359 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1911.
nach Dall?!) ein mittleres Maximum von 12.2° C., im Norton-Sunde im Juli und
August eine Durchschnittstemperatur von 13.4°C. Auch im Golf von Anadyr
wiegen nach den russischen Zahlen Temperaturen über 11° C. vor,
Auffallend ist an 2 Stellen im Bering-Meer, in der Bering-Straße und
südlich der Anadyr-Bucht, vorkommendes kaltes Wasser,?) Alle Beobachtungen
ergeben, daß die asiatische Seite der Bering-Straße im Sommer erheblich niedrigere
Temperaturen aufweist als die amerikanische. In der an Buchten reichen asiatischen
Küste hält sich das Eis bis in den Sommer hinein, oft das ganze Jahr hindurch,
so daß dadurch wohl die dort beobachteten niedrigen Temperaturen zu erklären
sind,“) Die »Vega« fand Ende Juli 1879*%) die St. Lawrence-Bay dicht mit Eis
besetzt und Eis an der ganzen asiatischen Küste der Bering-Straße. Vielleicht
ist das am Südende der Anadyr-Bucht zwischen Kap Tschaplin und Tschoukotsky
beobachtete niedrig temperierte Wasser auf die gleiche Ursache zurückzuführen.
Das kältere Wasser in der Nähe der Kurilen ist auch im Sommer nicht
völlig verschwunden (vgl. Karte 12, Tafel 18). Sein Vorhandensein, das jetzt
allerdings andere Ursache hat als im Winter, ist erwiesen durch die Unter-
suchungen von Schrenck®) und vor allem von Makaroff®) und wird weiterhin
bestätigt durch Beobachtungen des »Albatroß«”) wie auch durch die folgenden:
Dampfschiff »Tsingtau«, Petropavlovsk —- Wladiwostok,
Datum | Mittagsort | Oberflächentemperatur
N-Br. | O-Lg. »4bV |8bV 12RM}4BN ShN 120Mp
August 8,
9.
10.
50° 51’
50° 14
48° 21
460 57
46° 4
459° 8’
157° 21’
156° 28’
152° 50
148° 4’
1439 36%
1209 55
Ar
5
1
Br
40
9.1
Do
3.
56
2?
8.0
7.8
1
10.0
58
102
Vormittags Nebel
Nebel
Nebel
Da sowohl das Ochotskische Meer im Westen und Nordwesten wie der
Ozean und das Bering-Meer auch an der Küste Kamtschatkas im Sommer bedeutend
wärmer ist als das Wasser bei den Kurilen,®) kann es nicht durch einen Ober-
Mächenstrom herbeigeführt worden sein. Es muß aus der Tiefe stammendes
Wasser sein. Wenn es sich nun allein um durch Wirkung des Südostmonsuns
in’ Lee der Inseln aufquellendes Auftriebwasser®) handelte, so würden sich die
niedrigen Temperaturen meist und am weitesten verbreitet auf der Seite des
Ochotskischen Meeres finden. Dies ist jedoch nicht der Fall. Wie die Zahlen
Makaroffs von zwischen den nördlichen Kurilen hindurchgefahrenen Schiffen
zeigen, werden die niedrigen Temperaturen sowohl auf der pazifischen wie der
ochotskischen Seite angetroffen, und Makaroff ist sogar geneigt, eine größere
Verbreitung nach dem Stillen Ozean zu anzunehmen. Er gibt als Erklärung an,
daß das kalte Wasser veranlaßt sei durch eine Vermischung der oberen mit den
tieferen Wasserschichten infolge des starken, häufig über 4 Knoten per Stunde
betragenden Gezeitenstromes.!°) Wirksam unterstützt werden dürfte das Empor-
steigen kalten Wassers noch durch ansaugende Wirkung der in das Bering-Meer
setzenden Nordosttrift wie der nach Makaroff im Ochotskischen Meer an der
Westküste Kamtschatkas nach Norden setzenden Strömung.
An der Nordwestküste Nordamerikas, nördlich etwa 48° N-Br., zeigen sich
im Straßengewirr zwischen den der Küste unmittelbar vorgelagerten Inseln in
‚ Pet. Mitt. 1881, S. 367.
?, S. Makaroff a, a. O0. S. 309, auch Planche IX.
3) Dall, Pet. Mitt, 1881. S. 379.
“A. E. v, Nordenskjöld a, a, O0. S. 695,
a. a O0. S. 11.
a. a. O0. S. 295f. Planche XII, XIIL
Dredging and other records etc. Washington 1901, ©. 468f,
Atlas des Stillen Ozeans, Tafel 8.
Makaroff a. a. O. Planche XII.
?) Segelhandbuch für den Stillen Ozean, 8. 29.
0) Makaroff a, a. O0. 8. 298.