Schulz, B.: Die Strömungen und die Temperaturverhältnisse des Stillen Ozeans usw. 187
Da die Niederschlagsverhältnisse der Stationen am Ochotskischen Meere
ebenso wie die Winde jahreszeitlichen Wechsel zeigen, rechnet Woeikoff?) die
Küste bis 60° N-Br. zum asiatischen Monsungebiet., Gleichen Unterschied der
vorherrschenden Windrichtung des Sommers und Winters zeigt aber auch noch
Nowo Mariinsk, von welcher Station jetzt die Beobachtungen mehrerer Jahre
vorliegen, Außerdem tritt dort deutlicher Gegensatz in den Regenverhältnissen
des Sommers und Winters auf, Von Juli bis September fallen 58%,, von Januar
bis März nur 89%, des jährlichen Niederschlages.
Niederschlag in mm | I H mn IV ] V | VI | vr van) IX X | XI | XII
—
! i |
Nowo Marlinsk, 67 49| 44! 40| 9.6 | 19.0) 38,3 | 49.1) 30.0| 166 72 | 10.2
(64° 45’ N-Br., 177° 53’ O-Le.)
Es läßt sich demnach auch die Westküste des nördlichen Bering-Meeres
zum asiatischen Monsungebiet rechnen, dieses sich also bis fast an den nördlichen
Polarkreis ausdehnen.®)
Zwischen dieser von sommerlichen SO-Winden beherrschten asiatischen
Küste des Bering-Meeres und der amerikanischen besteht ein bemerkenswerter
Unterschied. Die im Sommer stärkere Erwärmung Alaskas als der benachbarten
Meeresgebiete führt zur Bildung niedrigeren. Drucks, durch den die Winde des
östlichen Bering-Meeres sich beeinflußt zeigen. Südwestliche Winde herrschen
hier vor,°) auch in Ikogmut*) und St. Michael°) im Gebiet der Ostküste, Weiter
nördlich in der Nähe der Bering-Straße®) gehen sie in west- bis nordwestliche
Winde über.
Zwischen diesen beiden Windgebieten, dem alaskischen und ostsibirischen,
erstreckt sich nordsüdlich über das Bering-Meer eine Zone mit veränderlichen
Winden und häufigen Windstillen. In St. Paul (Pribiloff-Inseln) 7’) überwiegen im
Juni NO- und NW-, im Juli SW-Winde, während im August keine ausgesprochene
Windrichtung vorhanden ist. Im Fünfgradfeld 60° bis 65° N-Br., 170° bis 175° W-Lg.°)
Jäßt sich ebenfalls keine vorherrschende Windrichtung feststellen, dagegen treten
Stillen mit 25%, in auffallender Menge auf, Die »Vega«-Expedition verzeichnet
in Pittlekaj®) ungefähr gleichviel Winde aus südlichen wie nördlichen Richtungen,
Es liefert demnach das vorliegende Material eine Bestätigung der Auf-
fassung Dalls,!®) daß sich während der Sommermonate zwischen dem alaskischen
und ostsibirischen Auflockerungsgebiet ein niedriger Rücken höheren Drucks be-
findet, der, sich von den mittleren Aleuten über die Pribiloff-Inseln und den Ostzipfel
der Tschuktschen-Halbinsel erstreckend, beide Windgebiete voneinander trennt.
Auf dem offenen Ozean treten Östlich des Monsungebietes S-, SW- und
W-Winde mehr hervor, bis von.etwa 140° W-Lg. an NW- und N-Winde über-
wiegen. Nördlich etwa 50° N-Br., im Alaska-Golf, sind SW-Winde in der Überzahl.
In Sitka erreichen die S- bis W-Winde eine Häufigkeit von 62%, im Sommer.!!)
) A, Woeikoff, Klima von Ostasien, Meteorol. Zt. 1870, 5S. 41.
Coffin, The Winds of the Globe. Washington 1876. S. 670.
?) Petropavlovsk, die einzige Station an der Westküste des Bering-Meeres, von der noch mehr-
jährige Beobachtungen vorliegen, zeigt offenbar wegen seiner geschützten Lage an der Avatscha-Bai
andere Verhältnisse. Das ganze Jahr wiegen nördliche Winde vor. (Vgl. Tabelle II, S. 190.)
3) Vgl. Pilot Charts usw. Juni bis August 1910.
‘) J. Hann, Klimatologie, III. Bd. 1897, S. 523.
5 J. Page, Ice and Ice movements in Bering Sea. Washington 1900. 5.8.
*, »Challenger«-Werk. Physics and Chemistry. Vol. 11, S. 191. .
‘) Alaska and Bering Sea Pilot, by J. P. Maclear. Second edition. London 1908, App. I, S. 569.
3) James Page, a. a. O. 8.7.
Ya, a, 0.
0) U. S. Coast’a. Geod. Surv. Pacific Coast Pilot Alaska. Part I, Meteorology. Washington
1879. Chart VI— VIII.
11) Meteorol. Zeitschr. 1908, 8. 318.