150 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1911.
Wegen des in der Frühe aufsteigenden Nebels begebe man sich früh auf den
Weg zur Einfahrt. Bei Nebel, der im Sommer recht häufig auftritt, ist die An-
steuerung ganz bedeutend erschwert. Hat man in längerer Zeit keine Peilung von
Land gehabt, so navigiere man äußerst vorsichtig, da das Lot keinen Anhalt gibt.
Man versuche, in die Hörweite des mit großer Genauigkeit arbeitenden Nebel-
signals von Kap Nikolajewsk zu kommen. Signale werden alle 5 Minuten gegeben;
sobald jedoch der Wärter den Ton einer Dampfpfeife hört, gibt er die Signale
häufiger. Diese sind weithin vernehmbar und durchaus zuverlässig (nach dem
Verzeichnis der Leuchtfeuer aller Meere 1911 werden die Signale alle 1 bis
2 Minuten gegeben). Wenn man nahe genug heran fährt, kann man den Abstand
davon feststellen. Man nehme dann den Kurs auf die weiße Bake auf der
Menschikoff-Huk, steuere aber mit äußerster Vorsicht und unter beständigem
Loten an dieselbe heran. Plötzlich wird man einige Schiffslängen vor sich
Brandung sehen, worauf man stoppt, rückwärts geht und so allmählich näher
treibt, bis man die niedrige schwarze Küste durchschimmern sieht. Nun steuert
man etwas südlich und in den Hafen hinein, Niemals steuere man bei nebligem
Wetter die Südseite der Einfahrt an, da hier verschiedene kleine Klippen liegen,
Ich habe selbst im dichtesten Nebel die weiße Bake angesteuert und bin dann
in ungefähr einer Schiffslänge Abstand vom Lande längs der Küste nach Süden
gelaufen und dann in die Einfahrt hinein. Nach Passieren der Einfahrt führt
südwestlicher Kurs überall gut frei vom Lande nach dem Ankerplatz vor der
Niederlassung der Oriental Timber Corporation.
Beim Auslaufen hatte ich beide Male klares Wetter und blieb daher nahe
der Südseite der Einfahrt.«
Auch nach Kapt. W. Rosendahl vom D. »Mara Kolb« sind die Karten
dieser Gegend sehr ungenau; er sah verschiedentlich Schiffe auf dem Strande
an Stellen, wo man nach der Karte bis dicht unter die Küste laufen kann. So
saß auf der Strecke zwischen der Icha- und der Uspeniya-Huk (48° 15’ und
48° 20’ N-Br.) ein Dampfer in mindestens 1 Sm Abstand vom Lande fest; es ist
deshalb hier geboten, wenigstens 11/, Sm von der Küste entfernt zu bleiben.
Leuchtfeuer. Siehe »Leuchtfeuer aller Meere« 1911, Heft VIII, Tit. XI,
Nr. 2651,
Lotsenwesen. Der Leuchtturmwärter vom Kap Nikolajewsk ist jederzeit
bereit, Schiffe in den Hafen zu lotsen; Vergütung nach Übereinkunft,
Zoll. Alle Schiffe, die einen Hafen an dieser Küste anlaufen zum Laden
dder Löschen, müssen, mit Ausnahme der nach Nikolajewsk bestimmten, in
Wladiwostok klarieren. Kapt. A. Bruhn klarierte in Wladiwostok ein für den
Imperial-Hafen, bezahlte daselbst Tonnengelder, und klarierte zugleich für eine
volle Ladung Holz aus, ohne, nachdem er im Imperial-Hafen beladen war, wieder
Wladiwostok anzulaufen.
Gezeiten. Die Hafenzeit für den Imperial-Hafen ist 10% 0min der Tidenhub
beträgt 0.9 bis 1.2 m. Die Gezeitenströme im Hafen sind schwach, nur an den
Flußmündungen setzt der Ebbstrom manchmal mit 1 Sm Geschwindigkeit in der
Stunde. Nach Kapt. A. Bruhn ist der Strom überall sehr gering und richtet
sich vielfach nach dem Winde. Auf dem Ankerplatz vor der Niederlassung der
Oriental Timber Corporation setzt der Flutstrom nach SW, der Ebbstrom nach
NO.. Bei länger anhaltendem Nordostwinde ist beim Ankerplatz das Wasser an
der Oberfläche frisch.
Eis. Von etwa Ende November bis April ist der Hafen zugefroren,
Nebel. Während der Monate Mai, Juni und Juli ist nahezu andauernd
dichter Nebel, der die Navigierung sehr erschwert und ständig zur größten Vor-
sicht mahnt. Während auf See dichter Nebel herrscht, ist es innerhalb der
Hafeneinfahrt oftmals vollständig sichtig.
Der Gesundheitszustand unter den russischen Arbeitern war während
der Anwesenheit von Kapt. A. Bruhn gut.
Ankerplatz im Hafen. Schiffe können in irgend einem Arm der Bucht
ankern, auf 9.1 bis 22 m Wassertiefe über Schlickgrund. H.M.5S. »Audacious«
ankerte im östlichen Arm auf 18 m Wasser, von wo Kap Princess Alexandra