Lotungen des Kabeldampfers „Stephan“ auf der Strecke Monrovia—Pernambuco 1911. 92927
schmaler, als auf der Monacokarte angegeben. Fünf aufeinanderfolgende Lotungen,
die schon auf der Schwelle liegen sollten, ergaben eine. Tiefe von über 4000 m,
gehören also noch mit zur Nordafrikanischen Mulde. Auf der Schwelle selbst
wurde als geringste Tiefe 2344 m :angelotet. Die letzte Lotung am südwestlichen
Rande der Schwelle ergab 3749 m; die nächste, in noch nicht 30 Sm Entfernung
davon, erwies schon eine Tiefe von 5285 m, so daß hier ein Steilabfall von über
1500 m vorliegt. Auch die folgenden vier Lotungen fielen noch in über 5000 m
Tiefe; die Schwelle erstreckt sich also auch hier nicht so weit nach SW, wie auf
der Monacokarte verzeichnet ist, vielmehr scheint die Brasilianische Mulde noch
eine Ausbuchtung nach NW bis etwa 2° S-Br. und 29° W-Lg. zu entsenden, so
daß der Kabeldampfer „Stephan“ gerade noch ihren äußersten Rand an-
geschnitten hätte, Charakteristisch sind hierfür auch die noch anzuführenden
Bodenwassertemperaturen. Vom Rand der Brasilianischen Mulde bis zum Sockel
von Fernando Noronha schwanken die Ergebnisse der ausgeführten Lotungen
zwischen 4298 und 4791 m. Südlich von Fernando Noronha fanden sich Tiefen
von 4300 m bis 4500 m. Die Isobathen für 4000 und 3000 m am Schelfrand des
Südamerikanischen Kontinentes rücken nach den Lotungen näher an den Kontinent
heran, als bisher angegeben war.
Die Bodentemperaturen, wenn auch nicht mit einem modernen Richterschen
Kippthermometer gemessen, stimmen sehr gut mit der Schottschen Karte über
die Bodentemperaturen im Valdiviawerk, Bd.I, Atlas, Taf. 22 (Jena 1902) überein,
In der ganzen Nordafrikanischen Mulde in Tiefen von mehr als 3600 m fand
sich nach den Messungen des „Stephan“ eine Temperatur von 2.5°, Auf der
Atlantischen Schwelle in 3347 m stieg die Temperatur auf 2.86°, Am NW-Rand
der Brasilianischen Mulde fiel die Temperatur bei 5285 und 4956 m auf 0.83°.
Diese niedrige, der Brasilianischen Mulde eigentümliche Temperatur dürfte ein
Beweis dafür sein, daß die angeloteten Stellen nicht unabhängige lokale Ver-
tiefungen, sondern mit der Brasilianischen Mulde zusammengehörig sind. Zwischen
der Brasilianischen Mulde und Fernando Noronha betrug die Temperatur in
4535 m 1.11°. In der näheren Umgebung von Fernando Noronha steigt die
Temperatur von 1.11° bei 4462 m auf 2.78° bei 2688 m. Südlich von Fernando
Noronha schon nahe der Festlandsküste wurde bei 4535 m 1.25° gemessen, bei
3054 m 2.91°. In der Nähe der Küste scheint also das wärmere Wasser in etwas
orößere Tiefen zu reichen. Rd,
Elementare Theorie der Gezeiten;
nebst den Gezeitenkonstanten der wichtigsten Orte des Indischen
Archipels und anderer Hafenplätze,
Von Dr. JS. P, van der Stok.
Übersetzt von Prof. Dr. E. Herrmann.
In »Mededeelingen en Verhandelingen. 8.« des Kön, Niederländischen Meteoro-
jogischen Instituts veröffentlicht der Abteilungsdirektor Herr Dr. J. P. van der Stok
unter dem Titel »Elementaire Theorie der Getijden. Getijkonstanten in den In-
dischen Archipel« seine neueste Bearbeitung der verwickelten Gezeitenverhältnisse
der niederländisch-indischen Gewässer. Dabei nimmt er Veranlassung auf die
Theorie der Gezeiten selbst einzugehen und entwickelt diese Theorie in einer so
einfachen, im folgenden wiedergegebenen Darstellung, wie es das wirkliche
Wesen der Erscheinung nur irgend gestatten dürfte.
Von den Gezeitenkonstanten des Indischen Archipels werden hier am
Schluß nur die der wichtigsten Orte wiedergegeben, diese Angaben aber durch
die Konstanten für Hafenplätze anderer Meeresgebiete erweitert werden.