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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1911.
Wladiwostok.
Nach Konsulats-Fragebogen Nr. 3436 vom Juli 1904; nach Fragebogen Nr. 3029 des Kapt. A. Lohr-
engel, D. »Bianca«, vom Juni 1903; Nr. 3157 des II, Offiziers P. Vollrath, D. »Kowloon«, vom
Dezember 1903; Nr. 4137 des Kapt. W. Rosendahl, D. »Mara Kolbe, vom Juni 1906; Nr. 5164 des
Kapt. W. Thode, D. »Dorothea Rickmers«, vom September 1910. Ergänzt aus älteren deutschen,
sowie englischen und amerikanischen Quellen. Brit, Adm-Krt. Nr. 2432, Tumen Ula to Strelok Bay.
including Peter the Gireat Bay; Nr. 511. Trinity Bay to the Eastern Bosporus, including Amur Bay;
Nr. 1011, Eastern Bosporus Strait with Vladivostok Harbour. Letzte Veröffentlichung: »Der Pilote«
Bd. II, 1903, 8. 83 und 157.
Wladiwostok, der bedeutendste Kriegs- und Handelshafen Rußlands in
Ostasien, liegt an der Ostseite des Japanischen Meeres im südlichen Teile der
Küstenprovinz auf dem südwestlichen Ende einer Halbinsel, die sich zwischen
der Amur-Bucht im Westen und der Ussuri-Bucht im Osten in die Bucht Peter
des Großen erstreckt. Die geographische Lage des Beobachtungspunktes im
Garten des Hafenkapitäns ist 43° 6’ 51” N-Br. und 131° 53’ 22” O-Lg. Die Miß-
weisung für das Jahr 1910 beträgt etwa 7.1° W, die jährliche Zunahme ungefähr 2’.
Allgemeines. Der südlichste Teil der russisch-ostasiatischen Küstenprovinz
ist buchtenreich, im Gegensatz zu der übrigen Küstenstrecke dieser Provinz, die
fast ganz ohne größere Buchten ist. Besonders die Bucht Peter des Großen
bildet mit ihren Verzweigungen weit in das Land einschneidende Gewässer, die
von großem Werte für die Schiffahrt sind. Die Küsten sind hier durchgängig
hoch und bilden gute, weithin sichtbare Landmarken. Auch die vielen Inseln
und Halbinseln sind meistens hoch und bieten für die Navigierung gute Anhalts-
punkte. Die Wassertiefen in allen diesen Gewässern sind allgemein derartig, daß
sie nötigenfalls überall das Ankern gestatten, andererseits aber auch groß genug,
um Schiffe nicht zu gefährden. Riffe und Untiefen gibt es nur in der Nähe der
Küsten oder Inseln, so daß die Navigierung dadurch wenig behindert wird.
Nach Wladiwostok kann man sowohl auf dem Wege längs der Küste und
durch die Amur-Bucht, wie durch die Ussuri-Bucht gelangen, doch ist der letztere
Weg der gebräuchlichere.
Während des Sommers herrschen an dieser Küste südöstliche Seewinde,
während des Winters Landwinde aus nördlicher Richtung vor, Der Frühling
schließt sich mehr dem Sommer, der Herbst mehr dem Winter an, doch über-
wiegen im März noch die nördlichen Winde erheblich. Im Sommer ist klares
Wetter selten, Regen und Nebel aber häufig, der Winter bringt dagegen über-
wiegend wolkenloses Wetter und nur vereinzelt Schneestürme, Die mittlere
Jahrestemperatur beträgt nur 4.6° C.; die mittlere Temperatur im Januar beträgt
—15°C. An einzelnen Sommertagen übersteigt die Temperatur bei klarem
Himmel 30°C. Der Hafen von Wladiwostok war früher durchschnittlich jährlich
100 Tage, von Anfang Januar bis Ende April, durch Eis gesperrt, seit einer
Reihe von Jahren wird jedoch durch Eisbrecher erfolgreich eine Rinne für den
Dampferverkehr offen gehalten, und zwar für den Weg von der Insel Askold
durch die Ussuri-Bucht und den östlichen Bosporus.
Landmarken. Für die Ansteuerung des östlichen Bosporus von Westen
her kommt zunächst in Betracht das Kap Gamowa mit dem in der Nähe befind-
lichen etwa 550 m hohen Berg Tumau, das die Bucht Peter des Großen im
Westen begrenzt. Das Kap selbst wie auch die westlich davon liegende Babkin-
Huk zeigen steil abfallende, felsige Küstenabhänge. In der Nähe des Abhanges
steht der 14.6 m hohe weiße Leuchtturm mit dem Wärtergebäude, Die für den
Weg weiter in Betracht kommenden Inseln sind durchgängig hoch. Rimskago
Korsakof (Peles Island) hat zwei Gipfel, von denen der höchste etwa 200 m hoch
ist. Die nahe zusammenliegenden Inseln Durnovo, Hildebrandt und Dalevron
(Delivron) sind je etwa 30 m hoch. Stennin oder Redcliffe ist etwa 160 m hoch
und stark bewaldet. Für die Ansteuerung vom Süden oder Osten her kommt
vor allen Dingen die 359 m hohe Insel Askold mit ihrem Leuchtturm und Leucht-
feuer in Betracht. Auch die Küste an der Nordseite der Askold-Straße und an
der Ostseite der Ussuri-Bucht bilden durch Form und Höhe gute Landmarken.
An der Osteinfahrt zum östlichen Bosporus bilden die vorspringenden Küsten-