van der Stok-Herrmann: Elementare Theorie der Gezeiten usw.
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so findet man auch für die vertikale Komponente einen endlichen Effekt, da er
in diesem Fall wiederum zu dem Erdradius in direktem Verhältnis steht.
Es verdient Beachtung, daß die Wirkung der fluterzeugenden Kraft ganz
anders ausfällt, wenn die Erdoberfläche nicht gleichmäßig mit Wasser bedeckt
ist. Stellen wir uns den Fall von zwei Seen vor, die untereinander durch einen
in der Oberfläche gelegenen Kanal verbunden sind und in einer Entfernung
von 90° voneinander liegen, während die Oberfläche der einen See zweimal so
groß ist, als die der anderen. Da die gesamte Wassermasse stets dieselbe bleiben
muß, wird nun bei der kleineren See die Wirkung der Gezeitenkraft doppelt so
groß sein müssen, als bei der größeren. Allein infolge der Verteilung der Erd-
oberfläche auf Land und Meer wird also bereits eine der Gleichgewichtstheorie
entsprechende Gezeitentheorie unmöglich werden.
4. Entwicklung der fluterzeugenden Kraft.
Bereits unter Nr. 2 ist durch Zerlegung der Kraft in zwei Komponenten
eine erste Analyse als Mittel zur Vereinfachung angewendet und gefunden worden,
so daß jede weitere Zergliederung darin bestehen muß, daß man für die scheinbar
einfache, in Wirklichkeit aber unbrauchbare Form
sin2z
leichter zu behandelnde Ausdrücke aufsucht,
Dies geschieht mit Hilfe des be-
kannten Poldreiecks SP Z, (Fig. 4) worin P
der Pol, t der Stundenwinkel, Z das Zenit,
@ die Breite des Ortes. und dö die De-
klination des Himmelskörpers bedeuten.
Die drei Gleichungen, die zu der
Berechnung von Höhe und Azimut (A, von
Süden aus gezählt) aus Deklination und
Stundenwinkel angewendet werden, sind,
wenn für die Höhe 90° — z gesetzt wird:
sin z sin Az = cos ösint
sin z cos Az = sin d cos # — cos $ sin gp cost
cos z = sin ö sin g - cos d cos g cost.
Man kann nun die Frage stellen, welches für die fluterzeugende Kraft
6 in2z = Hein2z
N
die Werte der Komponenten im Meridian (Nord positiv) und in einer zu ihm
senkrechten Richtung (West positiv)
N = Hsin2z cos Az W = Hsin2zsin Az
sein werden.
Aus den Gleichungen (9) findet man sogleich durch Multiplikation der
beiden ersten Formeln mit der dritten (unter Weglassen von H):
N = (3 sin? $ — 1) sin g cos sin2 6 cos 2 p cost — cos? sing cos p cos Zt x
= ds en Diner cos ee "a AAO (10)
Hieraus ergibt sich, daß die fluterzeugende Kraft in drei Gruppen zerlegt
werden kann,
Die erste Gruppe ist mit der täglichen Bewegung des Himmelskörpers nicht
veränderlich; sie wirkt ausschließlich in der Richtung des Meridians, und zwar in der
Richtung nach dem Äquator hin, da auch bei der größten Monddeklination von 28°
3sin?ö<1.
„. Eine Folge dieser Kraft muß daher eine dauernde Anhäufung von Wasser
am Aquator sein, sowie weiter das Auftreten von Gezeiten von langer Periode
und in fester Beziehung zu den periodischen Änderungen der Deklination.
Eine zweite Gruppe von Ausdrücken, für beide Komponenten direkt pro-
portional sin 20, weist eine eintägige Periode auf und verursacht daher eintägige
Tiden; diese verschwinden, wenn die Deklination des Himmelskörpers 0 wird.