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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1911.
Die Strömungen und die Temperaturverhältnisse des Stillen Ozeans
nördlich von 40° N-Br. einschließlich des Bering-Meeres.
Von Bruno Schulz,
(Hierzu Tafeln 17. 18, 19.)
III. Die Strömungen, Oberflächentemperaturen sowie HEisverhältnisse
des Ozeans und Bering-Meeres.
(Vgl. Karte 3 bis 18, Tafel 17 und 18.)
1. Winter (Januar bis März).!)
Die Abhängigkeit der Strömungen von den vorherrschenden Winden zeigt
sich am ausgeprägtesten in den extremen Jahreszeiten, Sommer und Winter,
NW- und N-Winde beherrschen im Winter die Küsten des Ochotskischen
Meeres wie auch dieses selbst, NO-Winde das Bering-Meer. Die Folge ist die
Ausbildung einer Strömung aus dem durch die kalten Landwinde stark abge-
kühlten Ochotskischen Meere zwischen den Kurilen hindurch in den Ozean,
ebenso einer aus dem Bering-Meere zwischen Kamtschatka und den westlichsten
Inseln der Aleuten, Beide vereint bilden die kalte Südwestströmung des Oya
Shio, der bei etwa 38° N-Br. bei Kap Kinkuasan”) mit dem warmen Kuro Shio
zusammentrifft. Dieser, im Winter durch den Oya Shio und den NW-Monsun
am weitesten von der Küste Jezos abgedrängt, gelangt erst zwischen 150° und
170° O-Lg. nördlich des 40, Breitenkreises. Seine Achse hat infolge der ungün-
stigen Windverhältnisse im Winter ihre südlichste Lage und verläuft etwa von
West nach Ost zwischen 40° und 42° N-Br., so daß demnach nur die polare Hälfte
der Westwindtrift in unser Gebiet fällt. Die beobachteten Versetzungen verteilen
sich folgendermaßen:
9% Versetzungen nach ) kein | Anzahl der
NINO OO iso! Ss [SWI Ww | NW Strom !Beobachtung,
EEE 2 | 20 | 28 20 | 9 | 13 | 2 | 3 | 10 | Gi
170°W-Lg.— Westküste
Nordamerikas ....| 3 30 | 27 14° 3. 1. 4 1 3 , 5 11 72
Die Zahlen zeigen die quer über den Ozean setzende Osttrift deutlich an.
Genau östlich scheint sie aber nur in der Region der Westwinde zu sein. Von
170° W-Lg. an vermehrt sich der Anteil nach NO weisender Versetzungen wesent-
lich, eine nordöstliche Bewegung des Wassers andeutend. Hiermit stimmt das
zu beobachtende starke Ansteigen der Isothermen nach Osten zu vortrefflich
überein, Die an der Südostseite der nordpazifischen Zyklone auftretenden Süd-
west- und Südwinde führen die vorher sich mehr Östlich bewegenden Wasser
des Kuro Shio in höhere Breiten, dadurch stärkere Erwärmung bewirkend.
Am ausgeprägtesten zeigt sich die nördliche Bewegung nahe an der West-
küste Nordamerikas, Von den dort entstehenden beiden Verzweigungen des
Kuro Shio befindet sich die südliche, die Kalifornische Strömung, außerhalb
unseres Gebietes, Der ganze Osten des Ozeans in der Nähe der Küste nördlich
40° N-Br. ist vielmehr eingenommen von dem Nordarm, der in den Alaska-Golf
setzenden Alaska-Strömung.
Auf den Pilot Charts for the North Pacific Ocean wird für die Monate
Januar bis März im Gegensatz zu allen übrigen Monaten des Jahres eine der
oben angegebenen gerade entgegengesetzt verlaufende Strömung angenommen,
die bei etwa 170° W-Lg. vom eigentlichen Kuro Shio nach Nordosten abzweigt
und der pazifischen Küste Alaskas folgend allmählich nach Süden umbiegt und
schließlich die Kalifornische Meeresströmune bildet. Daß die letztere sich aber erst
1) Im Gegensatz zu den bei Besprechung der Windverhältnisse benutzten meteorologischen
Quartalen wird im folgenden Abschnitte mit Rücksicht auf den verzögerten Temperaturgang der Ozeane
die Abgrenzung der Vierteljahre um einen Monat verschoben. (Also Winter: Januar bis März statt
Dezember bis Februar.)
2 (1 Schott. Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. XIV. 3. 1891. S. 11.