accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 39 (1911)

Köppen, W.:.Wodurch ist die-.hohe Wärme Europas und des Nordatlantischen Ozeans bedingt? 115 
niedriger sein. Denn die Monsune wehen aus kälteren nach wärmeren Räumen 
und wirken daher im allgemeinen abkühlend — im Winter führen sie die Kälte 
des Binnenlandes, im Sommer die Kühle des Meeres mit sich. In Europa wird 
dagegen der allgemeine planetarische Kreislauf der Luft, der für diese Breiten 
westliche Winde verlangt, im Wechsel der Jahreszeiten nicht zerstört, sondern 
nur wenig nach rechts und links abgelenkt. ; 
3. Der wichtigste Umstand aber, der für die‘ Ausnahmestellung Europas 
entscheidend ist und an sich ein höchst anziehendes Problem darstellt, ist die 
extreme Wärme des größten Teiles der Oberfläche des Nordatlantischen Ozeans 
außerhalb der heißen Zone. Diese tritt hauptsächlich hervor, wenn wir ihn mit 
den Meeren der südlichen Halbkugel in denselben geographischen Breiten ver- 
gleichen. Die Isanomalenkarte in Krümmels Ozeanographie (Bd, I, 2. Aufl, 
S. 405, Stuttgart 1907) verwischt diese interessante Erscheinung dadurch, daß sie 
für beide Halbkugeln verschiedene normale — d. i. mittlere — Temperaturen 
für die gleichen Breiten verwendet, für die nördliche Halbkugel also solche, bei 
deren Ableitung die abnorm hohen Temperaturen des Nordatlantischen Ozeans 
entscheidend waren. Es soll natürlich nicht die Berechtigung auch dieser Dar- 
stellung geleugnet werden, ich finde sie nur weniger lehrreich, als die Verwendung 
‚holosphärischer« Mittelwerte. Es fragt sich eben einfach, welchen Zweck man 
mit der graphischen Darstellung verfolgt. Ich denke, der Hauptzweck muß sein, 
eine möglichst präzise Fragestellung nach den Ursachen zu gestatten, die neben 
der geographischen Breite die verschiedene Oberflächentemperatur der 
Meeresräume bedingen, Und dazu müssen die Gegensätze, nach alleiniger 
Elimination des beherrschenden Einflusses der Breite, möglichst scharf einander 
gegenübergestellt werden. Wir eliminieren die Breite, weil die Abnahme der 
Wärme vom Aquator zu den Polen am leichtesten verständlich ist und wir da- 
mit den Rest der vorhandenen Verschiedenheiten der Untersuchung zugänglicher 
machen wollen, Daß aber zwischen den beiden Halbkugeln ein Unterschied vor- 
handen ist, das ist nicht etwa ohne weiteres begreiflich, sondern gehört voll- 
ständig in das Bereich dessen, was wir eben durch diese anschauliche Darstellung 
der Untersuchung näher bringen wollen, und seine vermutlichen Ursachen liegen 
in denselben Umständen versteckt, die wir auch für die Ungleichheiten innerhalb 
jeder Halbkugel verantwortlich machen müssen: Strömungen und Schichtungen. 
Ich muß deshalb den Vorwurf, den Krümmel gegen meine erste, in den 
Ann, d, Hydr. usw. 1898 erschienene Isanomalenkarte der Meeresoberfläche erhebt, 
daß die darin verwendeten Normaltemperaturen der Breitengrade »sich natur- 
widrig symmetrisch zum Äquator in beiden Hemisphären anordnen«, zurück- 
weisen, da er, wie ich glaube, auf ungenügend klarer Fassung der Aufgabe 
beruht. Dagegen sind die beiden anderen Einwürfe gegen meine Karte be- 
rechtigt, wenngleich diese Mängel nicht vermochten, die großen Züge wesentlich 
zu entstellen, auf deren Vorführung es mir vor allem ankam. Diese beiden 
Mängel sind: die normalen Wassertemperaturen für die Breitenkreise sind auf 
einem künstlichen Umwege aus den Lufttemperaturen berechnet, und die Jahres- 
isothermen der wirklichen Wassertemperatur sind außerhalb der Wendekreise 
aus den Mitteln von nur zwei Monaten — Februar und August — abgeleitet, 
was, wie Krümmel nachweist, nicht genügt. Überhaupt hatte meine Arbeit mehr 
den Zweck, eine neue Methode und die großen Züge der Erscheinung wvorzu- 
führen, als authentische Kleinarbeit zu liefern, die man von den Ozeanographen 
erwarten durfte. 
Durch die Freundlichkeit meines Kollegen Prof. Schott bin ich jetzt in 
der Lage, eine so sorgfältig ausgearbeitete Weltkarte der Jahresisothermen der 
Meeresoberfläche zu benutzen, die er im Jahre 1906 für die Londoner »Challenger 
Society for promotion of Oceanography« entworfen und die bisher noch nicht 
veröffentlicht ist. 
Für den Stillen Ozean nördlich von.40° N-Br. sind in .der Tafel, “auf 
Empfehlung von Prof, Schott, neuere, ebenfalls noch nicht veröffentlichte Iso- 
thermen der Meeresoberfläche zugrunde gelegt, die Herr stud. geogr. Bruno
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.