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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 39 (1911)

256 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1911. 
Packeise befindliche Wasser annähernd richtig ist.!) Als Wassertemperatur im 
Treibeise wurde in der Nähe des Packeises — 1.0° angenommen und bei Annäherung 
an das eisfreie Gebiet allmählich auf 0° gesteigert. 
Der hervorstechendste Zug der Jahresmittelkarte ist die große thermische 
Begünstigung der Osthälfte des Ozeans im Vergleich zum westlichen Teil. Es 
vermag der Kuro Shio im Sommer nicht die abkühlende Wirkung der winterlichen 
kalten Strömung auszugleichen. Die Jahresmittelisothermen sind deshalb in der 
Nähe von Jezo dicht zusammengedrängt und strahlen nach Osten, wo das ganze 
Jahr hindurch Wasser aus niederen in höhere Breiten transportiert wird, aus- 
einander. Besonders nach der amerikanischen Küste zu wächst, veranlaßt durch 
die erwärmende Alaska-Strömung, dieser Gegensatz zu den westlichen Gebieten, 
Anschaulicher noch tritt dieser hervor im Verlauf der thermischen Isano- 
malen der Meeresoberfläche, wie sie von Krümmel®) und Köppen®) gezeichnet 
wurden. 
Die schon bei Betrachtung der jährlichen Schwankung aufgefallene Tatsache, 
daß der Gegensatz zwischen Ost und West, der im südlichen Bering-Meer noch 
besteht, nach Norden zu verschwindet, findet sich aus gleichen Gründen auch im 
Jahresmittel der Oberflächentemperaturen wieder, 
c. Jährlicher Gang. 
In den Zeiten des Eintritts der Maxima und Minima der Temperaturen 
ist recht große Einheitlichkeit über dem ganzen Ozean vorhanden. Mit Ausnahme 
eines Gebietes östlich 140° W-Lg.*) tritt das Minimum im Februar ein, Am aus- 
geprägtesten ist dies im Oya Shio-Gebiet der Fall, wo Januar und März deutlich 
wärmer sind. Weiter nach Osten treten die niedrigsten Oberflächentemperaturen 
offenbar später, vielleicht Ende Februar ein, da der März nur eine sehr geringe 
Temperaturzunahme aufweist, Ganz im Osten schließlich, östlich 140° W-Lg. wie 
auch wahrscheinlich im Bering-Meer,°) ist das Minimum in den März gerückt. 
Wie im Eintritt des Wärmeminimums zeigt sich die Verzögerung des 
Temperaturganges auf dem Ozean auch in der Langsamkeit der sommerlichen 
Erwärmung, Während auf dem Lande vom März zum April die Lufttemperatur 
schon beträchtlich steigt, treten wesentlichere Anderungen der Wassertemperatur 
von Monat zu Monat erst vom Mai an ein. Ein Vergleich der Anderung der 
Monatsmittel des Oberflächenwassers auf dem Ozean und der Lufttemperatur 
der Küste lehrt dies, 
1. Änderung der Oberflächentemperatur des 180° Lg. zwischen 40° bis 50° N-Br. 
(Monatsmittel für die Schnittpunkte des Meridians mit dem 42,°, 44.°, ,, 50.° N-Br. interpoliert und 
daraus das Mittel gebildet.) 
IL—IL. | IL—IV. | IV—V. | V—VL | VL—VIL | VIL—VIL| VIIT.—IX. 
020 | 050 | 086 | 160 | 260 | 230 | 0.09 
N. Änderung der Lufttemperaturen an der Westküste Nordamerikas in gleicher Breite, 
(Mittel der Änderungen von Tatoosh Island, Seattle, Astoria, Portland.) 
0.7° | 26 | 2420 | 24290 | 210 | 039° | —22° 
Das Maximum der Erwärmung herrscht im August. Im September tritt 
bis etwa 48° N-Br. noch geringe Erwärmung ein, nördlich davon bereits wenig 
bedeutende Abkühlung, Im allgemeinen weist der September auf dem Ozean 
keine wesentlichen Unterschiede gegen den August auf. Im Oktober ist aber 
bereits stärkere Abkühlung eingetreten, die in den folgenden Monaten allmählich ©) 
bis zum Minimum fortschreitet. 
!'ı F. Nansen, The Norwegian North Polar Expedition. Scientific Results. Vol. IIT, Oceano- 
graphy S. 314. 
?) O0. Krümmel, Handbuch der Ozeanographie I. Stuttgart 1907, S. 405. 
3) W. Köppen, Wodurch ist die hohe Wärme Europas und des Nordatlantischen Ozeans 
bedingt? Ann. d. Hydrogr. usw. 1911. Tafel 8, 
4) H. Thorade a. a. O. Tafel 11. Nr. 20. 
5) Dall, Pet. Mitt. 1881. S. 365. 
6) Vgl. S. 253 u. 254.
	        
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