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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 39 (1911)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1911. 
da das Eis, das im Winter die Reede auffüllt, wenn es im Frühling allmählich 
schmilzt, Schlick, Lehm und dergleichen absondert, wodurch schon Bänke ent- 
standen sind, auf denen nur 5,9 m Wasser stehen; tiefergehende Schiffe müssen 
diesen Umstand beim Aufsuchen eines Ankerplatzes berücksichtigen. 
Signalstationen befinden sich auf der Dschaorö- und der Prongö-Huk am 
südlichen Fahrwasser zum Amur-Flusse, sowie auf der Tschnirrach-Huk am 
Flusse etwa unterhalb Nikolajewsk. Die beiden erstgenannten Stationen haben 
Fernsprechverbindung mit Nikolajewsk. Ebenfalls befindet sich eine Signalstation 
am nördlichen Fahrwasser auf Langr-Eiland. 
Gezeiten. In Nikolajewsk tritt nur ein Hochwasser in 24 Stunden auf, 
Der Tidenhub beträgt 0.3 bis 0.5 m; doch sind auch schon 0.8 m beobachtet 
worden. Die Hafenzeit für Kap Nevelskago und Lazareva in der Tartaren- 
Straße ist etwa 0b 30min, doch für letzteres Kap verzieht sie sich bis zu 2b; dies 
hängt wahrscheinlich von dem jeweiligen Winde ab. 
Auf der ganzen Strecke zwischen der Castries-Bucht und der Dschaorö- 
Huk in der südlichen Durchfahrt (South Channel) treten zwei Tiden in 24 Stunden 
auf. Zwischen dem Kap Nevelskago und Muraveva ist die Morgentide höher 
als die Nachttide. Beide behalten aber ihren höchsten Wasserstand bis eine 
Stunde nach Hochwasser bei, um dann rapide zu fallen. Der Tidenhub ist mit 
1.8 m Höhe beobachtet worden, er wird aber bei Springtide wahrscheinlich mehr 
betragen; bei Kap Lazareva hat man schon 2.7 m festgestellt. In der Nähe 
der Khagemif-Insel beträgt der Tidenhub nur noch 1.2 m und zwischen der 
Dschaorö- und der Pronge-Huk 0.5 m bei südlichen und 0,6 bis 0,9 m bei 
nördlichen Winden. Die Höhe der Gezeiten wird aber im Sommer stark durch 
Oberwasser des Amur-Flusses beeinflußt, dessen Strom mit 1 Sm Geschwindigkeit 
nach Süden setzt und sich noch in der Nähe der Khagemif-Inseln bemerkbar 
macht, wodurch bei Flutstrom Stromkabbelung in deren Umgebung verursacht 
wird. Im Golf von Amur findet man die höchsten Gezeiten im Frühling, wenn 
der Schnee schmilzt, und im Herbst nach anhaltenden frischen nördlichen Winden, 
Jedoch üben auch, wie schon erwähnt, die im Sommer häufig vorkommenden 
Überschwemmungen des Amur wesentlichen Einfluß auf den Stand der Gezeiten 
aus. In der Tartaren-Straße steigt das Wasser bei nördlichen Winden und 
{ällt bei südlichen, 
Die Gezeitenströme laufen in der Tartaren-Straße und im Golf von Amur 
in der Richtung des Hauptfahrwassers, wenn sie nicht durch Bänke oder andere 
Fahrwasser abgelenkt werden; der Flutstrom setzt nordwärts, der Ebbstrom süd- 
wärts, Die Geschwindigkeit der Gezeitenströme beträgt bei der Castries-Bucht 
2 Sm in der Stunde; sie nimmt in der Nähe der Engen der Tartaren-Straße bis 
zu 3 und 4 Sm in der Stunde zu und erreicht beim Kap Lazareva mitunter 5 Sm 
in der Stunde. Nördlich von den Engen nimmt die Geschwindigkeit wieder etwas 
ab und beträgt bei den Khagemif-Inseln etwa 2 bis 3 Sm in der Stunde, 
Nach einer Bemerkung im Fragebogen des Kapt. C. Hinrichsen müßte 
in der Umgebung der Dschaorö-Huk der Flutstrom nach Süden setzen, denn er 
schreibt: »Man muß von der Dschaorö-Huk abfahren, ehe der Strom kentert, 
also bevor der Strom von Süden kommt, weil alsdann das Wasser schnell fällt, 
hauptsächlich bei Nordostwind. Ich habe dies 4 Tage lang beobachtet.« 
Am südlichen Ende des Sachalin-Fahrwassers, auf etwa 52° 35’N-Br., 
treten in 24 Stunden zwei Hochwasser auf. Der Flutstrom setzt nordwärts von 
der Zeit des Meridiandurchganges des Mondes bis 6 Stunden nachher, der Ebb- 
strom darauf ebenfalls 6 Stunden lang. Beide setzten im allgemeinen in der 
Richtung des Fahrwassers und erreichen etwa 2 Sm Geschwindigkeit in der 
Stunde. Am nördlichen Ende des Fahrwassers und auf der Nord-Reede tritt nur 
ein Hochwasser auf in 24 Stunden, Der Flutstrom setzt von 6 Stunden vor dem 
Meridiandurchgang des Mondes bis zum Meridiandurchgang aus dem Ochotskischen 
Meer mit 1 Sm Geschwindigkeit in der Stunde südwärts, und der Eintritt des 
Hochwassers erfolgt während dieser Zeit. Von einer Stunde nach dem Meridian- 
durchgang bis 18 Stunden nachher setzt der Ebbstrom mit 3 Sm und manchmal 
mit noch größerer Geschwindigkeit in nördlicher und nordwestlicher Richtung nach
	        
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