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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1911,
Zahlreicher sind die Berichte über die an der amerikanischen Küste nach
NO setzende Strömung. Weitaus die Mehrzahl der Nachrichten, auch der von
Dall angeführten, deutet auf ihr Bestehen bis Point Barrow.!) Hierfür spricht
auch, daß nach Stephanson®) das Treibholz längs der Küste südlich von Point
Barrow in auffallender Weise abnahm zur gleichen Zeit, als am Oberlaufe des
Jukon bedeutende Abholzungen stattfanden.
Die Strömung ist aber nicht so beständig, daß sie nicht gelegentlich wie
auch in der Bering-Straße durch dauernde starke Gegenwinde zeitweilig in das
Gegenteil verkehrt werden könnte.?)
Bei Point Barrow scheint die an der Küste entlang setzende Strömung
vom Lande abzubiegen und nach Nordosten in das Polarmeer hineinzusetzen,?)
nach Amundsen®) mit beträchtlicher Geschwindigkeit. Dies würde übereinstimmen
mit Berichten, die längs der alaskischen Nordküste zwischen der Mackenzie-Bai
und Point Barrow eine westliche Strömung annehmen.®) Mikkelsen wurde auf
seiner Wanderung auf dem Eise nach Norden zur Feststellung der Schelfgrenze
im April beständig nach Westen und Nordwesten getrieben. Für Westströmung
sprechen auch die Beobachtungen über das Vorkommen von Treibholz östlich
von Point Barrow. Nach Stephanson”) kommen die dort gefundenen Holzarten
sehr selten im Jukon-Gebiet, häufig dagegen an den Ufern des Liard und
Mackenzie vor. Er kommt zu dem Schluß, und die oben angeführten Beobach-
tungen bestätigen seine Ansicht durchaus, daß im Westen eine nordöstliche
Strömung und von Osten her ein Weststrom von der Mackenzie-Mündung her
nach Point Barrow setzen und von dort aus beide vereint sich nach Norden ins
Polarmeer richten.
Von der Mackenzie-Mündung scheint demnach ein Teil der Fluten nach
NW zu setzen, womit auch die Bemerkung Amundsens in Einklang zu bringen
ist, daß bei der Herschel-Insel die Strömung ins offene Meer hinausführt,®) ein
anderer Teil aber nach Nordosten. Amundsen”) traf bei Kap Bathurst bereits
die braunen Fluten des Mackenzie. Für das Bestehen einer Wasserbewegung in
dieser Richtung sprechen auch die von Mecking angeführten Momente.!°)
b. Oberflächentemperaturen.
Die im Frühjahr von Monat zu Monat fortschreitende Erwärmung setzt
sich während des Juli noch fort. Der August stellt den Höhepunkt der sommer-
lichen Verhältnisse dar. Der September bringt bis etwa 45° N-Br. noch weitere
geringe Temperaturzunahme, nördlich davon bereits geringfügige Abkühlung,
Im allgemeinen weist der September auf dem Ozean keine bedeutenden Unter-
schiede gegen den August auf,
Durch die veränderten Strömungsverhältnisse bedingt, verlaufen die Iso-
fhermen im Sommer wesentlich anders als im Winter. Während in der kalten
Jahreszeit die Isothermen vom Oya Shio in etwa 38° N-Br. bei Kap Kinkuasan
ganz außerordentlich dicht zusammengedrängt werden und quer über den Ozean,
nach Norden ansteigend, fächerförmig auseinandergehen, werden sie im Sommer
durch die ins Bering-Meer setzende Trift im Westen des Ozeans nach Norden
') Pet, Mitt, 1881. S. 443 ff.
J. P. Maclear a. a. 0. 8. 39, 563.
Mitt, d. Geogr. Ges, Hamburg 1888. S. 317 £,
Bull. of the Amer, Geogr. Soc. New York vol. XLI. Nr. 10. Oct. 1909. S. 603 f.
V. Stephanson, Northern Alaska in Winter,
3 Mikkelsen a. a. O0. 8. 69 ff.
A. Armstrong, A personal narrative of the discovery ete. London 1857. 8. 88.
4) J. P. Maclear a. a, 0. 8. 41.
5) R. Amundsen, Die Nordwestpassage. München 1908. S, 473.
*) Mikkelsen a. a. ©. 8. 256 ff., auch Appendix I, S. 438.
Zitschr. f. Erdkunde II. 1854. S. 156,
Na a 0.
8) R. Amundsen a. a. O0, 8. 464.
9) Ebenda 8, 365,
©) L. Mecking, Die Eistrift aus dem Bereich der Baffin-Bai. Veröff. des Instituts für Meeres-
kunde. Berlin 1906. S. 23.
?)