172 - Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1911.
in großen Zügen widerspiegeln in der Verteilung der Oberflächentemperatur
während desselben Zeitraumes im folgenden Jahre, und zwar entspricht einem
über- (unter-) normalen NO-Passat eine negative (positive) Temperaturabweichung
ginem über- (unter-) normalen SO-Passat eine positive (negative) Temperatur-
abweichung. Als Beispiel seien hier die graphischen Darstellungen einer solchen
Tafel (mit Ausnahme der Temperaturverteilung) wiedergegeben (s. Taf. 13).
Es ist bemerkenswert, daß diese Beziehung noch so deutlich zutage tritt,
wie es die graphische Darstellung tatsächlich zeigt, trotzdem für die Temperatur-
verhältnisse noch andere Einflüsse sich geltend machen: der Grönland- und der
Labradorstrom, sowie die wechselnde Stärke und Beständigkeit der westlichen
Winde im Nordatlantischen Ozean, die ja die Bewegung des Golfstromes in diesen
Gegenden maßgebend bestimmen.
Die zweite Abhandlung:
Klimatologische Tabellen für St. Helena nebst einem Bericht über die Aufzeichnungen
des Robinson-Anemographen von 1892 bis 1907 von J. S. Dines
vibt in ihrem ersten Teile die klimatologischen Tabellen dieser mitten im SO-
Passatgebiet gelegenen Insel, auf der schon seit 1840, allerdings mit vielen Unter-
brechungen, meteorologische und magnetische Beobachtungen gemacht worden
sind. Die Hauptstationen waren Longwood, Jamestown und St. Matthews Vicarage,
dazu kommen noch sechs Regenstationen, Die Tabellen, auf die hier nur hin-
gewiesen werden kann, umfassen Luftdruck, Temperatur, Dampfdruck, Wind und
Niederschlag.
Der zweite Teil dieser Arbeit befaßt sich mit einer außerordentlich ein-
gehenden Analyse der Aufzeichnungen eines Robinson-Anemographen, der seit
Februar 1892, mit einer Unterbrechung (wegen Reparatur) von August 1904 bis
Juni 1905, bei St. Matthews Vicarage-Station in etwa 600 m Seehöhe, also noch in
der unteren Passatschicht aufgestellt ist. Die Aufstellung scheint einwandfrei zu
sein; ob das Instrument selbst einwandfrei ist, wird noch zu erörtern sein.
Die tabellarische Verarbeitung der Registrierungen ist in bekannter Weise
vorgenommen, Hand in Hand mit ihr geht eine große Reihe graphischer Dar-
stellungen, die sich zum Teil der Methode der Vektoren bedient und demgemäß
den Wind durch eine Strecke darstellt, deren Länge die Windstärke, deren
Richtung die Windrichtung angibt.
Als erstes werden die einzelnen Jahresmittel des SO-Passats in dieser
Weise zusammengestellt. Es sind nur die Endpunkte der Jahreswerte der Wind-
vektoren dargestellt und durch die Jahreszahlen gekennzeichnet, Die Richtung
der Vektoren ergibt sich aus dem radialen Ordinatensystem, die Länge aus den
konzentrischen Kreisen (s. Taf, 14, Fig. 1).
Es zeigt sich da eine sehr merkwürdige Änderung der Richtung. Dem-
nach wäre der SO-Passat in den Jahren 1892/93 wesentlich östlicher geworden,
dann bis 1898 ziemlich konstant geblieben, bis 1900 wieder östlicher geworden,
um auf diesem Werte bis zur Demontierung des Anemographen zu bleiben. Nach
der Wiederaufstellung ist 1905 die Richtung wieder wesentlich südlicher geworden
(ungefähr wie 1892) und dreht dann bis 1907 wieder etwas nach Osten. Die
Frage, ob dieses Verhalten reell oder einem Instrumentenfehler zuzuschreiben ist,
wird von Dines unentschieden gelassen; Shaw neigt in seinem Vorwort mehr
der Meinung zu, daß diese Schwankung in der Richtung doch reell sein könnte
und führt als immerhin diskutable Erklärung ins Feld, daß sich südlich von
St. Helena in den Jahresisobaren eine ovale geschlossene Isobare befindet, die
durch eine, irgendwie verursachte, Verlagerung in den einzelnen Jahren eine
solche Änderung der mittleren jährlichen Windrichtung herbeiführen könnte.
Die endgültige Entscheidung werden aber erst spätere, genau kontrollierte Auf-
zeichnungen geben können, die Ausschaltung eines etwaigen unerkannten Instru-
mentenfehlers sollte durch Aufstellung eines zweiten, neueren Registrierinstruments
gewährleistet werden.
Es folgt eine Zusammenstellung des mittleren jährlichen Ganges von
Windstärke und Richtung nach Monatswerten (s. Taf. 14, Fig, 2).