiegt und an Breite stark zunimmt. Die erreichte Maximaltiefe betrug 6783 m
auf Station Nr. 15; auf Station Nr. 16 mit 4662 m wurde der südliche Grabenrand
erreicht. Es wurde sodann rechtwinklig zum ersten Kurs auf die Westküste von
Bougainville zu gedampft. Gleich bei den ersten Lotungen zeigte sich ein starker
Abfall, der auf Station 20 und 21 die größten Tiefen von 8400 und 9140 m er-
reichte, Auf Station 20 reichte die Drahtlänge nicht, weil nach der letzten
Lotung 1200 m Draht wegen Torsionsbildung im Draht gekappt waren. Nach
dem gelungenen Aufhieven von 8400 m wurden sofort 2000 m neuer Draht an-
gesplißt und die Lotung wiederholt, die jedoch infolge Abtreibens des Schiffes
während des Aufhievens etwas südlicher fiel. Die Lotung ergab 9140 m; die
Grundberührung war einwandfrei, Leider brach der Draht, als noch 1200 m aus
waren, wahrscheinlich infolge der nicht ganz einwandfreien Beschaffenheit des Lot-
drahts. Zwei weitere Lotungen ergaben noch Tiefen über 6000 m; die Lotungs-
reihe mußte wegen Zeitmangels abgebrochen werden.
Von Sydney ging S. M. S. »Planet« wie im Vorjahre über Neu-Kaledonien
nach den Neu-Hebriden, um die Nachforschungen nach dem von Seismologen
hier vermuteten Graben, die 1909 an der Ostseite der Inseln zu keinem Ergebnis
geführt hatten, dieses Mal an der Westseite der Inselgruppe fortzusetzen. Auf
Grund der bislang vorliegenden Lotungen war auf Tafel 19 (Annalen 1909) die
wahrscheinliche Lage des Grabens angedeutet worden; die 1910 von »Planet«
ausgeführten Lotungen ergaben, daß der gemutmaßte Graben wirklich westlich
der südlichen Inseln vorhanden ist. Die Lotungen wurden, wie vorgeschlagen,
im Zickzackkurs von Süden nach Norden gelegt (s. Tafel 2); hierbei wurde der
Graben in vier Querschnitten mit Tiefen über 6000 m nachgewiesen. Die größten
Tiefen liegen im Süden zwischen den Inseln Mare und Tanna, die Maximaltiefe
betrug 7570 m; nach Norden scheint sich der Graben zu verflachen. Durch die
systematische Einkreisung der letzten größeren Tiefe von 6100 m und durch die
querab von Espirito Santo gelegte Lotungsreihe erscheint eine Fortsetzung des
Grabens nach Norden oder Westen ausgeschlossen. Die Lotungen im Süden
zwischen Mar6 und Aneytyum weisen nur Tiefen von weniger als 3000 m auf, so
daß man annehmen kann, daß hier die Einsenkung einen Abschluß hat. Die
Fortführung der Lotungen bis an die Inseln, Tanna- und Efate-Insel, unterblieb,
da stürmischer NO-Wind mit hoher See hinderte. Zur Übernahme von Kohlen,
die aus dem der britischen Admiralität gehörenden Kohlenlager zur Verfügung
gestellt wurden, wurde Port Vila angelaufen,
Die Lotung Nr. 54 mit 3897 m Tiefe (in der Nacht ausgeführt) fällt fast
genau auf die in der brit. Admiralitätskarte 3033 verzeichnete 48/, Fadenstelle
(Cheyne 1853). Mit Lotungsstation Nr. 56 war die Nachforschung nach dem
Neu-Hebriden-Graben beendet; die folgenden Lotungen konnten, da wenig Zeit
zur Verfügung stand, nur in größeren Abständen gelegt werden. Das Ergebnis
dieser Lotungen in Verbindung der hier schon vorhandenen ist, daß nordnord-
westlich der Neu-Hebriden zunächst eine ausgedehnte Verflachung der Tiefsee
festgestellt wurde, der (auf dem NW gerichteten Kurse) südwestlich der Inseln
Santa Cruz und San Christoval ein Becken mit Tiefen über 5000 m angelagert
ist, das bei San Christoval als größte Tiefe 6880 m aufweist. Diese Tiefe deutet
wieder auf eine grabenförmige Einsenkung hin, jedoch ergeben die Tiefenlotungen
S. M.S. »Planet« weiter westlich zwischen Guadalcanar und Rennel-Insel nur Tiefen
bis 4300 m; allerdings liegen die Lotungen noch in relativ großen Abständen von 15Sm.
1) Siehe »Ann, d. Hydr. usw.« 1910, S. 98 bis 103, mit Tafel 19 und 20.
Ann. d. Hydr. usw., 1911, Heft I.