236 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1911.
während auf einer Breite von 45°, wo cos 2 = 0, die Kraft ausschließlich in
der Richtung senkrecht zum Meridian wirkt.
Die dritte Gruppe von Gliedern endlich, die eine halbtägige Periode zeigen,
sind proportional cos? d; sie sind also, im Gegensatz zu der eintägigen Tide, am
wirksamsten, wenn der Himmelskörper im Aquator steht.
Sowohl der Stundenwinkel als auch die Monddeklination sind aber nicht
gleichmäßig sich verändernde Größen, mit denen man bequem verfahren kann,
und auch die Entfernung k, von der der allgemeine Koeffizient H abhängig
ist, ist nicht konstant. Daher ist es wünschenswert, die Analyse weiter fortzu-
setzen, so daß Ausdrücke erhalten werden, die von den vier in der Astronomie
gebräuchlichen, gleichmäßigen Winkelgeschwindigkeiten, oder von einer Kombination
aus ihnen, abhängig sich gestalten; dies sind für die Stunde mittlerer Sonnenzeit:
vo = 0°,5490165, die mittlere Bewegung des Mondes in seiner Bahn;
= 0°.0410686, die mittlere Bewegung der Sonne, also der Erde in ihrer Bahn:
5 = 09,0046418, die Bewegung des Mondperigäums;
vv =— 15°.0410686, die Umdrehungsgeschwindigkeit der Erde.
Die Umbildung geschieht leicht vermittels des sphärischen, rechtwinkligen
Dreiecks GSA (Fig. 4); für dieses gilt:
cos COS & = COSUT a)
sin 6 = sin oz sin J b)
. cos $ sin « = sin grcos J C),
worin J die Neigung der Mondbahn und &@ die Rektaszension darstellt.
Für den Stundenwinkel kann man schreiben:
t= 75 —d4,
wobei z von der Zeit des Durchganges des Frühlingspunktes A durch den
Meridian an gerechnet wird. Entwickeln wir nun z. B. den Ausdruck:
sin 26 cost = sin2 0 cos(yrt— a) == sin 2 (cos y r cos « + sin y r sin gi
und beachten, daß sich aus (11) ergibt
a)>b): sin26öcosa = sinJsin2oz
€): cos ösina = cos J sinoz
b)>c): sin2ösin % = sin2Jsin®oer = 418sin2J(1-—cos2o07),
so erhalten wir
sin 26 cost = }ein2Jsinyr—4sin2Jsinyzcos2 or -+sinJ cos yr sin? az.
Da ferner
acosm sinn — bsinm cosn = 13a sin (m -n) — 4 a sin (m — n)
— }b sin (m + n) — 3 b sin (m — n) (22:
= 4 (a — b) sin (m + n) — } (a + b) sin (m — n),
so folgt daraus für die gesuchte Entwicklung und in gleicher Weise für die
vier übrigen Ausdrücke in (10)
sin2ö0cost = Asinyr —Bsin(y—20o)r + Csin (y-+—20)z
sin 28 cost = — Acosyr +Beos(y—20o0)r — Cecos(y +20) 7
cos? dcos2t= Deos2yr-+ Ecos2 (y— o)z + Feos2(y +0) r
cos? ösin2t = Dsin2yr+Esin2(y—o)r + Fsin2y-+ oz
sin?dg— Dli-—cos20o0nm.
13)
worin
B = 3sinJ+4sin2J = sin J cos? 3
0 = 4sinJ— 48in2J = sin Jin? Z- D = 4sin? J
E= 1-4 1008? J+1eosJ = cost 3 F=14+160082J —1c0sJ == sin* Te
Obwohl die Entwicklung darauf hinausläuft, daß man Produkte von sin
and cos in Summen und Differenzen umwandelt, wobei natürlich ebenso viel
Summen als Differenzen auftreten, so zeigt sich, daß in Wirklichkeit ver-
schiedene Glieder der Gleichungen ihrer geringen Größe wegen nicht weiter in
Betracht kommen, da nach (12) auch die Amplituden aus Summen und Differenzen
gebildet sind.
Alle diese Koeffizienten (14) sind abhängig von der veränderlichen Neigung
der Mondbahn gegen den Äquator, die im Mittel 23°.5 beträgt und in einer
Periode von 19 Jahren zwischen 18°.5 und 28°5 schwankt.
3.1