Reichard, A. C.: Hydrographische Beobachtungen bei Helgoland in den Jahren 1893 bis 1908. 133
Menge des von den Flüssen der deutschen Bucht zugeführten Süßwassers in
Betracht. Bis jetzt stehen mir nur die Angaben über die monatlichen Zufluß-
mengen der. Elbe zur Verfügung. Aus ihnen läßt sich ein Einfluß der zu-
geführten Wassermengen- auf den Salzgehalt nicht erkennen, erst wenn auch
dasselbe Material von Weser und Ems vorliegt, ließe sich eine entscheidende
Antwort geben.
Die halbmonatlichen Beobachtungen bei Helgoland.
Seit November 1903 wurde versucht, möglichst zweimal monatlich hydro-
graphische Beobachtungen an drei, von Dezember 1906 an vier Stationen, die
1!/2 bis 3 Sm von Helgoland entfernt liegen, anzustellen. Es kamen dabei zur
Untersuchung Salzgehalt und Temperatur an der Oberfläche und in der Boden-
schicht sowie die Sichttiefe. Der Salzgehalt wurde im Laboratorium titrometrisch
bestimmt. Die gefundenen Monatsmittel aus den fünfjährigen Beobachtungen
sind die folgenden:
Salzgehalt %o: I, IL. 1. IV. V. VL VIL VII. IX. X. XI XI
Oberfläche , 33.25 32.86 32.69 31.41 30.01 31.73 31.65 31.29 32.20 32.62 33.21 33.19
Tiefe. .... 33.62 33.26 33.27 33.19 32.61 32.65 32,68 31.94 32.36 33.00 33.51 33.46
Temperatur:
Oberfläche . 4.0° 28° 3.2° 5.39 9.2° 127° 158° 165° 158° 12.5° 92° 7,50
Tiefe. .... 43° 30° 33° 479° 7.3° 104° 134° 16.2° 15.9° 14.0° 10.2° 7,89
Eines der ersten Ergebnisse der halbmonatlichen Beobachtungen war, daß
an den drei Stationen, die im S, W und N der Insel liegen, untereinander ganz
verschiedene Salzgehalte der Oberflächenschicht vorkommen können. Um zwei
Beispiele herauszugreifen: |
Station I. Station II. Station III,
19. IV. 04 32,48% 32.14%0 30.17%o
1. VL. 08 29.76%. 33.44% 32.54 %% 0
Andererseits kommen Tage vor, wo an den drei Stationen der gleiche Salz-
gehalt herrscht, und zwar sowohl bei für Helgoland hohem Salzgehalt als bei
niederem. Auch in der Bodenschicht findet sich teils derselbe, teils ein ver-
schiedener Salzgehalt vor. .Der Salzgehalt an: der Oberfläche ist meist geringer
als der der Tiefe, doch kommt auch hie und da, besonders bei hohem Salzgehalt,
homohalines Wasser vor.
Die Temperaturmittel zeigen, daß von April bis August in der Tiefe
kälteres Wasser zu erwarten ist als an der Oberfläche. In den übrigen Monaten
dagegen ist das Tiefenwasser das wärmere, wenn auch die Unterschiede in einigen
Monaten nur gering sind,
Die Sichtscheiben-Beobachtungen.
Sichtscheiben-Beobachtungen aus der Nordsee liegen bis jetzt nur in ge-
ringer Zahl vor. Die größte Reihe wurde von Krümmel*) auf Grund der
während der Poseidonfahrten an Börd gemachten Beobachtungen veröffentlicht.
[m ganzen sind es 28 Beobachtungen, die ihm zur Verfügung standen. Das
Helgoländer Material besteht aus 278 Sichttiefenmessungen, die sich auf 95 Beob-
achtungstage verteilen. Mit Ausnahme des Mai, der etwas zurücksteht, sind alle
Monate ziemlich gleichmäßig vertreten. Die mittlere Sichttiefe in den einzelnen
Monaten beträgt:
LM ML IV. 2. VL VIL VI IX, X XL XI
Meter... 26 25 36 35 29 54 75 57 53 45 36 31
In den Monaten Januar und Februar ist also die Sichttiefe am geringsten.
In den beiden folgenden Monaten steigt sie um etwa 1m, um im Mai nochmals
um !/, m zu fallen. Im Juni steigt sie dann auf 5.5 m, im Juli auf 7.5 m, von
da ab fällt sie bis Januar fast geradlinig. Die absolut geringste Sichttiefe wurde
mit 1m im Januar beobachtet, die größte mit 17 m. im Juli.
I) Die Beteiligung Deutschlands an der Intern. Meeresforschung. Jahresb, IV bis V 8, 12