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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 39 (1911)

Staben: Einige Mitteilungen über die Winterstürme Ostasiens usw. 139 
telegraphisch einsenden, bisher gänzlich.!) Da die von solchen Stürmen heim- 
gesuchten Seegebiete mehr abseits der großen Weltverkehrswege liegen, ist es 
nicht weiter verwunderlich, daß den von Zeit zu Zeit erscheinenden Nachrichten 
über das Auftreten. schwerer Stürme in diesen Gegenden weit weniger Beachtung 
veschenkt wird, als ihnen ihrer Natur nach beigemessen werden muß. Es ist 
eine nicht gerade seltene Ansicht, daß diese Stürme gegenüber den »Taifunen« 
der Sommermonate eine nur untergeordnete Rolle spielen. Und doch sollten die 
durchaus nicht seltenen Schiffsunfälle, welche durch solche Stürme herbeigeführt 
wurden, zu großer Vorsicht mahnen. Der Untergang der beiden japanischen 
Dampfer »Ginsei maru« und »Nagata maru« im Winter 1908, bei denen zahl- 
reiche Menschenleben verloren gingen, war die Folge eines solchen Unwetters. 
Allgemeines. 
In den Herbst- und Wintermonaten treten häufig in dem Gebiet zwischen 
dem nördlichen China: und der Gegend um den Baikal-See Tiefdruckgebiete auf, 
welche sich von den in den Sommermonaten aus dem westlichen China oder aus 
Tibet kommenden ähnlichen Gebilden in vieler Beziehung unterscheiden. Was 
sie besonders auszeichnet, ist ihre große Geschwindigkeit, mit der sie auf ihren 
meist ost- oder südostwärts gerichteten Bahnen fortschreiten und die heftigen 
Stürme, welche sie im Gefolge haben. . 
In diesen Jahreszeiten hat sich das Hochdruckgebiet des asiatischen 
Kontinents zu einer außerordentlichen Intensität entwickelt. Nirgendwo in der 
Welt ist die Umkehrung der Verhältnisse vom Sommer zum Winter von solcher 
Gewalt und Regelmäßigkeit. Aus diesem Hochdruckgebiet heraus wehen die Winde 
mit: großer Geschwindigkeit zum Meere hin. Im Rücken der auftretenden De- 
pressionen treten heftige Stürme auf, die auf ihrem Wege über die großen Wüsten 
Innerasiens hinweg gewaltige Mengen feinen Sandes aufwirbeln, den sie oft bis 
weit über die Küsten des Festlandes hinaus ins Meer tragen. Diese Stürme, 
welche unter dem Namen »Sandstürme« im nördlichen China berüchtigt sind, 
üben auf den Verlauf der allgemeinen Witterungsverhältnisse einen sehr be- 
deutenden Einfluß aus und bieten auch vom maritim-meteorologischen Standpunkt 
ein besonderes Interesse, 
Das Auftreten von Tiefdruckgebieten in den Gegenden westlich oder nord- 
westlich von Tschili macht sich an der Küste und über den nördlichen Meeres- 
teilen in der Regel zuerst durch aufkommende süd- oder südöstliche Winde, 
denen Stillen oder ganz schwache Luftbewegung vorangegangen sind, bemerkbar. 
Mit ihrer Annäherung an die Küste weicht das Hochdruckgebiet nach Nord und 
Süd zurück; häufig wird ein Teil desselben abgetrennt, der sich ostwärts nach 
Japan und weiter über den Ozean hin verlagert. Je nach diesen Umständen ist 
die vorherrschende Richtung des Windes zunächst eine mehr südwestliche oder 
südöstliche. Mit dem Näherkommen der Depression erscheinen vereinzelte Cumulus, 
die Spitzen der Berge hüllen sich in Wolken, später überzieht den Himmel ein 
dichter Schleier. Am Barometer sind keinerlei Anzeichen der herannahenden 
Depression zu bemerken, die Tagesschwankung ist deutlich ausgeprägt. Ist das 
Minimum nahe oder bereits am Orte angelangt, so fällt das Barometer rasch, 
während der Wind abflaut. Die Tiefe der Depression scheint beim Betreten des 
Meeres häufig zuzunehmen?); dann fällt zuweilen das Barometer nach Passieren 
der Depression weiter, während bereits der Wind aus nördlichen Richtungen 
weht. In den meisten Fällen jedoch setzt nach dem Vorübergang der Depression 
schnelles Steigen des Barometers ein, während eine im Norden oder Nordwesten 
erscheinende dunkle graue Wolke das Herannahen des Sandsturmes ankündigt. 
Der Himmel ist inzwischen aufgeklart, und mit einem plötzlichen Stoß fällt der 
Sturm ein. Die Dauer des Sturmes ist sehr verschieden, sie richtet sich meist 
nach der Höhe des‘ nachdrängenden Maximums, Solange das Barometer im 
I 1) Das Tsingtauer Observatorium hat mit der Einrichtung weit westlich vorgeschobener 
Stationen begonnen. 
2) Analog dem häufigen Vorgange der von dem nordamerikanischen Seengebiet aus ostwärts 
fortschreitenden Minima. D. Red.
	        
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