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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1911.
Für die Sonnenglieder gilt natürlich diese Korrektion nicht; aber für die
kombinierten Sonne- und Mond-Glieder K, und K, wird die Korrektion, obschon
nicht schwerer zu berechnen, doch regellos kompliziert.
Auch bei den astronomischen Koeffizienten macht sich diese Schwankung
der Mondbahn bemerkbar, aber in so geringem Maße, daß die Korrektion in der
Praxis vernachlässigt werden kann.
Eine zweite Schwierigkeit erfährt man, wenn man aus den für die Nord-
und West-Komponenten gegebenen Formeln die nach einer bestimmten Richtung
resultierende Kraft ableiten und dem Resultat die positive Kosinusform
R cos (n - + Vo — w)
geben will, worin Vo das astronomische Argument darstellt, während w aus-
schließlich von lokalen Umständen abhängig ist, das wird sein von der Breite
des Ortes und der Richtung z. B. eines Kanals, längs dem man die Gezeitenkraft
zu kennen wünscht. Durch diese Zusammensetzung werden die Formeln nicht
nur reichlich kompliziert, sondern es zeigt sich auch aus Formel (13), daß die
K,-Tide (y z) und die O-Tide (Gy — 20) z) mit umgekehrten Vorzeichen vorkommen,
woraus folgt, daß der Wert von vw, der naturgemäß für beide Tiden derselbe
sein muß, verschieden ausfallen wird. Diese Schwierigkeit wird dadurch gehoben,
daß man schreibt
sin (y z — @) = cos (7 ı — vv — 90°)
— sin (7 — 2 0) e — w) = cos (7 — 2 o) 1 — #-+ 90°).
A. i. durch Hinzufügen oder Abziehen von 90° und dadurch, daß man diesen
Betrag als zu dem astronomischen Argument gehörig ansieht, so daß ı kon-
stant bleibt.
Es ist nicht nötig, hier weiter auf diesen Punkt einzugehen, da die in dieser
Arbeit ausgeführte Anwendung auf die Berechnung der Gezeiten sowohl den
Gebrauch der oben angeführten Tafeln für die Werte y und &, als auch die
Rechnung unter Festhalten der Änderung des astronomischen Arguments, die für
die positive Kosinusform notwendig ist, überflüssig macht.
Auf diesen Punkt hinzuweisen war aber notwendig, um zu verhüten, daß
man bei einer Betrachtung des astronomischen Arguments in anderen Arbeiten
auf eine unerklärte Deutung vom Vg stoße.
5. Anwendung auf die Bestimmung der Gezeitenkonstanten
aus seismologischen Beobachtungen.
Aus den Beobachtungen über die Fortpflanzung der durch Erdbeben hervor-
gerufenen Wellen durch die Erde und aus der Periode (427 Tage) kleiner Breiten-
änderungen ist hervorgegangen, daß man die Erde nicht als eine noch flüssige
Masse, umgeben von einer verhältnismäßig dünnen Kruste ansehen kann, sondern
vielmehr als einen festen Körper von großer Starrheit
Unter dem Einfluß der fluterzeugenden Kräfte muß auch
ein solcher Körper Formveränderungen erleiden, die
sich in sehr kleinen Niveauänderungen äußern.
Wie im Abschnitt 2 bereits angedeutet worden ist,
können diese Senkungen und Hebungen durch die
äußerst empfindlichen Seismographen gemessen werden
und, da bei diesen Gestaltsänderungen keine der vielen
Komplikationen auftreten, die für den Fall der Wasser-
gezeiten unvermeidlich zu berücksichtigen sind, so ist
eine unmittelbare Anwendung der Theorie der flut-
erzeugenden Kräfte auf diese Beobachtungen als die
einfachste anzusehen.
Aus den Formeln (10) und (13) finden wir für die größten Komponenten,
also die der Gezeitenkraft M,
N = —-HEsing cos g cos 2 (y-— 0) t W = HE cos g sin 2 (y — 0) z.
Rechnen wir Abweichungen im Sinne der Bewegung des Uhrzeigers po-
sitiv. so folgt aus Fig. 7, daß die Resultierende der Kraft, die auf ein Horizontal-