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Annalen‘ der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1911,
Schulz kürzlich auf der Seewarte abgeleitet hat und freundlichst zur Verfügung
stellte.!)
Schwieriger war die Frage, wie man sich einwandfreie Normaltemperaturen
der Breitenkreise verschaffen könne. Krümmel hat von 5° zu 5° N- und S-Br.
Mittelwerte der wirklichen Oberflächentemperatur für die verschiedenen Ozeane
getrennt berechnet und auch graphisch dargestellt, Nördlich von 25° N-Br. ist
weitaus der Atlantische, von 25° N-Br. bis 25° S-Br. der Indische Ozean der
wärmste; von 25° bis 45° S-Br., sind die Unterschiede nicht sehr groß. In jedem
der Ozeane spricht sich der Einfluß der geographischen Breite aus, und jeder
kann also zur annähernden Bestimmung dieses Einflusses dienen. Nimmt man
aber das Mittel aus allen für die Breitenkreise je nach ihrer Ausdehnung, so
führt man noch ein fremdes Element, die Form der Ozeane ein, das die Ergeb-
nisse wesentlich entstellen kann, weil in einer Breite ein kalter, in einer andern
ein warmer Ozean überwiegenden Einfluß hat,
Am brauchbarsten sind wohl die Mittel von der Südhalbkugel, auf der
zwischen 35° und 65° Breite 90 bis 100%, und zwischen 0° und 35° Breite
immerhin 75 bis 80%, jedes Breitengürtels von Wasser bedeckt sind. Wir wollen
sie zum Ausgangspunkt nehmen und die Temperaturen der Meeresräume der
Nordhalbkugel in Abweichungen von diesen Mittelwerten der südlichen Halbkugel
ausdrücken.
Freilich ist gerade in den fast ganz ozeanischen Breiten von 45° bis 60° S
der Meeresteil von Süd-Georgien bis Kerguelen um etwa 4° kälter als derjenige
von Tasmanien bis Kap Horn. Allein obwohl die Ursachen dieser Verschiedenheit
noch wenig aufgeklärt sind, besteht kein sichtbarer Grund, das Mittel dieses
Breitengürtels und auch der übrigen Breiten der südlichen Hemisphäre nicht
als angenäherte Normalwerte von einer Wasserhalbkugel gelten zu lassen und
als vorläufige Grundlage für eine Untersuchung der Beeinflussung
der nordhemisphärischen Ozeane durch die einschließenden Festländer
anzunehmen,
Aus Krümmels mittleren Breitentemperaturen der südhemisphärischen
Weltmeere erhält man folgende mittlere Breiten der Isothermen auf jener Halb-
kugel, für jeden zweiten Grad der Celsiusskala:
Temp.: 26° (25°) 24° 22° 20° 18° 16° (15°) 14° 12° 10° 8° 69° (5°) 4° 2° 0° (—11,„°)
Breite: S.0 15.6 20.0 24.6 29.0 33.0 36,3 37.7 39.1 42.0 44.9 47,8 50.7 (52.1) 53.7 56.8 60.0 (72°)
Beim Entwurf der Karte sind der sicheren Zeichnung wegen die wirk-
lichen und die »normalen« Isothermen von Grad zu Grad gezogen worden. In
1) Über die Ableitung dieser Isothermen gibt Herr Schulz die folgenden Aufklärungen:
Die Jahresmittelkarte der Wassertemperaturen im Stillen Ozean nördlich 40° N-Br. gründet
sich im Gebiete südlich 50° N-Br. und östlich 140° W-Lg. auf die Darstellung von Thorade (Ann.
d. Hydr. usw. 1909, Tafel 11), im übrigen auf 180 auf der Seewarte vorhandene meteorologische Tage-
bücher deutscher Schiffe, die sich in diesem Gebiete aufgehalten haben. Für das Bering-Meer bildeten
neben einigen Fahrten deutscher Dampfer in seinem südlichen Teile die von Makaroff gesammelten
russischen Wassertemperaturbeobachtungen (Le Vitiaz et ’Oc6an Pacifique, St. Petersbourg 1894, Vol. IT)
wie die des amerikanischen Schiffes »Albatross« die Hauptquellen (Townsend: Records of the U, 8.
Fish Commission Steamer »Albatross« Washington 1901).
Mit Ausnahme des Gebietes westlich 160° O-Lg., für welches die Wassertemperaturen am Orte
der Beobachtung auf zwölf Monatskarten eingetragen wurden, wurde alles Material in Tabellen für
jeden Monat getrennt gesammelt und für den offenen Ozean nach Zweigradfeldern, in der Nähe der
Aleuten nach Eingradfeldern zusammengefaßt.
Nach Bildung der Temperaturmittel für die einzelnen Felder wurden Isothermenkarten für
jeden Monat hergestellt und aus ihnen die Jahresmittelkarte abgeleitet, indem für die Schnittpunkte
jedes 10. Meridians mit jedem 2, Parallelkreise das Monatsmittel interpoliert und daraus das Jahres-
mittel berechnet wurde. In dem Falle, wo in einem Zwei- oder Eingradfelde für jeden Monat Beob-
achtungen vorlagen, wurde auch aus ihnen das Mittel gebildet, oder, wenn nur solche vorhanden, aus
den Mitteln der Monate Februar, Mai, August, November,
Für das Bering-Meer liegen nur für den Sommer Beobachtungen vor. Es wurden trotzdem
Jahresmittel erhalten unter der Annahme, daß die von Nansen im Polarmeere festgestellte Temperatur
von — 1,6° C., die dort das ganze Jahr hindurch recht gleichmäßig in der unmittelbar unter der Eis-
decke befindlichen Wasserschicht herrscht, auch für das im Bering-Meer unter dem Packeise befind-
liche Wasser richtig ist (vgl. Nansen: "The Oceanopgraphy of the North Polar Basin. S. 314). Als
Wassertemperatur im Treibeise wurde in der Nähe des Packeises — 1.0° C. angenommen und bei
Annäherung an das eisfreie Wasser allmählich auf 0.0° gesteigert.