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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 39 (1911)

Schulz, B.: Die Strömungen und die Temperaturverhältnisse des Stillen Ozeans usw, . 247 
Zeit seit 1900 sind besonders die von Garde zusammengestellten Eisberichte 
wichtig. ; 
Die auf den Karten angegebenen Eisgrenzen wurden auf Grund des darüber 
heute vorliegenden Materials gezeichnet mit Benutzung der von Hegemann, 
Hansen und Simpson angegebenen Grenzen. 
Die Eisverhältnisse im Bering-Meer sind ganz außerordentlich wechselnd 
und von den Wind- und Witterungsverhältnissen der verschiedenen Jahre ab- 
hängig. Die gezeichneten Eisgrenzen können deshalb nicht bedeuten, daß dort 
mit Sicherheit Eis getroffen wird, sondern sie zeigen nur die mittlere Eis- 
verbreitung nach den vorliegenden Berichten, während in den einzelnen Jahren 
starke Abweichungen stattfinden. können, 
Im März erreicht das Eis seine größte Verbreitung nach Süden, bis im 
Frühjahr ein allgemeiner Rückzug nach Norden beginnt. Von April an sind wir 
über die Eisverhältnisse gut unterrichtet, da die Walfänger, die von San Francisco 
kommen und in Unalaska sich zur Vervollständigung ihrer Vorräte einige Tage 
aufhalten, Anfang April nach Norden aufbrechen und an der Packeisgrenze 
entlangfahren, nach einer offenen Rinne ausspähend, um durch diese möglichst 
weit nach Norden zu gelangen. Hier lassen sie sich einfrieren und mit: den Eis- 
massen zusammen durch die zunehmenden südlichen Winde nach Norden treiben, 
bis sie Mitte Mai nordwestlich der St. Lorenz-Insel wieder freikommen. Die West- 
seite des Bering-Meeres .ist erfahrungsgemäß zuerst zu durchfahren, Gileichfalls 
hat sich herausgestellt, daß im nördlichen Bering-Meer das Gebiet zwischen Kap 
Bering und Indian Point und von dort nach Kap Deschneff früher: eisfrei wird 
als anderswo. Das Ziel der Walfänger ist deshalb, möglichst früh hierher zu 
gelangen, um die nach Norden in das Eismeer sich bewegenden Wale abzufangen, 
Im April erstreckt sich quer über das nördliche Bering-Meer von einem 
Treibeisgürtel umsäumt Packeis, das im östlichen flachen Teil des Meeres weiter 
nach Süden reicht als im Westen, bis fast an die Pribiloff-Inseln, In manchen 
Jahren, z. B. 1894, 1895, 1908, dehnte es sich bis südlich von den Pribiloff-Inseln 
aus, in anderen wie im Jahre 1899 blieb es wesentlich nördlich von ihnen. 
Im Mai ist die Packeisgrenze schon bedeutend nach Norden zurückgerückt, 
Da es an der Küste früher aufgeht als in der Mitte des Bering-Meeres, glückt 
es den Waldampfern im Mai meist auch im Osten nach Norden zu kommen, 
Das Treibeis erstreckt sich jedoch immer noch bis zu den Pribiloff-Inseln.!) Die 
Bristol-Bai wird erst zwischen Mitte Mai und Anfang Juni eisfrei. 
Im Laufe des Juni verschwindet das Eis südlich der St. Lorenz-Insel völlig, 
Packeis ist nach Hegemann noch in der Anadyr-Bucht vorhanden. Im übrigen 
hat es sich aber bis nördlich von der Bering-Straße zurückgezogen. In dieser 
selbst sowie südlich von ihr ist meist noch Treibeis anzutreffen. Die Nordküste 
des Norton-Sundes wird erst Ende Juni eisfrei, Die Nordküste Alaskas ist im 
Juni noch mit Eis blockiert. Nur an der Mündung des Mackenzie-Flusses hat 
gs sich bereits zu Treibeis aufgelöst. 
3. Sommer (Juli bis September). 
a. Strömungen. _ 
Der weitgehende Windwechsel vom Winter zum Sommer, der durch die 
Ausdehnung der Roßbreiten-Antizyklone sowie Entstehung der kontinentalen 
Minima bedingt und durch Vorherrschen südlicher Winde charakterisiert ist, 
stellt die Ursache dar der veränderten Strömungen, die im Sommer im Ozean 
wie im Bering-Meer ausgebildet sind. Mit Ausnahme der Ostseite des ozeanischen 
Maximums läßt sich überall ein Wachsen der nördlichen Komponenten der Be- 
wegungen des Wassers feststellen. 
Der Kuro Shio, der. im Sommer, besonders im August, Östlich der Insel 
Hondo süd--nördlich?) verläuft, tritt mit nordöstlicher Richtung in unser Gebiet 
ı) J. P. Maclear, a. a. O0. 8, 33. 
A. L. Pinart, Voyage ä la cöte Nord-ouest d’Ame&rique. ‘ Bull. de Ia Soc, de G6ogr., 
VI. Serie, Tome VI. Paris 1873, 8. 561 ff. 
2?) G. Schott. Aus d. Arch. d. Deutschen Seewarte. XIV. 3. 1891. Tafel 5.
	        
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