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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 39 (1911)

L02 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1911. 
eine unerträgliche schwüle, feuchte und alles erschlaffende Hitze, die jegliche 
Verdunstung hinderte. Nach Angabe des in Lingah ansässigen Agenten der 
Hamburg-Amerika Linie war dieser Sommer der heißeste im Golf seit einem Zeit- 
raum von neun Jahren, und die feuchte Hitze hatte so nachteilig auf die Kulis 
eingewirkt, daß die Abfahrt der in den Golfhäfen liegenden Dampfer ver- 
zögert wurde, 
Zwischen Lingah und der auf der arabischen Seite liegenden Bahrein-Insel, 
also auf der Fahrt quer über den hier seine größte Breite erreichenden Golf, 
am 7. und 8. August, wurden bei flauem umlaufenden, oft nordwestlichem Winde 
immer noch Lufttemperaturen bis zu 34° im Schatten und Oberflächentemperaturen 
zwischen 33.5° und 34° gemessen. Der Feuchtigkeitsgehalt der Luft am Tage war 
anscheinend unverändert geblieben, so daß selbst in den heißesten Mittagsstunden 
die brennende Sonne nicht den durchdringenden Tau zu verdrängen vermochte, 
Dazu war die Luft bei klarem, blauem Himmel so stark mit Sand erfüllt, daß 
die Sichtigkeit ungemein beeinträchtigt wurde, 
Auf der Fahrt zwischen Bahrein und Buschehr, quer über den Golf, am 
10. August, stieg die Hitze zeitweise wieder auf 38°, während die Wassertempera- 
turen jetzt mit der Annäherung an die Flußmündung keine Steigerung mehr 
erfuhren. Der Wind war jetzt, wenn auch noch leicht, doch ausgesprochen 
aus nordöstlicher Richtung, ohne daß indessen eine Änderung in den Feuchtig- 
keitsverhältnissen der Luft eintrat. Angaben über die Witterungsverhältnisse 
auf Buschehr Reede sind leider nicht in dem sonst mit großem Eifer geführten 
Tagebuch verzeichnet, doch dürften sie den in den südlicheren Häfen angetroffenen 
Verhältnissen entsprochen haben, 
Dies läßt sich annehmen auch nach den Erfahrungen des lange Zeit in 
Buschehr ansässigen Generalkonsuls der Niederlande, Baron R. C. Keun de Hoeger- 
woerd, der über das Klima der Golfhäfen und speziell Buschehrs infolge seiner 
{angjährigen Beobachtungen zu folgendem Urteil gelangt'): ».... Von Mai bis 
November sollte niemand diese Küste anders als im Falle der Notwendigkeit 
besuchen. Das Maximum der Sonnentemperatur zu Buschehr und am Persischen 
Golf überhaupt erreicht 40°. Diese außerordentliche Hitze wäre noch zu ertragen, 
wenn die Luft trocken wäre; aber die Feuchtigkeit der Luft macht sie erdrückend, 
und es ist kein Unterschied zwischen Tag und Nacht. Tau ist sehr stark und 
die vom feuchten Boden aufsteigenden Dünste gestalten sich zuzeiten zu einem 
mehr oder weniger dichten Nebel. Die einzige Erleichterung bringt nur irgend- 
eine Störung des atmosphärischen Gleichgewichts, die einen Luftzug aus nörd- 
lichen Gegenden herbeiführt. , . .« 
Zwischen Buschehr und dem Schatt el Arab schwankte die Lufttemperatur 
bei einem Schamal von Stärke 5 bis 7 (nach Beaufort) im Schatten zwischen 
39° und 42°, auch brachte der außerordentlich heiße Wind sehr viel feinen Sand 
mit sich, so daß zeitweise die Küste aus Sicht kam und man keine 100 m weit 
zu sehen vermochte. Die große Feuchtigkeit der Luft scheint indessen auf dieser 
Fahrtstrecke abgenommen zu haben, wenigstens finden sich keine diesbezüglichen 
Vermerke mehr im Journale. 
Während der Liegezeit der »Cheruskia« auf dem Flusse, erst in Muham- 
mera, später in Basra, vom 13. bis 21. August, betrug die Lufttemperatur im 
Schatten um 8h V durchschnittlich 25° bis 30°, in der Mittagsstunde 40° bis 42° 
and sie blieb dann so bis kurz vor Sonnenuntergang. Bei einem Versuche die 
Temperatur in der Sonne in Ermanglung eines Schwarzkugelthermometers mit 
neuen, bis 60° geteilten, gewöhnlichen Thermometern festzustellen, platzten zwei 
derselben, das heißt, das Quecksilber stieg so hoch, daß es die dünne Glasröhre 
sprengte, so daß für die weiteren Messungen nur noch ein Instrument verfügbar 
war. Während der Nacht kühlte die Luft nur langsam etwas ab, während es 
stark taute; Tags über waren Sandstürme bei stets heiterem Himmel häufig. 
Die außerordentlich hohen Tagestemperaturen wurden hier aber in den Fluß- 
häfen nicht so sehwer empfunden wie im Golfe bis einschließlich Buscher selbst, 
\ Annalen der Hydrographie usw. 1889, S, 189
	        
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