Schulz, B.: Die Strömungen und die Temperaturverhältnisse des Stillen Ozeans usw. 255
5. Jährliche Schwankung, Jahresmittel und jährlicher Gang der Oberflächentemperatur.
a. Jährliche Schwankung.
Die jahreszeitliche Änderung der Strömungen erklärt den bei Betrachtung
der Karte der jährlichen Schwankung auffallenden Gegensatz zwischen dem Ozean
östlich und westlich vom 180. Meridian. Einen normalen, den Breitenkreisen
parallelen Lauf haben die Isoamplituden nur im östlichen Teil des Ozeans. Die
Werte erreichen nicht ganz die von Schott!) für diese Breiten berechneten
Mittelwerte. Zwischen 42° und 48° N-Br. beträgt sie 8 bis 9°, südlich 42° N-Br.
mehr, nördlich 48° N-Br. auch im Alaska-Golf, wo die Temperaturmittel des
kältesten Monats durch Extrapolation gefunden wurden, hat die Jahresamplitude
Werte wenig unter 8°. Die geringste Schwankung zeigt sich, abgesehen von dem
Auftriebsgebiet an der Westküste Nordamerikas”), um die östlichen Aleuten. Im
Sommer herrschen hier geringere Temperaturen als auf gleicher Breite im Westen
des Bering-Meeres wie auch im Alaska-Golf. Im Winter dagegen verhindert
der Zufluß wärmeren Wassers aus dem Ozean eine so weitgehende Abkühlung
wie sie im westlichen Bering-Meer stattfindet. Die Schwankung beträgt infolge-
dessen hier nur zwischen 6 bis 7°.
Ganz auffallend sind die Verhältnisse im Bereiche des Oya Shio-Gebietes
westlich 180° Lg., sowohl in bezug auf die absoluten Werte wie den Verlauf der
Linien gleicher Schwankung. Östlich der Tsugar-Straße finden sich Amplituden
von über 18°C, Hier, wohin der Kuro Shio im Sommer fast tropisch erwärmtes
Wasser bringt, die winterliche kalte Strömung dagegen Abkühlung bis fast auf
0°, herrschen die extremsten Verhältnisse, Weiter nördlich wirkt die warme
Strömung in viel geringerem Maße erwärmend, der Oya Shio ruft aber nur
wenig stärkere Abkühlung hervor, so daß die Größe der Amplitude nach Norden
schnell abnimmt, ebenso nach Osten, wo sich im Winter die Wirkung des Oya Shio
in wesentlich geringerem Maße zeigt; am schnellsten endlich erfolgt die Abnahme
nach den Kurilen zu, weil dort auch der Sommer nur geringe Erwärmung bringt.
Der auf dem Ozean zu beobachtende Gegensatz zwischen Ost und West
zeigt sich auch im Bering-Meer, in allerdings geringerem Maße. Der Osten hat
wie erwähnt infolge des im Sommer wie im Winter in gleicher Richtung er-
folgenden Wasseraustausches mit dem Ozean geringere Amplituden als der Westen.
Doch nimmt dieser .Gegensatz nach Norden ab, da hier erstens wegen des ab-
nehmenden Einflusses der vom Kuro Shio abzweigenden Nordtrift der Unterschied
zwischen Ost und West schon im Sommer geringer ist als im südlichen Bering-
Meer, zweitens aber ein Unterschied im Winter wegen der einheitlichen Eis-
bedeckung überhaupt nicht besteht.
bh. Jahresmittel.
Zur Herstellung der Jahresmittelkarte der Wassertemperatur wurde für
jedes Zweigradfeld oder in der Nähe der Aleuten Eingradfeld, falls für jeden
Monat Beobachtungen vorlagen, aus diesen das Mittel gebildet, sonst aus den
Mitteln der Monate Februar, Mai, August, November,?) wenn solche vorhanden
waren. Doch reichten die so gewonnenen Zahlen nicht, um die Isothermen mit
Sicherheit zeichnen zu können. Es wurde deshalb außerdem für die Schnittpunkte
jedes 10. Meridians mit jedem 2. Parallelkreis zwischen 40° bis 52° N-Br., im
Alaska-Golf bis 56° N-Br., das Monatsmittel auf den einzelnen Monatskarten inter-
poliert und daraus das Jahresmittel berechnet.
Für das Bering-Meer liegen nur für den Sommer zahlreichere Beobachtungen
vor. Es wurden trotzdem Jahresmittel erhalten unter der Annahme, daß die
von Nansen im Polarmeere festgestellte Temperatur von — 1.6°, die dort das
ganze Jahr hindurch recht gleichmäßig in der unmittelbar unter der Eisdecke
befindlichen Wasserschicht herrscht, auch für das im Bering-Meer unter dem
i) G. Schott, Die jährliche Schwankung usw. Pet, Geogr. Mitt. 1895. S. 157 und Tafel 10.
’) H, Thorade a. a. O. Tafel 11. Nr. 19. ;
3 O0. Krümmel. Handhuch der Ozeanographie, Band I. 1907. S. 400.