accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 39 (1911)

206 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1911. 
ist durchgängig mit großem Erfolg ausgeführt worden, so daß der Hafen immer 
von Dampfern, nötigenfalls unter Assistenz von Eisbrechern, erreicht worden ist. 
Das Eis im Kriegshafen und in der westlichen Einfahrt zum östlichen Bosporus, 
wie auch in der Amur-Bucht, wird nicht zerbrochen. Hier dient die feste Eis- 
decke vielmehr als Verkehrsstraße zwischen den gegenüberliegenden Ufern. 
Vielfach wird im Winter die ganze Küste von Treibeismassen besäumt, 
die sich unter Umständen bei südöstlichen Winden auch festsetzen, bei nordwest- 
lichen Winden dagegen abtreiben. 
Hafenanlagen. Es sind zwei steinerne Kais als Landungsanlagen vorhanden, 
von denen der eine für den Export, der andere für den Import dient, Außerdem 
sind noch Landungsbrücken vorhanden für besondere Zwecke, darunter eine für 
die Russisch-Freiwillige Flotte. D. »Dorothea Rickmers« löschte seine Ladung 
am Import-Kai mit eigenem Ladegeschirr. Alle großen Seeschiffe löschen oder 
laden am Kai. Um dahin zu gelangen, ist die Hilfe eines Hafenlotsen und viel- 
fach auch die Assistenz eines kleinen Dampfers notwendig, 
Hafenunkosten. Tonnengeld 20 Kopeken per R-T. netto; Kaigeld per Woche 
50 Rubel für Schiffe von 60 bis 90 m Länge, 57 Rubel für Schiffe von 90 bis 
105m Länge und für weitere je 15 m Schiffslänge 7 Rubel mehr. Eine sogenannte 
Pudabgabe von !/, bis 1!/, Kopeke per Pud von den gelöschten oder geladenen 
Gütern je nach Art der Ware wird von der Ladung erhoben. Kapitän Thode 
hatte mit der »Dorothea Rickmers« insgesamt 2700 Rubel Unkosten, einschließlich 
Stauer- und Schiffshändlerrechnungen. Er löschte in Wladiwostok 3263 t Stückgüter. 
Reparaturen. Es sind mehrere Trocken- und Schwimmdocks vorhanden. Das 
größte hat eine nutzbare Länge von 189 m und 9,3 m Wassertiefe, Alle Arten 
von Reparaturen sind ausführbar, sowohl an Schiffen wie an Kesseln und Maschinen, 
Die Stadt Wladiwostok liegt an der Nordseite des Goldenen Horns, Sie 
wurde im Jahre 1860 nach der Besitzergreifung durch Rußland gegründet und 
hatte am 31. Dezember 1908 etwa 85000 Einwohner, Sie ist Sitz vieler Behörden 
und hat eine starke Garnison, sowohl von Landtruppen wie Marine, In der Stadt 
gibt es, wie in allen russischen Städten, verhältnismäßig viele Kirchen, Auch 
sind viele Lehranstalten und wissenschaftliche Vereinigungen vorhanden. Die 
industrielle und gewerbliche Tätigkeit ist nicht bedeutend. Am Handel ist der 
deutsche Anteil hervorragend, 
Als Haupthandelsplatz des russischen Besitzes in Ostasien ist auf Eisen- 
bahnverbindung mit fernen Orten Bedacht genommen. Es besteht Bahnver- 
bindung mit Chabarowsk am Amur, mit Europa und mit China. Die Expreß- 
und Postzüge von Wladiwostok durch Sibirien bieten die schnellste Beförderungs- 
gelegenheit nach Europa. Telegraphische Verbindung besteht über Land mit 
allen Teilen der Erde und mittels Kabel mit Japan. Auch eine Funkspruchstation 
von 800 Sm Reichweite befindet sich am Orte, 
Handelsverkehr. Der Schiffsverkehr im Jahre 1908 betrug eingehend 
insgesamt 573 Schiffe mit 761188 R-T. netto. Außer kleinen japanischen Küsten- 
fahrzeugen waren es sämtlich Dampfer. Nach Flaggen geordnet waren an dem 
Verkehr beteiligt: 
Flarze 
Deutschland .... . 
‚Japan. ........ 
Rußland ....... 
Norwegen .. ; 
Anzahl - R-T. netto 
188 236.207 
55 189 991 
95 ; 176723 
56 51 666 
Flagge 
(}roßbritannien. . 
Korea .....0.040. 
China +... 0.0.0000. 
Frankreich ..... 
Anzahl 
R-T. netto 
34 62 572 
33 ; 30 545 
H 9 060 
1 4 424 
Hierbei ist jedoch zu bemerken, daß in diesem Jahre für die subventionierten 
regelmäßigen Linien Wladiwostok — Shanghai und Wladiwostok — Tsuruga drei 
deutsche Dampfer von der Russisch-Freiwilligen Flotte gechartert waren, die 
80mal den Hafen anliefen.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.