Reichard, A.C.: Hydrographische Beobachtungen bei Helgoland in den Jahren 1893 bis 1908, 131
halbmonatlichen Beobachtungen an drei, später vier Stellen in einiger
Entfernung von der Insel, bei denen Oberfläche und Tiefenschicht auf
Temperatur, und Salzgehalt untersucht, sowie die Sichttiefen fest-
gestellt wurden;
gelegentlichen Beobachtungen, die in der Nähe Helgolands auf ver-
ankertem Schiff ausgeführt und bei denen 12 oder 24 Stunden hinter-
einander stündlich Beobachtungen angestellt wurden.
Herangezogen wurde auch noch das Material der meteorologischen Station
auf Helgoland, soweit es Lufttemperatur, Wind und Regenmenge betraf, sowie
Angaben des hamburgischen Wasserbaudirektors, Geheimrat Bubendey, über
die monatlichen Wassermengen der Elbe.
Die täglichen Beobachtungen.
Die Temperaturen sind mittels eines Richter sehen Oberflächenthermometers
auf hundertstel Grad gemessen, das spezifische Gewicht ist im Laboratorium mittels
Aräometer. bestimmt und daraus mit Hilfe der Knudsensechen Tabellen der Salz-
gehalt berechnet.
„4 Die beobachteten Temperaturen wurden zu Monatsmitteln vereinigt, deren
Mittel aus den 15 Beobachtungsjahren ich hier wiedergebe:
Januar Februar März April Mai Juni
Wassertemperatur 3.919 2.649 3.120 5.18° 8.509 12.279
Lufttemperatur 1,56° 1.34° 3.099 5.85° 9.78° 13.409
Juli August September Oktober November Dezember
Wassertemperatur 15.009 16.219 15.56° 13.19° 9.90° 6.48°
Lufttemperatur 15.43° 15.68° 14.07° 10.40° 6.64° 3.41°
Das 15jährige Jahresmittel der Wassertemperatur betrug 9.36°, das der
Luft 8.43°. Aus den Monatsmitteln wurden die Temperaturgleichungen für Wasser
and Luft berechnet, mit Hilfe deren sich die mittlere Temperatur eines jeden Tages
ermitteln läßt. Es gilt für:
Oberflächenwasser ft = 9.36 + 6.38 sin (234° 24’ + x) + 0.14 sin (68° 58’ +2 x)
Luft ft = 8.43 + 7,34 sin (252° Y + x)- 0.19 sin (47° 7/42 x),
wobei "die Zeit vom 16. Januar ab gerechnet ist, für den das Januarmittel gilt
und x= 0 ist.
Eine Auswertung der Gleichungen ergab als Summe der Differenzen
zwischen beobachtetem und berechnetem Mittel (ohne Rücksicht auf die Vor-
zeichen) 1.2° für die Wassertemperaturgleichung und 3.6° für die Lufttemperatur-
yleichung,
Die Minima der Mittel beider Medien fallen in den Februar, ihre Maxima
in den August. Von März bis Juli steigt die Lufttemperatur etwas über die
Wassertemperatur, in den übrigen Monaten liegt sie jedoch unter dieser. Das
Meerwasser hat also von August bis Februar einen Überschuß von Wärme
gegenüber der Luft und kann in diesen Monaten Wärme abgeben. Diese Wärme-
abgabe verursacht, daß auf See nie so tiefe Temperaturen und auch nie so be-
;rächtliche Lufttemperaturschwankungen auftreten, als unter denselben Breiten
an Land, Eine Folge der großen Wärmekapazität der See ist es auch, daß die
Temperaturschwankungen innerhalb eines Monats im Seewasser nie so bedeutend
werden wie. bei der Luft. -Die mittlere Differenz zwischen Minimum- und
Maximumtemperatur ist am größten im Mai und Juni, wo sie etwa 4,5° beträgt,
am kleinsten im. März, in dem sie knapp 1° erreicht. Die. Amplitude der
Temperaturschwankung innerhalb eines Jahres, d. h. die Differenz zwischen der
in einem Jahre beobachteten niedrigsten und höchsten Temperatur ist natürlich
von Jahr zu Jahr verschieden. Am geringsten war sie 1898 mit 13.8°, am
größten 1895 mit 18,4°.
Der Salzgehalt des Meerwassers bei Helgoland ist bedeutenden Schwan-
kungen unterworfen und erscheint auf den ersten Blick innerhalb eines Jahres
ziemlich unregelmäßig zu wechseln. Erst die Beobachtungen während einer
längeren Reihe von Jahren haben gezeigt, daß sich aus den Monatsmitteln eine
yewisse Gesetzmäßigkeit ergibt, Das Minimum der Salzgehalte fällt nach den
ya