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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 39 (1911)

Kleinere Mitteilungen. 
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Schiff, welches stark rollte und viel Wasser übernahm, zu stützen und Steuer- 
fähigkeit zu erreichen, Letztere wurde jedoch nicht erzielt, sondern das Schiff 
blieb quer in Wind und See liegen, zumal letztere am 29. und 30. zunahmen. 
Wir versuchten täglich durch die verschiedensten Segelmanöver auf südöstlichem 
Kurse zu kommen, da ein Beibehalten des nördlichen Kurses und der westlichen 
Drift uns aus dem Bereich der Dampfschiffslinien gebracht hätte.« ; 
Die an diesen und den nächsten Tagen gemachten Kurse und Distanzen 
und die notierten Windrichtungen und -stärken sind nach dem Tagebuch. der 
»Cheruskia« folgende: 
Datum 
29. Oktober 
30. « 
31. « 
1. Novem ber] 
Kurs 
| Distanz 
Wind [| Stärke 
See 
S530W | 21 NO 5 NO | 4 
3560 W 32 ONO | 5—7 NO 5 
N 820 W 35 O0 22226—5 | O0 005 
sS320W © 5 0—N | 4_2 NO | 4 
Hieraus ist ersichtlich, daß das steuerlose Schiff von den starken östlichen 
Winden in WSW-Richtung um ein Beträchtliches versetzt wurde. Je länger der 
Wind anhielt, desto mehr Versetzung hat das Schiff gehabt. Nimmt man an, 
daß der keine Fahrt in der Kielrichtung machende Dampfer am 31. Oktober bei 
Windstärke 6 bis 5 im Etmal 20 Sm durch den Wind seitwärts getrieben wurde, 
so kommen noch 15 Sm auf Rechnung der durch den Wind erzeugten Drift, 
Als am 1. der Wind abnahm und mehr nördlich holte, hatte die westliche Ver- 
setzung ihr Ende. Aus der astronomischen Berechnung des Schiffsorts desselben 
Tages ergab sich, daß man im letzten Etmal nur 5 Sm in SW-licher Richtung 
versetzt worden war. Im ganzen wurde die »Cheruskia« durch die starken 
Winde vom 29. Oktober bis zum 1. November nach 34.4° Br. und 50,5° W-Lg. 
versetzt, somit die Absicht des Kapitäns im Bereich der Dampferwege zu bleiben, 
teilweise erfüllt. 
Der Bericht des Herrn Kapt. Sacher fährt dann, wie folgt, fort: »Nach- 
dem es in der Nacht zum 1. November abgeflaut und still geworden war, kam 
gegen Morgen leichter WNW-Wind durch und da sich die See schnell gelegt 
hatte, gelang es nach mehreren vergeblichen Versuchen, das Schiff herum zu 
halsen, 4b N sichteten wir den um 5% längsseite kommenden italienischen Dampfer 
Mira aus Genua, nach Philadelphia bestimmt.. Auf die Anfrage, ob er uns 
Schleppen wolle, antwortete er „unmöglich“, Die Signale „melden Sie mich tele- 
graphisch in Hamburg, St. Thomas oder einem passierenden Dampfer, habe die 
Schraube verloren“ wurden verstanden, hierauf dampfte er weiter. Auf 34° 23’ N-Br. 
und 50° 19’ W-Lg. um 1% 20min V sichteten wir den englischen Dampfer „Catalina“ 
aus Newcastle nach Havanna bestimmt und traten mit ihm 2b 30" durch Morse- 
signale in Verbindung, Auf die Aufrage, ob er uns schleppen wolle, antwortete 
er „Ich will Sie nach Bermuda schleppen“. Dann fragte er ob wir einen Schlepper 
hätten und teilten wir ihm mit „einen nicht sehr guten“, worauf er trotzdem 
sagte „Ich will Sie schleppen“. Hierauf blieb er achteraus und ignorierte. unsere 
weiteren Fragen, so daß wir. aunnahmen, er habe einen sehr guten Schlepper. 
8h V kam er wieder längsseite gedampft, setzte ein Boot aus und brachte eine 
Leine an Bord, um unseren Schlepper zu nehmen, da der seinige nichts tauge. 
Nachdem die Verbindung um 11% hergestellt, scheerte der Dampfer etwas aus 
und die Trosse brach, ehe er ans Schleppen kam. Seine Absicht, uns nur in der 
Ankerkette zu schleppen, wurde hierauf abgewiesen, worauf er weiter dampfte 
mit dem Versprechen, uns zu melden, 
‚Durch die verschiedenen Manöver hatte sich gezeigt und auch in der 
Folge bestätigt, daß das Schiff bei stärkerem Wind und entsprechender See ganz 
manövrierunfähig und ganz aufs Treiben angewiesen war, während es bei den 
leichtesten Winden und ruhiger See dem Ruder folgte und auf dem Kurs zu 
halten war. Ich beschloß daher Kurs zu steuern und nach den westindischen 
Dampferlinien zu halten, um einen unserer heimkehrenden Dampfer zu treffen, 
zumal Witterungs- und Stromverhältnisse, auch bei einer Ansteuerung von
	        
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