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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 39 (1911)

Zufluchtsstellen für Schiffbrüchige in der Umgebung von.Kap Horn. 147 
Island,. Le Maire-Straße, Beagle-Kanal bis zum westlichen Ausgang, dann um die 
Brecknock-Halbinsel wieder in die Magellan-Straße, macht: Von diesem Dampfer, 
der »Piedra Benna« heißt und von einem höheren argentinischen Marineoffizier 
befehligt.. wird, wurden auch ich und die Boote, die sich bis Harberton hin- 
gearbeitet hatten, aufgenommen, Dieser Dampfer sucht auf seiner Rundfahrt 
jedesmal nach Schiffbrüchigen, und er hat in den letzten 1'/, Jahren vier Schiffs- 
mannschaften gerettet, darunter drei von deutschen Schiffen. 
Meine Boote hielten sich meiner Anweisung gemäß immer unter der Küste 
von Feuerland, und flüchteten abends oder bei stürmischem Wetter in: kleine 
sichere Buchten. Hier wurden die Boote sicher vertäut, ein aus Bootsegeln ge- 
machtes. Zelt aufgeschlagen und Feuer gemacht. So verblieben wir dort, bis das 
Wetter es gestattete, weiter zu fahren. Es wurden wohl einige Indianer gesehen, 
doch erschienen dieselben harmlos, denn ‚sie flüchteten in ihren Kanuen über 
den Beagle-Kanal, 
Ein sehr geschützter Naturhafen befindet sich an der Nordseite von Pieton 
Island, der den Namen Banner Cove führt. Dieser. südöstlich von Harberton 
gelegene Hafen bietet für Schiffe, Boote und Mannschaften hinreichend Schutz, 
Hat man Schußwaffen zur Verfügung, so ist ein längeres Verweilen dort möglich, 
da an Wasser und Tieren kein Mangel ist. In dieser Bucht fand ich, als ich auf 
der Suche nach meinen Booten und der Mannschaft war, welche »Schulau« vor 
mir verlassen hatten, auf einem Felsen folgende Inschrift: »Dig below. We are 
going to Spaniard harbour, 24%. march 1854«, Herr Bridges in Harberton, 
der Sohn des früher dort ansässigen Missionars, erklärte mir, als wir mit der 
„Piedra Benna« dort anlegten, um Ochsen für Ushuwaia an Bord zu nehmen, daß 
jene Inschrift von einem Freunde seines Vaters herrühre, der dort in Begleitung 
eines schiffbrüchigen Kapitäns von den Indianern verfolgt wurde. Dieser habe 
jene Nachricht auf Papier geschrieben und bei dem erwähnten Felsen vergraben. 
Die Skelette der beiden Verfolgten sind später in Spaniard Harbour. gefunden 
worden. 
In der Nähe der Westspitze von Pieton. Island befindet sich an der Süd- 
seite der Insel eine geschützte Stelle, die Stone Harbour genannt wird.. Hier ist 
ein größeres Gehöft und der Platz wird daher ebenfalls von Dampfern besucht. 
Herr Bridges in Harberton besitzt meilenweite Ländereien und betreibt 
mit.Hilfe von Indianern, die in seinem Dienst stehen, ausgedehnten Viehhandel., 
Er erklärte mir, daß die Anzahl sämtlicher auf Feuerland ansässigen Indianer 
nur noch ungefähr 225 Köpfe betrage, und daß sie infolge von Schwindsucht im 
Aussterben seien. Die von mir angetroffenen sprachen ein gebrochenes Spanisch, 
waren sehr naiv und verbargen vor allen Dingen ihre Weiber. Herr Bridges 
besitzt außer einigen Kuttern auch eine kleine Dampfbarkasse, die er Schiff- 
brüchigen zur Verfügung stellt, falls dieselben nicht vorziehen, bei ihm zu bleiben, 
bis der nächste Dampfer dort anläuft. . 
In Ushuwaia befindet sich, wie schon erwähnt, keine Missionsstation mehr, 
aber es stehen dort noch die Kapelle und Gebäude auf einer vorspringenden 
Huk. Die Einwohnerzahl von Ushuwaia beträgt ungefähr 700, darunter viele 
Militärgefangene und Verbrecher aus Argentinien, die in zwei Gefängnissen 
untergebracht sind. .Seit Mitte des Jahres 1909 ist dort ebenfalls eine Funk- 
spruchstation vorhanden, die mit Punta Arenas, Dungeness und New Year 
Island in Verbindung steht. Ushuwaia wird öfter auch von größeren Dampfern 
besucht, Unter den dort Ansässigen befindet sich auch ein Deutscher, der die 
Stellung eines Polizeikommissars einnimmt. 
Auf New Island wohnt nur ein Mensch. Erwähnen möchte ich, daß diese 
Insel in den Seekarten um 5 Sm zu westlich angegeben ist. Dieses habe ich 
nach genauen Peilungen festgestellt und es ist mir auch vom Kommandanten 
der »Piedra Benna« bestätigt worden. 
In Anbetracht der rauhen Witterungsverhältnisse, die meistens in dieser 
Gegend angetroffen werden, wäre es für Schiffbrüchige von großem Vorteil, 
wenn sie besser darüber unterrichtet wären, als sie es gewöhnlich sind, wie es 
hier am besten und leichtesten möglich ist, sich in Sicherheit zu bringen. Ebenso 
Q*
	        
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