218 „Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1911.
die Bestimmung der Erdgestalt durch geodätische Messungen folgt. Alle Ableitungen geschehen unter
tunlichster Vermeidung höherer Mathematik, wenngleich dieselbe natürlich in diesen Abschnitten nicht
ganz umgangen werden kann.
Das vierte Kapitel ist dem Erdinnern gewidmet. Dabei wird wiederholt der rein hypothetische
Charakter aller Annahmen über Dichte, Druck, Temperatur und Aggregatzustand des Erdinnern betont.
Gegen die Lord Kelvinsche Abkühlungstheorie werden verschiedene Bedenken erhoben, und besonders
wird auf die noch nicht aufgeklärte Rolle des Radiums im Wärmehaushalt der Erde hingewiesen.
Strutt will sogar den gesamten Wärmeverlust durch Radiumausstrahlung kompensiert wissen, und
noch wahrscheinlicher ist sogar das Wachsen des Wärmevorrats der Erde,
Seismologie, wobei besonders die Erdbebenwellen behandelt werden, und Deformationen folgen.
Bei den letzteren vermissen wir die (Gireensche Tetraedertheorie. die wenigstens hätte gestreift
werden können.
Die acht weiteren Kapitel, ı. h. der größere Teil des Werkes, beschäftigen sich dann mit Ozecano-
graphie, Hydrologie und (iletscherkunde bzw. Eiszeit. Morphologie der Ozeane, Physik und Chemie
des Meerwassers schließen sich eng an die Ausführungen in der Neuauflage von Krümmels Ozeano-
graphie, Bd. I. Bei den Gräben, dem Gasgehalt des Meeres und der allgemeinen Zirkulation wird die
neueste Literatur (Arbeiten der »Planet«-Expedition) noch nicht berücksichtigt; gleichfalls nicht bei der
Verdunstung, bei der anderseits wieder die zur Verdunstung zur Verfügung stehenden Wärmemengen
berechnet und diskutiert werden. Die (jeschwindigkeit der Tiefenströmung, welche Schott auf maximal
0.7 mm pro Sekunde, Forch auf 0.1 mm schätzt, hat Verfasser nach einer Gleichung Poissons,
welche die Wärmefortpflanzung in einer Flüssigkeit unter gleichzeitiger Berücksichtigung der Leitung
and Konvektion ausdrückt, auf nur 0.0036 mm für eine Tiefe von 2 bis 3 km berechnet. Dieser Wert
paßt zu dem auf andere Weise gewonnenen Thouletschen,
In dem Kapitel Wellen haben wir eine eingehende Behandlung der Trochoidalwellen
(terstners und der Helmholtzschen Theorie, desgleichen interessante und bisher wenig bekannte
Ausführungen über die Bebenwellen nach der Katastrophe von Messina. Weitere Angaben über die
Dimensionen der Meereswellen fußen fast nur auf Päris, Schotts Arbeit in der Richthofen-Festschrift
und Petermanns Mitteilungen, Ergänzungsheft, ist scheinbar übersehen. Stehende Schwingungen und
Gezeiten finden in je einem Kapitel ihre ınathematische Ableitung und Besprechung, worauf verhältnis-
mäßig kurz die Strömungen, und zwar als Dichte und Windströmungen und beeinflußt durch die Erd-
rotation folgen. Der Frage, ob hydrodynamische Gleichungen überhaupt auf Strömungen anwendbar
sind, steht Verfasser skeptisch gegenüber, Die Ableitung der Bewegung in Flußbetten und ihre
Diskussion bilden das zwölfte Kapitel, in dem dann auf Grund der Energie der Flüsse die abtragende
und ablagernde Tätigkeit behandelt wird. Zum Schluß folgen auf den letzten 70 Seiten Eis, Gletscher
and Eiszeit, Vieles schließt sich dabei eng an Hess »Die Giletscher«, doch ist auch manches neu
hineinverarbeitet. In der Kritik der zur Erklärung der Eiszeit von Arrhenius aufgestellten Kohlen-
säuretheorie tritt Verfasser den Einwänden Kroghs bei und weist nachdrücklich auf die Rolle hin,
die das Meer als Regulator im Kohlensäuregehalt der Atmosphäre spielt.
Die Textskizzen sind einfach und übersichtlich, die gutgewählten Abbildungen teilweise hervor-
ragend, Dagegen wäre bei Hinweisen oft mehr als bloße Angabe des Namens im Text erwünscht. Der
Wert des Buches als Nachschlagewerk würde dadurch schr gesteigert. R. Lütgens.
B. Neueste Erscheinungen im Bereich der Seefahrt- und der Meereskunde
sowie auf verwandten Gebieten.
a. Werke.
Witterungskunde.
Sicberg. A.: Wetterbüchlein. Eine erste Einführung in die atmosphär. Vorgänge. ®.
104 S. m. Abbildgn., Kartenskizz. u. 1 Taf. Stuttgart 1911. Franckh. 1.00 4
Meeres- und Gewässerkunde.,
Krümmel, 0.: Handbuch der Ozeanographie, 2. (Schluß) Bd. Die Bewegyungsformen des
Meeres (Wellen, Gezeiten, Strömungen). 2. Aufl. 8°, XVII, 766 8. m. 3 Tab. Stuttgart 1911.
J. Engelhorn, 32.00.46
Grassmann, H. u. Engel, F.: 7heorie der Ebbe u. Flut. Prüfungsarbeiten 1840 und Ab-
handl. zur mathemat. Physik. 8°, V, 353 8, m. 16 Fig. (Bd. II, Tl. 1 aus Grassmann’s
gesammelte mathemat. u. physikal. Werke). Leipzig 1911. B. G. Teubner. 18.00 „C
Hochwassermeldeordnung für die Oder und ihre Nebenflüsse. 2. Ausg. VII Nachtrag. 8.
168. Breslau 1911. W. G. Korn. 0.25 46
Reisen und Expeditionen.
Ergebnisse, zoologische, der schwedischen Expedition nach Spitzbergen 1908 unter Leitung
v. G. de Geer. Eine Untersuchung üb. die Bodenfauna des Eisfjords nebst einer Über-
sicht üb. d. Plankton u. die hydrograph. Verhältnisse, red. von N. v. Hofsten u. S. Bock.
[. Teil. Hydrographie u. Plankton, (Aus: »Kungel, svenska Vetenskaps Akad. Hanıdlingar«.)
Fol. 6415, m. Fig. u. 1 Karte. Berlin 1910. R. Friedländer & Sohn. 3.30 „16
Südpolar-Erpedition, deutsche, 1901—1903. Im Auftr. des Reichsamtes des Innern hrsg. v.
E. v. Drygalski. Fol. Berlin 1911. G. Reimer, Bd. III, Hft. 2.: Meinardus, W.:
Meteorologische Ergebnisse der Winterstation des »Gauß« 1902—03. (Fortsetz.) m. Taf,
XIV —XVYI u. 2 Abbildgen. im Text. Xubskr.-Pr. 21.50 „46