138 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1911,
und am 9. und 10. November nach dem Verschwinden des Hochdruckgebietes
den ganzen Norden des Ozeans bedeckten.
Nach den bis jetzt vorliegenden meteorologischen Tagebüchern sind die
ersten Anzeichen dieser Depression zuerst am 30. Oktober auf dem Dampfer
»Dortmund« in etwa 38° N-Br. und 41° W-Lg. beobachtet worden. Der bei diesem
Schiff wehende mäßige Ostwind nahm an diesem Tage bei beständig fallendem
Barometer an Stärke langsam zu und erreichte am Abend des 31. Oktober in
32° N-Br. und 45° W-Lg. seine größte Stärke 8 bis 9, zugleich zeigte das Baro-
meter den niedrigsten Stand mit 751 mm. Später drehte der Wind dann weiter
nach Norden bei wieder steigendem Barometer und flaute am 1, November aus
NW allmählich wieder ab. Die Depression hatte während dieser Tage schon eine
verhältnismäßig große Ausdehnung, wenn man bedenkt, daß der etwa 10 bis
11 Meilen in der Stunde laufende Dampfer auf WSW-Kurs fast 2 Tage lang
innerhalb des Gebietes tieferen Druckes gewesen ist. Am 2. November machte
der Einfluß des sich in nordöstlicher Richtung fortbewegenden Tiefdruckgebietes
sich auch bei den weiter östlich stehenden Seglern bemerkbar, deren Barometer
von nun an langsam im Fallen begriffen war. Bis zum 4, November war die
Bahn des tiefen Luftdruckes nach NO gerichtet mit einer täglichen Geschwin-
digkeit von ungefähr 200 bis 250 Sm. Am 5. November trat infolge des raschen
Vordringens des von Norden kommenden Hochdruckgebietes ein Stillstand in
der Fortbewegung ein, dem ein allmähliches Zurückweichen nach Süden folgte.
Der Luftdruck in der Mitte der Depression ist nicht sehr tief zu nennen und
hat wahrscheinlich während des ganzen Verlaufes nicht weniger als 750 mm be-
tragen. Das Luftdruckgefälle dürfte am steilsten am 5, November nachmittags
an der Nordseite gewesen sein, wo zugleich von den Schiffen die größten Wind-
stärken beobachtet sind. Man kann annehmen, daß hier der größte Luftdruck-
unterschied auf 60 Sm etwa 5 mm betragen hat. An den folgenden Tagen trat ein
Luftdruckausgleich in dem ganzen Gebiet der Umgebung der Azoren ein zu-
nächst durch Abnahme des hohen Luftdruckes im Norden, Am 9. und 10, No-
vember war auch die Depression weiter südlich verschwunden.
Jentzsch.
Einige Mitteilungen über die Winterstürme Ostasiens
und
Sturm vom 8. bis 11. November 1910.
nor
(Hierzu Tafel 11.)
Vorbemerkungen.
Über das Wesen der schweren Stürme, welche in den Herbst- und Winter-
monaten zuweilen über die nördlichen chinesischen Küstengewässer, das Gelbe
Meer und den Golf von Petschili hinwegbrausen, ist eigentlich nur verhältnismäßig
wenig bekannt. Unsere Kenntnisse über ihre Herkunft und Entstehung, ihre
Intensität und Dauer, ihren durchschnittlichen Verlauf mit seinen Begleiterschei-
nungen sowie die Häufigkeit ihres Auftretens gründen sich fast ausschließlich
auf die Beobachtungen weniger Küstenstationen, welche von der Kaiserlichen
Chinesischen Seezollverwaltung eingerichtet sind und ihr Material dem Observa-
torium zu Zikawei einsenden, Wohl sind längs der Küste sowie im Tal des
Yangtsekiang aufwärts eine größere Reihe von Beobachtungsstationen errichtet,
welche im Anschluß an die vom Meteorologischen Zentralinstitut zu Tokio ge-
gründeten Stationen auf den Liu-kiu-Inseln ein genügend dichtes Netz bilden, um
die Annäherung tropischer Wirbelstürme mit einiger Sicherheit zu erkennen und
die gefährdeten Küstengebiete rechtzeitig auf Gefahren aufmerksam zu machen.
Im Hinterlande von Tschili, Shantung, Shansi und in der Mongolei fehlen jedoch
Beobachtungsstationen, welche ihre Beobachtungen einem Zentralobservatorium