140 Annalen der Hydrographie und Marıtimen Meteorologie, März 1911.
Steigen begriffen ist, ist nicht auf Abflauen des Windes zu rechnen. Nicht selten
halten die Stürme mehrere Tage hintereinander mit gleicher Stärke an. Zuweilen
erscheinen mehrere Depressionen schnell hintereinander; in diesem Fall findet
in der Regel der Ausgleich der atmosphärischen Störung durch einen länger
andauernden Sturm statt.
Die nachfolgende Darstellung eines Wintersturmes, der allerdings kein
Sandsturm war, in seinem ganzen Verlauf diesem aber sehr ähnelte, ist ein Bei-
spiel der im vorstehenden charakterisierten Erscheinungen.
Der Sturm vom 8. bis 11. November 1910.
Der schwere Sturm, welcher in den Tagen vom 8. bis 11. November 1910
über dem Gelben Meere und den angrenzenden Küstengebieten hauste, ist sowohl
wegen seines überraschenden Auftretens, als auch wegen seiner ungewöhnlich
langen Dauer bemerkenswert. Eine etwas ausführlichere Darstellung, wie in den
vom Observatorium Tsingtau monatlich herausgegebenen Witterungsberichten,
ist daher vielleicht nicht ohne Interesse.
Die Grundlage der nachfolgenden Angaben bilden die vom Observatorium
herausgegebenen täglichen Wetterkarten, welche nach den Telegrammen einer
Reihe von Beobachtungsstationen an der Chinaküste und auf den japanischen
Inseln konstruiert sind. Eine wichtige Ergänzung erfährt dieses Material durch
eine Anzahl von Beobachtungen, welche von in See befindlichen Schiffen an-
zestellt und dem Observatorium zur Verwendung eingereicht sind. Die Wichtigkeit
solcher Beobachtungen auf See, welche den Verlauf der Stürme bis in ihre Einzel-
heiten zu verfolgen gestatten, verdient hier besonders hervorgehoben zu werden.
Der Verlauf des Sturmes ist durch die in verkleinertem Maßstabe bei-
gefügten Wetterkarten (s. Tafel 11), durch eine die Windrichtung und Geschwin-
digkeit in Meter per Sekunde angegebene Tabelle und ein den Gang des Luft-
druckes in Tsingtau darstellendes Diagramm (s. Textfigur) erläutert. Bezüglich der
Karten ist hierbei zu bemerken, daß infolge des sehr weitmaschigen Stationsnetzes
der Verlauf der Isobaren auf größere Genauigkeit keinen Anspruch machen kann.
Barometerkurve in Tsingtau.
Yo U Pa en ef Nov. u A 5 x a
60
55
50
Am 7. November morgens erstreckt sich ein Gebiet höheren Druckes vom
Gelben Meere in nordöstlicher Richtung über Korea und das Japanische Meer.
Der Abfall des Luftdruckes nach W und NW sowie die im Golf von Petschili
herrschenden südlichen Winde kündigen die Annäherung eines Tiefdruckgebietes
aus westlicher Richtung an. Am 8. November bedeckt eine flache Depression
das Mündungsgebiet des Yangtsekiang, Teile der Provinz Kiangsu und des Gelben
Meeres. Sie wird von der Isobare 764 umschlossen; die Luftbewegung in ihrem
Innern ist schwach, im nordwestlichen Quadranten entsprechend der größeren
Steilheit des Gradienten etwas lebhafter, Im Gange des Luftdruckes zeigt sich in
Tsingtau bisher keinerlei Störung, sonstige auffällige Erscheinungen sind nicht zu
bemerken. Mittags holt der Wind unter geringer Zunahme der Geschwindigkeit
auf NO. Die Telegramme aus Tsinanfu und Peking um 2bN lassen jedoch ein
rasches Ansteigen des Luftdruckes über dem Innern erkennen; in Peking hat
der Wind bis Stärke 8 aufgefrischt. Da mit einem schnellen Vordringen des
Hochdruckgebietes nach Süd gerechnet werden mußte, wurde die Wetterlage im
Bereich des Gelben Meeres gefahrdrohend. Es wurde deshalb von dem Observa-
torium zu Tsingtau die Warnung ausgegeben:
‚Sturm bedroht Region 5« (Gelbes Meer, Petschili-Golf und angrenzende Gebiete)
und ferner:
‚Depression im Gelben Meere, bewegt sich nach Ost«