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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 39 (1911)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1911. 
oder, wenn wir dr=h und r = R, setzen 
h 
dG = —2g 
Für h= 1m und R, = 6400 km findet man alsdann 
Ag = —0.000000313 g. 
Die größte Schwankung die der Mond sozusagen in der Schwerkraft 
hervorruft, beträgt also ungefähr die Hälfte der Änderung, die durch einen 
Höhenunterschied von einem Meter verursacht wird. 
Obwohl man keineswegs imstande ist, den absoluten Wert von g auf so viel 
Dezimalstellen genau zu bestimmen (man kann nicht weiter gehen als bis auf ein 
Hunderttausendstel), ist es doch möglich, diese sehr kleine Änderung von g 
experimentell nachzuweisen. Dies kann geschehen sowohl außerhalb des Labo- 
ratoriums dadurch, daß man mit ein und demselben Instrument Pendelbe- 
obachtungen in verschiedenen Höhen ausführt, als auch im Laboratorium ver- 
mittels einer Wage, die mit vier Schalen versehen ist, von denen das eine Paar 
in einem bestimmten Abstand, z. B. von 5 m, unter dem anderen aufgehangen 
ist; es ist leicht einzusehen, daß im letzteren Falle durch Vertauschen der Ge- 
wichte auf den untersten und obersten Schalen, der Unterschied im Gewicht 
gemessen werden kann. Auf diese Weise wurde u, a, von Scheel und Diesel- 
horst gefunden 
4 g = — 0.000000295 g, 
Es ist jedoch klar, daß keine dieser beiden Methoden für eine Messung 
des Mondeinflusses auf die Schwerkraft Anwendung finden kann; der in (6) for- 
mulierte Einfluß liegt nach wie vor außerhalb des Bereiches der Beobachtung. 
Günstiger steht man den Störungen gegenüber, die durch die horizontale 
Komponente der fluterzeugenden Kraft zu Wege gebracht werden. Ihr größter 
Wert, der erreicht wird, wenn der Zenitabstand 45° und 135° beträgt, ist 
+7 g 
und die Schwankung dieser Kraft ist also ebenso groß als 
die der vertikalen Komponente (6). 
Der Ausschlag eines Pendels unter dem Einfluß dieser 
Kraft wird, da (Fig. 2) 
« 3 & 
Hcosa = gsina, also 5 # cos @ = sine 
betragen: tang a = a& = zZ 7, So daß die Stellungsänderung 
im Verlauf von 6 Stunden (der doppelte Ausschlag) sein wird. 
2al = 0.000000168 1, 
wenn 1 die Länge des Pendels in mm darstellt. 
Es ist nicht möglich, dem gewöhnlichen Pendel eine solche Länge zu geben, 
daß hierdurch eine meßbare Stellungsveränderung entsteht, aber die Horizontal- 
pendel, die als Seismographen dienen und in ihrem Wirken Pendeln von großer 
Länge gleichwertig sind, setzen uns in den Stand, Größen wie die hier berechnete, 
wahrzunehmen und zu messen. 
Einer der in dem Institut zu de Bilt aufgestellten Seismographen ist 
äquivalent einem Pendel von 81 m Länge, während die Bewegung des Pendel- 
körpers mit einer 30 fachen Vergrößerung auf die Registriervorrichtung über- 
tragen wird, 
Unter den günstigsten Umständen, das würde sein bei Aufstellung an 
einem Ort unter dem Äquator und in der Ebene des Meridians, würde dann 
dieses Instrument bei einer Deklination des Mondes gleich 0 zufolge der Mond- 
wirkung eine Lagenveränderung von 
0.000000168 >< 81000 >30 = 0.41 mm 
erfahren, 
Aufgestellt in einer Breite von 52° würde dasselbe Instrument eine unge- 
fähr halb so große Lagenveränderung annehmen.
	        
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