L04 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1911.
Schätzung nach dem Gefühl. Es ist aber jetzt von der Seewarte ein Psychro-
meter dem Dampfer für die folgenden Reisen nach dem Persischen Golf mit-
gegeben worden, v. d. B.
6. Witterungsverhältnisse auf der Reise von Suva auf Vitti Levu nach
Nauru, 21. bis 29. Oktober 1909. Nach Bericht S, M. S. »Condor«, Komdt,
K-Kapt. Kranzbühler.
Der Kurs nach Nauru führte an der Westseite von Vitti Levu entlang.
Die englischen Sailing direetions für die Pacific Islands Vol, II 4® edition 1908
bezeichnen die Luft über der Westküste von Vitti Levu trockner und heiterer
als auf dem übrigen Teil der Insel. Diese Erfahrung fand sich beim Passieren
der Westküste nicht bestätigt. Sie war so vollkommen in Wolken gehüllt, daß
von der Insel nichts auszumachen war. Dagegen wurde, wie die Segelanweisung
in Aussicht stellte, ein frischer NW-Wind angetroffen, nachdem vorher südliche
und östliche Winde geweht hatten; letztere stellten sich von etwa 12° 5S-Br. an
wieder ein, hauptsächlich aus nordöstlicher Richtung.
Die Luft war außerordentlich mit Wasserdampf gesättigt; häufige Nieder-
schläge waren die Folge. Um so auffallender ist es, daß die Insel Nauru selbst
seit etwa Januar 1908 unter anhaltender Trockenheit zu leiden hat, in solchem
Grade, daß die Kopra-Ernte stark zurückgegangen ist.
An zwei Tagen konnte beobachtet werden, wie bei gleichzeitiger Senkung
der Barometerkurven um 1mm unter den normalen Nachmittagstiefstand um
den Mond sich ein Ring bildete unter geringer Auffrischung des seine nordöst-
liche Richtung beibehaltenden Windes.
Am 24, Oktober wurde um 4b N bei westlichem Winde, Stärke 3, auf
13° 5’S-Br. und 173° 43’ O-Lg. in der Kimm eine Wasserhose beobachtet. Sie
stand in seitlicher Verbindung mit einer am Horizont gelagerten Wolkenbank
und hielt sich etwa 5 Minuten.
7. Zu v. Schaper: Über die Eigenberechnung der Monddistanzen usw.
(»>Ann, d. Hydr. usw.« 1910, S. 669 u. ff.)
In meiner Arbeit über Berechnung der Monddistanzen im Dezemberheft 1910
der »Ann, d, Hydr. usw.« befindet sich auf S. 674 ein Rechenfehler, wie Herr
Oberst v. Kobbe mir mitzuteilen die Freundlichkeit hatte. Es muß dort heißen:
u“ log cosee = 0.9000948 log sec = 0.0034676
Dann ergibt sich für D der Wert 10° 45’ 39” (statt 10° 45’ 40”). —
Ferner möchte ich nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, daß bereits Herr
Dr. Wedemeyer in seiner Arbeit »Zur Höhenberechnung« (»Ann. d. Hydr. usw.«
1903, S. 211 bis 222) die Napierschen Gleichungen von demselben Gesichtspunkte
aus betrachtet hat, wie dies jetzt von mir geschehen ist, und daß seine Ergebnisse
(vgl. S. 218, 219 der genannten Arbeit) mit den meinigen wesentlich überein-
stimmen. Herr Dr. Wedemeyer untersucht in dieser Arbeit noch eine große
Anzahl von Formeln auf ihre Leistungsfähigkeit; die Resultate sind offenbar
auch für die Frage nach der besten Berechnungsart der Monddistanzen von un-
mittelbarer Wichtigkeit. Dr. H. v. Schaper.
8. Scintillation der Venus. Der 2. Offizier J. Schacht des Schnelldampfers
»Berlin« des Norddeutschen Lloyd berichtet:
Am Abend des 2, Dezember 1909 auf 38%/,° N-Br. und 31° W-Lg. beobachtete
ich während meiner Wache bei schönem Wetter und klarer Luft eine leucht-
kugelartige Erscheinung der Venus, kurz vor ihrem Untergange.
Wir befanden uns mit dem Norddeutschen Lloyddampfer »Berlin« auf der
Reise von Gibraltar nach New York und hatten am Mittag die Azoren passiert,
Der Himmel war dicht bewölkt, nur im Westen war ein 2 bis 3 Grad hoher heller
Streifen über der Kimm, wo plötzlich die Venus hervortauchte und in einer so
eigenartigen Erscheinung, daß sie anfangs für ein Toppfeuer eines in der Nähe
befindlichen Dampfers gehalten wurde, Gleich hierauf verwandelte sich die Farbe
des Planeten in regelmäßigen Abständen in rot, grün, blau und weiß, jede einzelne