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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 39 (1911)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1911. 
Der Erfolg aller seiner Bemühungen war ein sehr reiches wissenschaft- 
liches Material: Tiefseelotungen, Temperatur-, Strom-, Durchsichtigkeitsmessungen, 
Wind-, Wetter-, Sternhimmel-, magnetische-, Pendel-, Flut- und Ebbe-Beob- 
achtungen, auch ethnographische und zoologische, botanische, geographische und 
geologische Sammlungen und vieles andere. Die vorläufigen Berichte über die 
Ergebnisse der Expedition sind in den »Hydrographischen Mitteilungen« 1874 
und 1875, sowie in den aus dieser Veröffentlichung hervorgegangenen »Annalen 
der Hydrographie usw.« 1876 niedergelegt, und zwar die hydrographischen Mit- 
teilungen und ozeanographischen Untersuchungen zu einem sehr großen Teile in 
eigener Ausarbeitung von v. Schleinitz. Zur weiteren Bearbeitung und Heraus- 
gabe des Materials war nach Rückkehr der »Gazelle« eine gewisse Summe 
vom Reichstage bewilligt worden und v. Schleinitz wurde eben um dieses zu 
schaffenden Werkes willen als Vorstand des Hydrographischen Amtes nach 
Berlin berufen, 
Aber, und hier erweist sich sein rätselhaftes Verhalten, er hat das Buch 
trotz aller erdenklichen Bemühungen des damaligen Ministers v. Stosch nicht 
geschrieben. Nach dem Abgange v.Schleinitz’ wurde ein an der Expedition 
Unbeteiligter erst nach langen Jahren beauftragt, das von der wissenschaftlichen 
Welt solange vergeblich und allmählich durch Einzelveröffentlichungen ganz 
überholte »Gazelle«-Werk herauszugeben. 
War es, daß er selbst an seiner Arbeit noch kein Genüge fand? oder 
waren es immer neue Probleme, die ihn fesselten und dadurch hinderten, den 
wohlverdienten wissenschaftlichen und Forscher-Ruhm sich zu sichern? — in 
der Öffentlichkeit ist es nicht bekannt geworden, 
Dennoch genügte sein Ruhm, um ihm den Vorsitz in der Berliner Geogra- 
phischen Gesellschaft zu übertragen; aber weder hier noch als Chef des Hydro- 
graphischen Amtes noch als erster Gouverneur der neu gegründeten Kolonie 
von Neu-Guinea wußte er seine Talente zu einem abgerundeten Nachruhm zu 
verwerten. 
So ist es auch zu erklären, daß von ihm in den letzten Jahren wenig 
mehr die Rede war. Denjenigen aber, denen er näher bekannt geworden ist, 
muß er unbedingt als eine Persönlichkeit in der Erinnerung haften bleiben, ‚die 
ungewöhnliche Befähigungen in vielen Richtungen mit lauterstem und uneigen- 
nützigstem Eifer bei vollendeten Charaktereigenschaften verband. 
Die Marine hat ihm vieles, was daraus entsprang, zu danken und, ist sein 
offener Ruhm nicht der, der er mit Leichtigkeit hätte werden können, so soll 
ihm dieser stille Ruhm einer bedeutenden Nachwirkung seines edlen Lebens 
jedenfalls nicht vorenthalten sein. v. Ahlefeld, Vizeadmiral a, D. 
Diesen von einem Teilnehmer der »Gazelle«-Expedition auf Bitte der 
Redaktion in dankenswertester Weise dem Andenken des Verstorbenen gewidmeten 
Worten möchte an dieser Stelle noch hinzugefügt werden, daß v. Schleinitz 
sowohl als Vorstand des Hydrographischen Amtes, als auch als zweiter Vorsitzender 
der deutschen Polarkommission im System der internationalen Polarforschung 
1882 bis 1883, deren erster Vorsitzender der damalige Direktor der Seewarte 
war, zu der Seewarte in vielfache Beziehungen getreten ist. Diese Beziehungen 
waren für die Arbeiten dieses Institutes um so fördernder, als v, Schleinitz 
durch engere Freundschaft mit dem im vorigen Jahre verstorbenen damaligen 
Direktor Exzellenz v. Neumayer verbunden war. Hatte doch auch Neumayer 
als Hydrograph im Hydrographischen Amt der Admiralität bei der wissenschaft- 
lichen Ausrüstung der Expedition, der Aufstellung ihres Programms und Ein- 
übung der Expeditionsmitglieder für die besonderen wissenschaftlichen Zwecke 
mitgewirkt. Hr.
	        
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