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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 39 (1911)

Köppen, W.: Wodurch ist die hohe Wärme Europas und des Nordatlantischen Ozeans bedingt? 119 
Herrschaft westlicher Winde vom Ozean einen viel milderen Winter haben .als 
das jetzige Neufundland, aber da diese Winde von einem kühleren Meere kommen 
als jetzt, werden alle seine Jahreszeiten viel kühler sein,.- als die des jetzigen 
Irland. Weiter südlich wird man an der Küste statt des Klimas von Lissabon 
und Gibraltar dasjenige von San Francisco erwarten dürfen mit um 8° bis 9° 
kühleren Sommern, 
Man ist längst darüber im klaren, daß man die Warmwasserversorgung des 
weiten Raumes zwischen Spitzbergen und Bermuda nur zum kleineren Teil dem 
eigentlichen Golfstrom, d. h. dem aus den Bemini-Engen herauskommenden »Fluß im 
Ozean« zuschreiben darf, und daß dieser nur der hervorragendste Teil eines viel 
umfangreicheren Wassertransports nach den höheren Breiten ist. Ob man auch 
letzteren noch als Golfstrom bezeichnen will, ist mehr oder weniger Geschmack- 
sache. Es ist aber auch ferner längst erkannt, daß die bloße Nähe des warmen 
Wassers nicht entscheidend ist für seine Wirkung auf ein Klima, sondern daß 
die Richtung der vorwaltenden Winde dafür maßgebend ist: die Wirkung kann 
sich nur dort geltend machen, wohin sie durch den Wind getragen wird, Es ist 
auch außer Zweifel, daß die Temperaturverhältnisse von der Bewölkung beein- 
flußt werden. Es wäre nun eine lockende Aufgabe, wenigstens annäherungsweise 
die Rolle ziffermäßig abzuschätzen, die die verschiedenen Faktoren bei der 
natürlichen Heizung von Europa spielen. Allein dies ist, auch wenn man sich 
nur mit ganz grober Annäherung begnügen will, noch kaum möglich. Denn 
eine Trennung der einzelnen Einwirkungen mit Bestimmung ihrer Größe läßt sich 
zur Zeit wenigstens nicht durchführen. Die thermischen Windrosen z. B. geben 
nur sehr unvollkommene Auskunft darüber, wie die klimatische Temperatur sein 
würde, wenn eine dieser Richtungen anhaltend wehen würde; durch den Einfluß 
der vorhergehenden Winde und der lokalen Winde solcher Richtung sind die 
Unterschiede abgestumpft; die Temperatur der Südwestwinde würde viel höher, 
die der Nordostwinde viel niedriger sein, wenn sie anhaltend auf großem Raume 
wehen würden, 
Im Zusammenhang mit der jetzt so rege gewordenen Südpolarforschung 
werden wir wohl binnen kurzem auch für die südliche Halbkugel ebenso zu- 
verlässige Jahresisothermen der Meeresoberfläche erhalten, wie sie Tafel 8 für 
die nördliche liefert. 
Über die Periodendauer der Eigenschwingungen des Adriatischen Meeres. 
Von Dr. A, Defant in Wien. 
Einleitung. ; 
N Das Adriatische Meer, von den Gebieten Italiens im Westen, von jenen 
Üsterreich-Ungarns, Montenegros und Albaniens im Osten umschlossen, bildet 
einen tief in das europäische Festland eindringenden Arm des Mittelländischen 
Meeres; dieses Becken steht in direkter Verbindung mit dem letzteren durch die 
Straße von Otranto, die eine Breite von ungefähr 70 km besitzt. Die Längs- 
ausdehnung des vorherrschend in der Richtung Nordwest—Südost verlaufenden 
Meeresbeckens beträgt 460 Seemeilen. Die Breite desselben wechselt mehrfach; 
ihr Maximum von 110 Seemeilen erreicht sie in drei Linien: Pesaro—Novi, 
Termoli—Spalato, Barletta —Slano, ihr Minimum dagegen am Ende der Bucht, 
zwischen Otranto und Kap Linguetta, nahezu 40 Seemeilen.. Das Meeresbecken 
besitzt eine mittlere Tiefe von etwa 240 m; der nördlichere Teil der Bucht ist 
bedeutend seichter als der südlichere, Die Tiefenkarte des Adriatischen Meeres 
läßt zwei Becken von ungleicher Gestalt und Tiefe erkennen, welche durch eine 
unterseeische Bodenschwelle, die von der Halbinsel Sabioncello in Dalmatien nach 
dem Küstenvorsprung des Monte Gargnano in Italien verläuft. Das Nordbecken 
hat im Golfe von Triest (etwa 30 m) seine geringste Tiefe, nimmt gegen Süd- 
osten allmählich an Tiefe zu und erreicht seine größte Tiefe von 250 m unmittelbar
	        
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