254 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1911.
dagegen verweilt sie Östlich Jezo wenig südlicher, steigt nach Osten aber be-
deutend weniger und erreicht die Westküste Nordamerikas schon bei den Queen
Charlotte Inseln auf 53° N-Br. Im Dezember zeigt sich auch im Westen infolge
der verstärkten Ausbildung des Oya Shio bedeutend stärkere Abkühlung, während
sie im Osten im gleichen Maße wie vorher fortschreitet,
Im Bering-Meer deuten im Oktober die wenigen vorhandenen und zwar
russischen Beobachtungen der Wassertemperatur im westlichen Bering-Meer im
Vergleich mit denen im östlichen Teil bei der St. Paul-Insel!) bereits auf
stärkere Abkühlung der Westhälfte des Bering-Meeres im Gegensatz zum Sep-
tember, Deutlich ist dies aber im November und Dezember der Fall, Einer
Mitteltemperatur im November von 5° bei den Pribiloff-Inseln stehen Tempera-
turen von 3 bis 4° bei der südlicher gelegenen Bering-Insel gegenüber. Dies
würde bereits auf eine Südbewegung des Wassers im westlichen Bering-Meer im
November und Dezember hinweisen, außerdem deuten zwischen 50° und 52° N-Br.
beobachtete nach Süden gerichtete Versetzungen darauf hin, z.B. auch auf
folgender Fahrt.
Dampfschiff »Alesia«, Kapt, J. Ernst, Portland — Jokohama,
Oberflächentemperatur
Ah V | SV |120M| 4DN | 8bN '120Mp
Mittagsort '
N-Br. O-Lg.
November 28
29.
« 30
Dezember
55°
54° 20
52° 18
50° 29
‘79 28
„40 31’
420
174° 0
165° 5
163° ©
157° 16
52° 45
48° 30
45° 39
3 =
37
1.6
7
4,9
4.1
0,9
2.6
3.6
ı.1
1
3.6
4.1
2.6
—0.4
-2.9
+53.6
N25°0 6 Sm
kein Strom
S 48° W 19 Sm
S40°W 17 «
S29°W 25 «
S20°W 11 «
a
a
ia
Bemerkenswert ist, daß Schiffe auf der ost-westlichen Überfahrt nördlich
der Aleuten südwestlich der Bering-Insel sogar im November und Dezember noch
einen Temperaturgradienten antreffen. Das Wasser des Bering-Meeres ist immer
noch wärmer als das des Ozeans östlich der Kurilen. Es erfolgt die Abkühlung
des Bering-Meeres bedeutend langsamer als die des Ochotskischen. Im Oktober,
dem Kentermonat des Monsuns, zeigt sich außer der allgemein fortschreitenden
Temperaturabnahme östlich der Kurilen nur ein geringer abkühlender Einfluß
des Ochotskischen Meeres; anders im November, wo die Herrschaft des NW-
Monsuns einsetzt und unter seinem Einfluß das durch die kalten Landwinde stark
abgekühlte Wasser des OÖchotskischen Meeres auf den benachbarten Teil des
Ozeans getrieben wird. Noch mehr ist dies im Dezember und den eigentlichen
Wintermonaten der Fall. Es sind also die niedrigen Temperaturen des Oya Shio
im November und Dezember in erster Linie der Wurzel der kalten Strömung im
Ochotskischen Meere zuzuschreiben, Erst im Januar ist die Abkühlung des
Bering-Meeres so weit fortgeschritten, daß ostwärts fahrende Schiffe den die
kalte Strömung anzeigenden Temperaturgradienten schon wesentlich östlich der
Bering-Insel antreffen statt südwestlich von ihr, wie im Herbst.
Die Eisgrenze rückt im Herbst von Norden her wieder ins Bering-Meer
hinein. Nachdem mit Beginn des September die Schiffahrt östlich Point Barrow
sehr unsicher geworden ist,“) ist sie von Mitte Oktober ab nördlich der Bering-
Straße ausgeschlossen.) Ende Oktober bildet sich Eis bei der St. Lorenz -Insel
und bei St. Michael. Ende Dezember erscheint das erste Treibeis bei den
Pribiloff-Inseln.?)
U. S. Coast and Geodetie Survey, Paeifie Coast Pilot. Alaska, Part I, Meteorology
Washington 1879. S. 90.
% J. P. Maclear a. a. O0. S. 563.
3 J. Pagea. a. 0. 8.1.
') Bull. de 1a Soc. de G6oer. Paris 1873. VI Serie, Tome VI, S. 5614f.