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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1911.
Zufluchtsstellen für Schiffbrüchige in der Umgebung von Kap Horn.
Bericht des Kapitäns Chr. Johnen, S. »Schulaue, vom Dezember 1910,
Zum Nutzen der Kap Horn umsegelnden Kollegen gestatte ich mir, die
Erfahrungen, die ich infolge des Schiffbruches der »Schulau« gesammelt, der
Deutschen Seewarte zur weiteren Veröffentlichung zu übergeben, da die Angaben
der Segelhandbücher über die in jener Gegend vorhandenen Missionsstationen
nicht mehr zutreffend sind,
Es sei vorweg bemerkt, daß »Schulau« bei schwerem Wetter südlich von
Diego Ramirez teilweise entmastet wurde. Mein erster Entschluß infolge dieses
Unfalles war der, hinter Staten Island zu laufen, um dort in ruhigerem Wasser
notdürftig zu reparieren, Dieses wurde mir jedoch unmöglich gemacht, weil dort
Ostwind einsetzte und das Schiff nur geringe Manövrierfähigkeit besaß, Da das
Schiff auch leck war, so entschloß ich mich, unter die Küste von Feuerland zu
laufen, um wenigstens die Mannschaft mit Sicherheit bergen zu können, indem
ich versuchen wollte, eine der in den Segelanweisungen erwähnten Missions-
stationen zu erreichen. Die Rettung der Mannschaft ist gelungen, das Schiff
strandete jedoch zuletzt an der Küste von New Island,
Von den angeführten Missionsstationen befindet sich keine mehr an den
angegebenen Stellen, weder auf Tekenika,!) deren Missionare vor ungefähr Jahres-
frist ausgewandert sind nach der Ostküste von Patagonien, noch in Succes Bay,
noch in Ushuwaia,®) Auch befindet sich auf Staten Island nur ein menschliches
Wesen, und zwar ein Wächter für dort am Strande liegende Maschinenteile, Es
sollte ein Boot mit Schiffbrüchigen nie versuchen, dort landen zu wollen, da die
Küste überall steil abfällt und nirgends Schutz bietet. Dieses ist mir auch von
Kapitän Schellhaas, der sein Schiff dort im letzten Jahre verloren hat, bestätigt
worden. Ein Meteorologe, der auf der meteorologischen Station auf New Year
Island tätig war, belehrte mich, daß selbst eine Landung auf dieser von 28 Personen
bewohnten Insel nur bei gutem Wetter möglich sei, weil auch diese Insel überall
steil abfällt. Wenig bekannt dürfte es sein, daß sich dort seit kurzer Zeit eine
Funkspruchstelle befindet, die, wie mir gesagt wurde, noch im Laufe des Jahres
1910 als Öffentliche Schiffsmeldestation eingerichtet wird, so daß dort passierende
Schiffe nach Buenos Aires gemeldet werden können.
Im Süden oder Westen von Kap Horn havarierte Schiffe, die ruhiges
Wasser aufsuchen wollen, um die entstandenen Schäden selbst auszubessern,
möchte ich empfehlen, in den Beagle-Kanal zu laufen, anstatt hinter Staten Island.
Bei vielen der bei Kap Horn liegenden Inseln, mit Ausnahme der am südlichsten
gelegenen, sind gute natürliche Häfen vorhanden, in denen im Notfalle ein Schiff
zu Anker gebracht werden kann. Boote mit schiffbrüchiger Mannschaft sollten,
ohne sich länger bei anderen Inseln aufzuhalten, unter allen Umständen ver-
suchen, den Beagle-Kanal und so die Südküste von Feuerland‘ zu erreichen,
welches wohl in den meisten Fällen ohne Schwierigkeit bewerkstelligt werden
kann. Dort wird man in nicht zu langer Zeit einen der dort verkehrenden
kleinen Dampfer antreffen, die der chilenischen und der argentinischen Regierung
gehören.
Sollte es nötig sein, auf einer der Inseln Rast machen zu müssen, so sei
erwähnt, daß fast sämtliche Inseln, wenn auch einige derselben nur von einem
einzigen Menschen, bewohnt sind. Alle diese Bewohner treiben Schafzucht, und
ihre Ansiedelung wird etwa alle zwei Monate von einem der erwähnten kleinen
Dampfer angelaufen, um Schaffelle abzuholen und den dort lebenden Personen
Proviant zu bringen, Die südlich vom Beagle-Kanal liegenden Inseln gehören zu
Chile, und die dort verkehrenden Fahrzeuge sind in Punta Arenas beheimatet,
Die argentinische Regierung hat ein kleines Marine-Fahrzeug im Süden stationiert,
das durchschnittlich alle 1!/, Monate die Rundfahrt Magellan-Straße, New Year
1) Siehe Supplement 1908 zum South America Pilot, Part IT, Chapter I, Page 4 und N. £. 8,
330/10, wo auch bereits Veränderungen der Missionsstationen bekannt gegeben worden sind,
2) Vgl. auch Segelhandbuch für den Atlantischen Ozean, 3. Aufl. S. 390